Energie 25.05.2007, 19:28 Uhr

„Rebellen“ feiern Jubiläum  

VDI nachrichten, Schönau, 25. 5. 07, ws – Zehn Jahre ist es her, dass Schönauer Bürger sich gegen den einheimischen Stromanbieter behaupteten und die Elektrizitätswerke Schönau gründeten. Das Unternehmen ist heute einer von vier reinen Ökostromanbietern in Deutschland und ein – im wahrsten Sinne des Wortes – ausgezeichneter Arbeitgeber.

Wer sich vor 20 Jahren noch vehement für den Umweltschutz engagierte und es wagte, nach Mäßigung zu rufen, stand im öffentlichen Diskurs schnell in der linken Verweigerungsecke.

Heute ist Klimaschutz ein Topthema, dem sich die Kanzlerin höchstselbst annimmt – ohne in den Verdacht zu geraten, den wirtschaftlichen Aufschwung zu boykottieren. Und auch für Unternehmen gehört Öko-Bewusstsein zum Firmenimage.

Ursula Sladek erinnert sich an andere Zeiten. Mit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 und dem Bewusstsein um den Klimawandel wuchs im kleinen 2500-Seelen-Ort Schönau nahe Freiburg der Wille einiger „Rebellen“, eigene ökologische Wege zu gehen. Ursula Sladek und ihr Mann Michael waren mittendrin.

„Uns war klar, dass wir das in die eigene Hand nehmen mussten, stießen aber an die Grenzen der Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), die damals im Ort für die Stromversorgung zuständig waren.“

Da alle Überzeugungsversuche nicht fruchteten, beschloss die Bürgerinitiative, Wut in Widerstand münden zu lassen. Der Gedanke an ein eigenes Energieversorgungsunternehmen war schnell geboren – die Hürden aber höher, als sich die Öko-Bewegung das vorgestellt hatte.

„Der damalige Bürgermeister erklärte uns für verrückt. Unser Einfluss in der Bevölkerung und die Resonanz in den Medien waren aber bereits zu groß, um unser Anliegen zu ignorieren.“ In einem Bürgerbegehren drückten die Rebellen ihr Projekt durch.

Von nun an sollte es das rebellische „Start-up“-Unternehmen es sein, das den Ort mit Strom versorgte – mit Ökostrom, versteht sich.

Schließlich mussten die KWR das Stromnetz an die neuen Anbieter, die sich fortan „Elektrizitätswerke Schönau“ (EWS) nannten, abtreten. Sladek: „Da Schönau zum damaligen Zeitpunkt schon so etwas wie ein Symbol im Kampf gegen die Atomkraft war, gingen aus der ganzen Republik Spenden ein, die unter dem Motto ,Ich bin ein Störfall“ die letztlich notwendigen 3,5 Mio. DM einbrachten.“

Das ist jetzt zehn Jahre und länger her. Die Bewegung musste erkennen, dass Opposition eine Sache ist, Regieren eine andere. „Wir unterlagen plötzlich wirtschaftlichen Zwängen, die wir durch Learning-by-Doing und gute Berater aus dem ganzen Bundesgebiet in den Griff bekamen. Außerdem bin ich als fünffache Mutter gestählt und gewohnt, mit Widerständen zu kämpfen“, so Geschäftsführerin Sladek.

Die Geburtswehen sind überwunden, das Unternehmen auf Expansionskurs. Mit 1700 Schönauer Kunden starteten die EWS im Jahre 1997, heute steuern die E-Versorger schnurstracks auf die 40 000er-Grenze zu. Sladek: „Unter den Kunden sind meist Haushalte, aber auch ganze Dorfgemeinden, Schulen, Kirchen und Altersheime.“

Und auch die Wirtschaft baut auf Ökostrom, der zu einem Großteil aus Wasserkraft und zu einem kleineren Teil aus Kraft-Wärmekopplung gewonnen wird. Das Unternehmen Rittersport, das umweltbewusstes Handeln in seine Leitlinien aufgenommen hat, bezieht den Strom aus Schönau.

„Wir versuchen, überall wo es geht, die Basis zu stärken. Wenn die Konzerne vor allem auf Atomkraft und Kohle setzen, muss der Kunde sagen können: Das will ich nicht, ich gehe woanders hin.“ Vom so genannten „Schönauer Sonnencent“, das sind 0,5 Cent für jede von EWS bezogene Kilowattstunde, profitieren andere Ökostrom-Initiativen – über deutsche Grenzen hinaus.

Die Schönauer Erfolgsgeschichte wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht: „Deutscher Energiepreis“ (1994), „Ökomanager des Jahres“ (1996), „Förderpreis Demokratie leben“ (1997), „Henry Ford European Conservation Award“ (1997), „Nuclear Free Future Award“ (1999), „Europäischer Solarpreis“ (2003) und Ende 2006 der „Preis der Arbeit“. Vor drei Jahren erhielten Ursula und Michael Sladek stellvertretend für die Energie-Initiative das Bundesverdienstkreuz.

„Was wir tun, tun wir immer für den Menschen. Da ist es selbstverständlich, dass ich mit den 21 Mitarbeitern im Betrieb anständig umgehe“, sagt Ursula Sladek. Ein Grund, weshalb die Schönauer den „Preis der Arbeit“ erhielten. Gute Bezahlung, ein liberaler Führungsstil, der bei Entscheidungen alle Mitarbeiter miteinbezieht, sowie flexible Zeiteinteilung sind die Eckpfeiler dieser Unternehmenspolitik.

Sozialverträglichkeit ist bei den EWS kein Vorwand, um Mitarbeiter durch die Hintertür abzuschieben. Als ein EDV-System installiert werden sollte, waren neue Arbeitskräfte fällig. Das Projekt platzte, die neuen Kollegen blieben, um sich des wachsenden Kundeninteresses anzunehmen.

Vor den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der Elektrizitätswerke (29. Juni bis 1. Juli) zieht Ursula Sladek Bilanz: „Es hört sich großspurig an, stimmt aber: Schönau ist zum Mutmachbeispiel für die ganze Welt geworden. Man braucht nur Ausdauer, Fantasie und einen starken Glauben an die Sache.“ ws

www.ews-schoenau.de

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