RWE: Deutschland kann das Fusionsrennen gewinnen
RWE will helfen, dass Deutschland das Rennen um das erste weltweite Fusionskraftwerk gewinnt. CEO Markus Krebber sieht gute Chancen.
Im Rennen um das erste kommerzielle Fusionskraftwerk setzt RWE auch auf ehemalige Atomkraftwerksstandorte.
Foto: Smarterpix/ meshcube
Globales Rennen um das erste Fusionskraftwerk
RWE sieht reale Chance, dass Deutschland das globale Rennen um die Kernfusion gewinnen kann. Bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2025 des RWE-Konzern nahm CEO Markus Krebber auch Stellung zur Kernfusion: „Ein klarer Vorteil im globalen Rennen um das erste kommerzielle Fusionskraftwerk“, sei es, wenn RWE mit in diesem Bereich einsteige. Derzeit sieht es zwar nur danach aus, die Kernkraftwerksstandorte Biblis und Gundremmingen mit ihrer kerntechnischen Infrastruktur für die Kooperationspartner Focused Energy (Laserfusion, Biblis) und Proxima Fusion (Magnetfusion, Gundremmingen) bereitzustellen.
„Darüber hinaus bringen wir unsere Betreibererfahrung und unser Know-how bei Genehmigungsprozessen ein“, so Krebber in Essen, beides erhöhe die Umsetzungsgeschwindigkeit und senke die Kosten.
Deutschland und die USA im Wettbewerb um die Kernfusion
Das sei der „klare Vorteil“ im globalen Rennen, wobei, so global ist das nicht, wie Krebber weiter ausführte. „Es gibt im Grunde genommen zwei Länder, die verschiedene Unternehmen, Startups und schon weiterentwickelte Unternehmen haben, die daran forschen, sowohl an Fusionen wie auch an Laser wie auch Magnetfusion. Es sind die USA und Deutschland“. Deutschland auch aufgrund der exzellenten Forschungslandschaft. Geschwindigkeit sei dabei entscheidend, denn der der erste, „der am schnellsten ist, einen klaren Weg aufzuzeigen, der kriegt das Geld und es werden ja Milliarden Investitionen gebraucht, die auch kein Staat fördern wird“, so der RWE-Chef.
Wenn die Technologie ins Reifestadium kommt, dann, so Krebber, würden Investoren draufgehen: „Da gilt oft, dass der erste dann das Geld kriegt und dann haben die anderen nichts mehr und sitzen im Trockenen. Und deswegen geht es hier um Geschwindigkeit“. RWE hat nach Angaben gegenüber VDI nachrichten beobachtet, dass zum einen erfolgreiche Testläufe in Sachen Kernfusion zunehmen würden und insbesondere die USA und China schon begonnen hätten Milliardensummen in Hand zu nehmen, um die Technologie zu entwickeln. China erwähnte Krebber in Düsseldorf jedoch nicht.
Warum ehemalige Atomkraftwerke für Fusionsprojekte interessant sind
Und dabei brauche es neben der Grundlagenforschung vor allen Dingen auch die ersten Testanlagen, wo man die Machbarkeit der Technologie zeigen könne. Dies seien aber auch Anlagen, „die am Ende unter Strahlenschutz fallen“ und da seien ehemalige Kernkraftwerksstandorte, „die Nachnutzung von existierenden Anlagen ein Riesenvorteil. Das heißt, da bieten wir in der Kombination den Vorteil, dass man da Geschwindigkeit bringen kann“. Der entscheidende Unterschied zu früher, so RWE-Chef Krebber, sei heute, dass zweistellige Milliardenbeträge in die Entwicklung der Kernfusion gesteckt würden. So wisse man zumindest bis 2035, ob sich wirklich kommerzielle Fusionskraftwere bauen ließen.
RWE sieht sich bei der Kernfusion als Unterstützer
Die Rolle von RWE sei klar, so Krebber: „Wir sind nicht diejenigen, die in die Anlage investieren. Ja, wir werden das Unternehmen unterstützen. Wir werden auch den Standort betreiben, mit unserer Expertise zur Verfügung stehen. Aber die Pläne für die Investitionen in die Anlagen liegen bei diesen Unternehmen“, so Krebber mit Verweis auf Proxima Fusion und Focused Energy.
Falls diese Unternehmen mit ihren Technologien „irgendwann eine Marktreife haben“ – Krebber rechnet dafür Mitte der 2030er Jahre, dann könne RWE sich sicherlich überlegen, zu sagen: „Jetzt gehen wir auch da rein. Aber wir sind kein Technologieentwickler. Wir wollen Wettbewerb zwischen den Technologieentwicklern, um dann immer die für uns passendste zu nehmen“. RWE sehe sich als Enabler auch im Sinne des Standorts Deutschland, dass die Unterstützung erfahren und schneller sein können.
RWE beobachtet SMRs sieht sie aber nicht als rentable an
„Als ein technologieoffenes Unternehmen beobachten wir natürlich auch SMRs“, so ein RWE-Unternehmenssprecher. Ob und wann diese Technologie kommerziell ausgereift sein werde, könne heute noch niemand sagen. RWE-CEO Krebber erwiderte auf Nachfrage in Düsseldorf, dass SMRs Stand heute keine Business Case für eine kommerziell operierendes Unternehmen wie RWE sei. Stand heute gebe es laut RWE keinen einzigen Zulieferer weltweit, der eine Bauzeit zusagen und zu fest vereinbarten Kosten anbiete. „Darüber hinaus sehen wir auch noch eine erhebliche rechtliche Hürde: Die Energieerzeugung in SMRs erfolgt durch Kernspaltung, die entsprechend der gesellschaftlichen Entscheidung zum Kernenergieausstieg in Deutschland laut Atomgesetz ausgeschlossen ist. Kernfusion soll entsprechend des Aktionsplans Fusion hingegen im Rahmen des Strahlenschutzgesetzes reguliert werden“.
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