Energiespeicher 08.05.2009, 19:41 Uhr

Renaissance der Pumpspeichertechnik  

Die Schluchseewerk AG plant ein weiteres Pumpspeicherkraftwerk im Südschwarzwald. Für mehr als 700 Mio. € entstehen ein Ober- und Unterbecken sowie eine Kavernenanlage mit einer Leistung von 1000 MW. Baubeginn soll 2014 sein. Laut Plan speist das neue Kraftwerk den Strom ab 2018 über eine bestehende Freileitung und Schaltanlage in das europäische Verbundnetz ein. VDI nachrichten, Laufenburg, 8. 5. 09, swe

„Das Projekt ist ein bedeutender Schritt in die Zukunft des Unternehmens“, so Stefan Vogt, kaufmännischer Vorstand der Schluchseewerk AG mit Sitz im südbadischen Laufenburg. Mit dem bestehenden Kraftwerkspark könne das Unternehmen seine Kapazitäten nicht weiter erhöhen.

Das Schluchseewerk betreibt fünf Pumpspeicherkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1836 MW im südlichen Schwarzwald und ein Laufwasserkraftwerk am Hochrhein. „Die Staustufe Atdorf ist die beste Möglichkeit zum Ausbau unserer Leistung“, so Stefan Vogt. Diese steigt durch das Projekt um 54 %. Das Pumpspeicherkraftwerk wird zu den größten Bauvorhaben der nächsten Jahre in Baden-Württemberg zählen.

Prinzipiell stellen Pumpspeicherkraftwerke Regelenergie bereit, speichern kurzfristig nicht benötigte Energie aus Kraftwerken zu Schwachlastzeiten und stellen Energie zu Spitzenlastzeiten bereit. Grundlage für die Neuplanung ist die Mitte der 70er Jahre beim Bau des Kavernenkraftwerks Wehr konzipierte, aber nicht realisierte Atdorfstufe.

Die Atdorfstufe wurde wieder aktuell mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie Biomasse in Europa und Deutschland. Dies habe der Frage nach Speichertechnologien neuen Auftrieb gegeben, heißt es bei der Schluchseewerk AG. „Die erneuerbaren Energien führen zu einem Wiederaufleben der Pumpspeichertechnik“, sagt Klaus Schneider, Pressesprecher der Schluchseewerk AG

Vor allem Windkraftanlagen sorgten zunehmend für Schwankungen bei der Stromerzeugung. Die Anlage sei notwendig, um die schwankende Stromerzeugung aus regenerativen Quellen „grundlastfähig“ zu machen.

„Pumpspeicherkraftwerke sind die einzige Möglichkeit, elektrische Energie in großen Mengen effizient zu speichern“, so Manfred Rost, technischer Vorstand der Schluchseewerk AG. „Sie wirken im Stromnetz wie eine überdimensional große Batterie.“

Das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf steht im Nutzungskonflikt zur geplanten A 98

Neu soll neben dem bereits bestehenden Hornbergbecken – zurzeit leer und in Revision – das Hornbergbecken II entstehen mit einem Volumen von 10 Mio. m³ Wasser. Oberhalb von Bad Säckingen soll in einer natürlichen Senke das sogenannte Haselbecken mit demselben Fassungsvermögen als Unterbecken liegen. Der geplante Hauptdamm hätte hier eine Länge von 520 m und eine maximale Höhe über dem Talgrund von 76 m. Zwei weitere Abschlussdämme wären erforderlich.

Die Leistungsfähigkeit von rund 1000 MW entspricht der des Kavernenkraftwerkes Wehr, das 1975/76 ans Netz ging. Auch beim neuen Projekt wird der Wirkungsgrad bei 75 % liegen. Es wird noch untersucht, ob sich die Leistung bis auf 1400 MW steigern lässt. „Der Flächenbedarf für die Kraftwerksanlage einschließlich der Größe von Ober- und Unterbecken bliebe dabei unverändert“, erklärt Pressesprecher Klaus Schneider.

Zur Stromerzeugung auf vier Maschinensätzen wird im Berginneren ein neues Maschinenhaus gebaut, die Kaverne Atdorf. Ein 2,8 km langer Zufahrtsstollen verbindet sie mit dem bestehenden Kavernenkraftwerk Wehr. Ein 700 m langer senkrechter Druckschacht mit 5,5 m Durchmesser leitet das Wasser aus dem Oberbecken auf die Pumpturbinen. Von der Kaverne führt ein 8,1 km langer Unterwasserstollen mit 7,5 m Durchmesser zum Haselbecken.

Im Gegensatz zu den bestehenden Kraftwerken der Schluchseewerk AG, in denen ein Maschinensatz aus Generator, Pumpe und Turbine besteht, wird für Atdorf der Einbau von Pumpturbinen erwogen. Natürliche Zuflüsse werden nur für die Erstbefüllung und zum Ausgleich von Verdunstungsverlusten verwendet und nicht zur eigentlichen Stromerzeugung. Damit fällt die neue Anlage nicht in die Kategorie regenerative Energie.

Mit Vorarbeiten für das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf hat das Schluchseewerk begonnen. Mehr als 50 Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 150 mm werden im Planungsgebiet in Tiefen bis zu 90 m niedergebracht.

Ende März wurde beim Regierungspräsidium Freiburg der Untersuchungsrahmen für das Raumordnungsverfahren festgelegt. Bei diesem Verfahren wird auch geprüft, ob das Unterbecken mit der Trassenführung der geplanten Autobahn A 98 im Raum Bad Säckingen in Einklang gebracht werden kann.

CHRISTEL TREFZGER-BETZING

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