Energie 13.10.2006, 19:24 Uhr

Regenerative Energien im Plus  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 10. 06, mg – Die Nutzung regenerativer Energien hat in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen – nicht zuletzt aufgrund der energiewirtschaftlichen Rahmensetzung, z. B. durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz; die Regenerativen decken heute rund 5,3 % des Primärenergieverbrauchs.

Kaltschmitt: Die Windkraftnutzung hat eine beachtliche technische Entwicklung durchlaufen, die vor 15 Jahren nicht absehbar war. Deshalb erscheint unter bestimmten Bedingungen der Ersatz alter durch neue Anlagen sinnvoll. Dieser Repowering-Markt könnte durch eine bundesweite Harmonisierung und Anpassung der Abstandsregelungen und der Höhenbegrenzungen, derzeit festgelegt durch einzelne Bundesländer, belebt werden.

VDI nachrichten: Der Offshore-Einsatz und Netzausbau hinken den Erwartungen hinterher …

Kaltschmitt: Um hier die weitere Technikentwicklung zu unterstützen, sollten an Land und auf dem Meer ausreichend Möglichkeiten geschaffen werden, um Anlagen der 5-MW-Klasse zu erproben und für den großtechnischen Einsatz „fit“ zu machen. Hierbei ist die Entwicklung von Offshore-Fundamenten eine wichtige F&E-Aufgabe, die für eine kostengünstige Offshore-Windstromerzeugung zu lösen ist. Auch das geplante Infrastrukturplanung-Beschleunigungs-Gesetz ist sinnvoll, um den für eine weitergehende Windkraftnutzung zwingenden Netzausbau zu ermöglichen.

VDI nachrichten: Auch die solare Wärmeerzeugung hat sich weit verbreitet, meist im privaten Bereich. Ist das ausreichend?

Kaltschmitt: Die deutsche Solarthermie-Industrie hat ein hohes technologisches Niveau erreicht und der heimische Solarwärmemarkt ist der größte in Europa. Bislang wurde aber fast nur der private Wohngebäudemarkt erschlossen. Für ein weiteres Marktwachstum müssen deshalb weitere Marktsegmente (z. B. Mietwohngebäude, Prozesswärmeerzeugung, solare Kühlung) aufgebaut werden. Parallel dazu müssen die z. T. noch beachtlichen F&E-Potenziale u. a. bei der Kostensenkung, der Erhöhung des Solaranteils bei Wärmeversorgungssystemen und der Steigerung der Speicherdichten erschlossen werden.

VDI nachrichten: Was muss die Politik noch tun?

Kaltschmitt: Um die politisch gewollte verstärkte Markterschließung der regenerativen Wärme zu forcieren, ist die Weiterführung des Marktanreizprogramms und/oder ein „Regeneratives Wärmegesetz“ hilfreich. Dies muss durch entsprechende F&E-Maßnahmen flankiert werden.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie noch Entwicklungschancen bei der Biomasse?

Kaltschmitt:Biomasse ist der bisher am meisten genutzte und universell einsetzbare regenerative Energieträger, der zudem noch erhebliche unerschlossene Potenziale aufweist. Momentan zeigt hier eine Biogasverstromung und eine Biodieselerzeugung sowie der Einsatz biogener Festbrennstoffe zur Wärmebereitstellung die größte Wachstumsdynamik. Für den perspektivisch zukünftigen weiteren Ausbau der Biomassenutzung müssen vorhandene Nutzungspfade verbessert bzw. neue entwickelt werden.

VDI nachrichten: Was bedeutet dies konkret?

Kaltschmitt: Dazu zählen u. a. eine Optimierung der Festbrennstoff-Bereitstellungskette perspektivisch auch für sehr große Brennstoffmengen, die Entwicklung verbesserter und neuer biogener Festbrennstoffe für den Einsatz in Klein- und Großanlagen und deren Normung, die Weiterentwicklung der Konversionsanlagentechnik (u. a. Kleinfeuerungsanlagen im Hinblick auf Feinstaubabscheidung und den Einsatz von „Sonderbrennstoffen“ (z. B. Getreidekörner, Halmgüter), Effizienzsteigerungen bei Stromerzeugungsanlagen auf Basis der Verbrennung und insbesondere der Vergasung, ein verbessertes Betriebsregime bei Biogasanlagen mit dem Ziel höherer Effizienzen, innovative Konzepte zur Bioethanolerzeugung z. B. durch eine Kombination mit einer Biogaserzeugung und -nutzung und die Entwicklung von Anlagen zur Synthese flüssiger und gasförmiger Kraftstoffe (d. h. BtL, Bio-SNG). Dies muss durch unterstützende Maßnahmen, u. a. durch die Etablierung des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ), flankiert werden.

VDI nachrichten: Inwieweit hängt von den Rahmenbedingungen der weitere Erfolg der erneuerbaren Energien ab?

Kaltschmitt: Die volle Wettbewerbsfähigkeit von Optionen zur Nutzung regenerativer Energien kann nur im Rahmen einer langfristigen, kontinuierlichen Entwicklung erreicht werden dies bedingt stabile und verlässliche Rahmenbedingungen zur Markteinführung und parallel dazu langfristig angelegte F&E-Programme. Dabei muss die energiepolitische Rahmensetzung den Potenzialen, dem Stand der Technik und der Marktentwicklung adäquat Rechnung tragen (d. h. keine Über- oder Unterförderung). Und es sollte ein ideologiefreies Zusammenwirken verschiedener Optionen zur Nutzung des regenerativen Energieangebots untereinander und mit konventionellen Energiebereitstellungsoptionen angestrebt werden.

VDI nachrichten: Wie sehen Sie die Regenerativen als Wirtschaftsfaktor?

Kaltschmitt: Die Märkte für Anlagen und Systeme zur Nutzung regenerativer Energien zeigen auch weltweit eine beachtliche Wachstumsdynamik und sind bereits heute ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor die erfolgreiche Erschließung der daraus resultierenden Exportmöglichkeiten durch den deutschen Anlagenbau ist eine wesentliche Zukunftsaufgabe, um Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland zu schaffen. mg

Der ausführliche Bericht ist für 13 € Schutzgebühr bei der VDI-Gesellschaft Energietechnik erhältlich: VDI-GET, Postfach 10 11 39, 40002 Düsseldorf, Tel: 0211-6214-219, Fax: 0211-6214-144, get@vdi.de

Von Manfred Grotelüschen
Von Manfred Grotelüschen

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