Energienetze 30.10.2009, 19:43 Uhr

Regulierer glättet Wogen im Streit um Netzanschluss von Offshore-Windparks  

Seit Jahren streiten Übertragungsnetzbetreiber und Windparkprojektierer über den Netzanschluss von Windparks im Meer. Anfang Oktober hat die Bundesnetzagentur durch ein Positionspapier den Streit zwischen den Parteien vorerst befriedet. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 10. 09, swe

Mit dem 2006 beschlossenen Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz und einer Änderung im Energiewirtschaftsgesetz war eigentlich klar, wie die Rahmenbedingungen für den Anschluss von Windkraftparks auf See an die Übertragungsnetze an Land aussehen. Beide Regelungen sollten den Durchbruch für die maritime Windbranche bedeuten, weil sie sie von den hohen Kosten eines Netzanschlusses befreiten.

Die Netzanschlusskosten der Windkraftanlagen auf See an die Übertragungsnetze an Land muss die Allgemeinheit schultern, denn die Übertragungsnetzbetreiber können ihre Investitionen auf andere Netzbetreiber und damit auf die Endkunden abwälzen.

Das betrifft vorzugsweise die Nordsee. Dort sind 22 Projekte genehmigt. Für den Netzanschluss hat die Transpower GmbH zu sorgen. Aus den gesetzlichen Vorgaben hatte die E.on-Tochter aber eigene Bedingungen für den Netzanschluss abgeleitet. Grund hierfür war: Es war bislang nicht eindeutig klar, ob Transpower alle Investitionen nach Vorlage bei der zuständigen Bundesnetzagentur erstattet bekommt und was passiert, wenn der Anschluss für Windparks steht, diese Projekte aber scheitern oder Verzögerungen eintreten.

Die Folge war ein gordischer Knoten. Transpower verlangt für die Zusage eines Netzanschlusses vom Windparkplaner eine verbindliche Finanzierungszusage von Banken. Die wiederum verlangen vom Planer die Zusage für den Netzanschluss.

Erschwerend für die Branche kam bisher hinzu, dass die komplette Finanzierung eines Windparks in der Regel erst 20 Monate vor dem Baubeginn steht, ein Übertragungsnetzbetreiber aber 30 Monate Zeit für den Netzanschluss hat.

„Wir versuchen, das Gleichgewicht zwischen der Rechtzeitigkeit von Netzanschlüssen und effizienter Arbeit zu halten und betreiben keine Blockadepolitik. Kosten lassen sich nur wälzen, wenn die Bundesnetzagentur zustimmt. Bisher war vor allem bei Stranded Investments davon auszugehen, dass Transpower auf den Kosten sitzen bleibt“, erklärt Joëlle Boullion, Pressesprecherin von Transpower.

Übertragungsnetzbetreiber Transpower hat schon 500 Mio. € in Offshore gesteckt

Für die Windbranche sind das Schutzbehauptungen, weil E.on sich auf Druck der Europäischen Kommission bis 2010 vom Höchstspannungsnetz trennen muss und sich mit Investitionen zurückhalte. Die Offshore-Windmüller kritisieren die restriktiven Kriterien und sehen eine unangemessene Einschränkung ihrer Anbindungsrechte.

Da sich die Förderung für Offshore-Windparks im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz deutlich verbessert hat, haben es Projektierer eilig. Sie fürchten aufgrund von Ausschreibungsverfahren, knapper Kabel- und Schiffsressourcen oder langer Genehmigungsverfahren für Stromtrassen im Meer um die Rechtzeitigkeit des Anschlusses.

„Die Frage nach der Umlagefähigkeit von Kosten ist legitim. Für die Branche wird es aber eng, da einige Windparks sehr konkret werden. Das Positionspapier der Bundesnetzagentur hat daher eine hohe Bedeutung und kommt in letzter Minute“, stellt Ursula Prall klar, Geschäftsführerin des Offshore Forums Windenergie (OFW).

Bisher hat Transpower 500 Mio. € in Offshore investiert. Angebunden wurden zwei Windparks, deren Bau sich deutlich verzögert hat. 300 Mio. € flossen in „Bard Offshore I“, mit dem die Bard-Gruppe im November beginnen will. Über 60 Mio. € kostete der Netzanschluss für den im Bau befindlichen Windpark „Alpha Ventus“. Der Rest floss in ein neues Umspannwerk, für das die Ems untertunnelt werden musste, in ein Leerrohrbauwerk auf Norderney oder eine Konverterplattform im Meer.

Nach Gesprächen mit allen Beteiligten sah sich die Bundesnetzagentur gefordert, die Netzanbindungsverpflichtung für Übertragungsnetzbetreiber und Projektierungsgesellschaften verbindlich zu regeln und die Risiken zu verteilen. Sie verpflichtet einerseits maritime Windparkplaner, die Finanzierung ihrer Projekte hinreichend nachzuweisen. Andererseits müssen Übertragungsnetzbetreiber den Netzanschluss ohne Verzögerungen herstellen.

Kern der Konkretisierung durch die Bundesnetzagentur ist eine Stichtagsregelung, jeweils zum 30. 4. und 31. 10. eines Jahres. Zu diesen Zeitpunkten hat der Netzbetreiber den Entwicklungsstand von Windparks anhand von vier Kriterien zu prüfen (s. Kasten).

Der Übertragungsnetzbetreiber ist verpflichtet, den Netzanschluss termingerecht fertigzustellen und hat maximal 30 Monate Zeit. Projekte, die nur drei Kriterien erfüllen, erhalten eine bedingte Netzanbindungszusage.

Das Papier trägt der Investitionssicherheit Rechnung. Wenn die Anschlusspflicht erfüllt ist, sind die Kosten nach Prüfung in jedem Fall erstattungsfähig. Beide Seiten müssen einen Realisierungsfahrplan mit klaren Rechten und Pflichten vereinbaren.

„Die rechtzeitige Anbindung von Offshore-Windparks ist eine der wichtigsten Aufgaben, um den Erfolg erneuerbarer Energien sicherzustellen. Mit dem Positionspapier werden die auf Basis des geltenden Rechts möglichen Voraussetzungen für eine zügige, effiziente und diskriminierungsfreie Realisierung geschaffen“, sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. Die Bundesnetzagentur habe einen fairen und an der Dringlichkeit orientierten Ausgleich der unterschiedlichen Interessen und Aspekte hergestellt. Während aus Sicht des Offshore Forums Windenergie ein Großteil der Probleme vom Tisch ist, prüft Transpower das Papier noch und wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

TORSTEN THOMAS

Von Torsten Thomas
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