Energie 22.02.2008, 19:33 Uhr

Schweiz öffnet den Strommarkt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 2. 08, mg – Die Schweiz gilt als Wasserschloss und Stromdrehscheibe Europas. Auf der Essener Messe E-world machte sie auch auf ihre energietechnischen Exportgüter aufmerksam. Mit der jetzt beginnenden Liberalisierung ihres Strommarkts wird sie auch für deutsche Energielieferanten interessant.

Obwohl die Schweiz kein EU-Land ist, laufen dort vergleichbare politische Prozesse – manchmal etwas verzögert – wie in den Nachbarländern ab. „Wir befinden uns mitten in einer intensiven energiepolitischen Phase, die von der Liberalisierung des Strommarkts und von kontroversen Diskussionen über die künftige Energieversorgungssicherheit und den Klimawandel geprägt ist“, sagte Christian Wanner, Finanzdirektor des Kantons Solothurn, am Dienstag zur Eröffnung der Messe E-world energy & water. Diese dreitägige Energiemesse in Essen begleitete die Alpenrepublik als diesjähriges Partnerland.

Nach der deutlichen Ablehnung einer Strommarktöffnung im Jahre 2002 liege nun ein neues Gesetzeswerk vor, das auch der Schweiz die Liberalisierung des Strommarkts bringe, wie Wanner erläuterte. Nach dem Stromversorgungsgesetz vom Frühjahr 2007 dürfen Großkunden mit mehr als 100 000 kWh Verbrauch pro Jahr ab Ende 2008 ihren Stromlieferanten frei auswählen. Fünf Jahre später haben dann alle Endkunden einschließlich der Privathaushalte den freien Marktzugang.

Überwacht werde der Markt bereits jetzt von einer Elektrizitätskommission als Regulator. Neu sei auch ein für den Systembetrieb zuständiger unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber, der Swissgrid. Diese nationale Netzgesellschaft werde in fünf Jahren Betrieb und Eigentum auf der Höchstspannungsebene übernehmen. Damit werde die eigentumsrechtliche Entflechtung vervollständigt. „Dieses Modell stößt auch auf europäischer Ebene auf Interesse“, sagte Wanner.

Unternehmensvertreter betonten auf der Essener Energiemesse des Öfteren die Rolle der Schweiz als „Wasserschloss und Stromdrehscheibe Europas“. Wasserkraft liefert rund 60 % der elektrischen Energie für die Schweizer und stellt damit einen wichtigen Zweig ihrer Energiewirtschaft dar. Auch der grenzüberschreitende Stromhandel spielt für das Alpenland wirtschaftlich und versorgungstechnisch eine große Rolle.

Nach den Energiestatistiken der Eidgenossen darf sich die Schweiz mit gutem Grund als Stromdrehscheibe Europas bezeichnen, waren doch im Jahre 2006 die Stromimporte mit 48,8 Mrd. kWh und die Stromexporte (46,1 Mrd. kWh) recht beträchtlich im Vergleich zu der eigenen Stromerzeugung aus den Wasser- und vier Kernkraftwerken mit 62,1 Mrd. kWh.

Ihre Eigenerzeugung wollen die Eidgenossen in Zukunft steigern. Denn nach den Analysen des Bundesamts für Energie wird sich in der Schweiz bis 2035 die Nachfrage nach elektrischer Energie um 20 % erhöhen. Falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden, würde sich bis dahin ein deutliches Defizit einstellen.

„Dies und das ungenutzte Potenzial bei Effizienz und erneuerbaren Energien haben dazu geführt, dass die Schweizer Regierung im vorigen Jahr eine Neuausrichtung der Energiepolitik beschlossen hat“, sagte Finanzdirektor Wanner. Diese beruhe auf vier Säulen: der Steigerung der Energieeffizienz und der Förderung der erneurbaren Energien. Weiterhin seien der gezielte Aus- und Neubau von Großkraftwerken sowie die Intensivierung der Energieaußenpolitik geplant. Um diese VierSäulen-Politik diskutiere der Schweizer Bundesrat derzeit sehr intensiv.

„Zügige Fortschritte“ erwartet Wanner auch bei der Aushandlung eines bilateralen Stromabkommens zwischen der Schweiz und der EU. Darin sollen grenzüberschreitende Stromtransite, der gegenseitige Marktzugang sowie die Anerkennung von Herkunftsnachweisen für „grünen“ Strom geschaffen werden.

Für die Erzeugung elektrischer Energie aus der Wasserkraft hat die Schweiz dank ihrer geografischen Eigenheiten und der hohen Niederschlagsmengen gute Voraussetzungen. Sie ist die wichtigste einheimische Quelle erneuerbarer Energie. Die Erlöse aus dem Stromverkauf werden auf insgesamt etwa 2 Mrd. Franken geschätzt.

Der Wasserkraftwerkspark der Schweiz besteht heute aus 527 Zentralen, das sind Kraftwerke mit mindestens 300 kW Leistung. Sie erzeugen durchschnittlich rund 35 300 GWh Strom pro Jahr. Davon werden rund 47 % in Laufwasser-, 49 % in Speicher- und rund 4 % in Pumpspeicherkraftwerken erzeugt. Die Schweizer Regierung will die Wasserkraft in Zukunft verstärkt fördern. Bestehende Werke sollen erneuert und ausgebaut werden, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Für die deutsche Energiebranche ist die Alpenrepublik gleich in doppelter Hinsicht interessant. Zum einen gibt es zahlreiche Unternehmen, die schweizerischen Strom, zum großen Teil „grüne“ Energie, auf dem deutschen Strommarkt anbieten. Zum anderen öffnet das Land seinen eigenen Strommarkt allmählich dem Wettbewerb und damit auch deutschen Anbietern. mg

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