Energieeffizienz 18.12.2009, 19:44 Uhr

Russland fördert Energieeffizienz  

Mit mehr Energieeffizienz und Klimaschutz will Präsident Dmitri Medwedew die russische Wirtschaft erneuern. Dabei sollen auch Investitionen, neue Technologien und Ideen aus dem Ausland helfen. VDI nachrichten, Moskau, 18. 12. 09, swe

Am 23. November 2009 hat Präsident Medwedew das neue russische Energieeffizienzgesetz unterzeichnet. Dies schreibt vor, Begrenzungen für Glühbirnen, die Kennzeichnung energiesparsamer Geräte und Zählerpflicht für Strom, Wasser, Gas und Wärme einzuführen. Damit hat der russische Präsident einen Meilenstein erreicht. Im Frühjahr 2009 hatte er noch vor Studenten in Helsinki beklagt, dass sich sehr viele russische Produktionszweige in Sachen Energieeffizienz leider „in der Steinzeit befinden.“

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Es folgten eindringliche Appelle, dies zu ändern. Beim 11. Parteitagskongress „Einiges Russland“ Mitte November in Sankt Petersburg erklärte Medwedew: „Unser Land braucht eine neue Wirtschaft.“ Ein Festhalten an der „rückständigen Rohstoffwirtschaft“, die „von den Launen des Weltmarktes“ abhängt, bedeute Verfall.

Eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Denn um die CO2-Minderungs- und Energiesparziele zu erreichen, ist Russland nach Worten Medwedews am Kapitalzustrom, an neuen Technologien und fortgeschrittenen Ideen aus dem Ausland interessiert. Sie waren Gegenstand des internationalen Forums „Embiz Moscow 2009“ das Mitte November in Moskau stattfand.

„Energiesparen wird zum attraktivsten Investitionssegment der nationalen Wirtschaft“ in Russland, stellte Thomas Hendel heraus, Direktor der neu gegründeten Russisch-Deutschen Energie-Agentur (Rudea). An der Rudea sind je zur Hälfte der russische Energy Carbon Fund und die Deutsche Energie-Agentur (Dena) beteiligt.

Die Energieintensität der russischen Industrieproduktion betrage gegenüber der in Ländern der Europäischen Union das Dreifache, erläutert Hendel. Der Energieverbrauch zur Beheizung eines Quadratmeter Wohnraums beliefe sich im Vergleich zu Schweden mit ähnlichen klimatischen Bedingungen auf das Fünffache. Um Projekte in Russland durchführen zu können, arbeite die Rudea jetzt Finanzierungsmechanismen aus, erläuterte Thomas Hendel.

Zu den vorrangigen Aufgaben der Rudea nannte Direktor Hendel das Heranziehen von Investitionen, den Technologietransfer, das Schaffen von geeigneten Bedingungen für russisch-deutsche Projekte und die Mitwirkung an einer zeitgemäßen Rechtsbasis.

Die Projekte selbst richten sich laut Hendels Ausführungen auf energieeffizientere Gebäude und Beleuchtungseinrichtungen bei Innen- und Außenanlagen, die dezentrale Wärmeversorgung, Zählerinstallation, intelligente Steuerungssysteme und die Ausnutzung von Sonnenenergie und Geothermie.

Konkret organisiert die Rudea abgesicherte Exportkredite mit Hermesgarantien und unterstützt bei Klimaschutzprojekten im Rahmen des Kyoto-Protokolls (Weltklimaabkommen) und Public-Private-Partnerschaften. Auch bei Projekten der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) soll sie hilfreich zur Seite stehen.

Zu den strategischen Partnern der Rudea auf deutscher Seite gehören Großunternehmen wie RWE, VNG, E.on Energie, BASF, Schmack, Alstom, Lurgi oder Siemens. Hinzu kommen große deutsche und russische Finanzinstitute wie zum Beispiel die Sperbank, die Außenhandelsbank, Gazprombank oder die Deutsche Bank zusammen mit Euler Hermes und der KfW.

„Das Energieministerium Russlands wird nur die Innovations- und Investitionsprogramme unterstützen, die auf die Realisierung der Maßnahmen und die Erreichung der Zielgrößen des staatlichen Energieeffizienzprogramms gerichtet sind,“ erklärte Sergei Michailow, Direktor des Departments für Energieeffizienz beim russischen Energieministerium, Ende November auf Anfrage. Wichtige Hilfestellungen könne hier die Rudea geben.

Energiesparen soll für deutsche Firmen zum attraktivsten Investitions- segment in Russland werden

Das Programm „setzt keinen bestimmten Finanzierungsanteil aus Mitteln ausländischer Unternehmen fest“, so Michailow weiter. Ausländische Unternehmen könnten sich an den Programmausschreibungen gleichberechtigt wie russische Organisationen beteiligen. Das neue Energieeffizienzgesetz werde ausländischen Unternehmen ermöglichen, ihre Geschäftstätigkeit in Russland auf allen Gebieten, bei denen Energiesparmaßnahmen nötig sind, zu erweitern.

Energieeffizienz-Direktor Michailow bezifferte auf dem Forum „Embiz Moscow 2009“ die Kosten des kommenden staatlichen Programms zur Steigerung der Energieeffizienz und für Maßnahmen im Bereich erneuerbare Energien von 2010 bis 2020 auf 283 Mrd. €. Davon sollen 51,2 Mrd. € aus dem russischen Staatshaushalt, den Regionalbudgets und der überwiegende Teil aus außerbudgetären Quellen kommen.

Russland verfüge über eines der höchsten Potenziale zur technisch Effizienzsteigerung in der Welt, unterstrich Sergei Michailow. Bis 2020 könnten rund 2,4 Mrd. t CO2-Equivalente und 330 Mrd. m3 Gas eingespart werden, mehr als die dreifache Menge des deutschen Gasverbrauchs pro Jahr.

Schon 2008 verabschiedete Russland den Erlass zur ökologischen und energetischen Effizienzsteigerung der russischen Wirtschaft. Danach soll die Energieintensität bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt von 2007 bis 2020 um 40 % sinken. Das scheint nur mit ausländischer Hilfe zu gehen und die deutsche Wirtschaft hat mit der Rudea zumindest einen ersten Schritt getan.

JOSEPHINE BOLLINGER-KANNE

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