Heiztechnik 12.12.2008, 19:38 Uhr

Projekt „Callux“ soll Markteinführung von Heizgeräten mit Brennstoffzellen beschleunigen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 12. 08, mg – Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerke produzieren hocheffizient Wärme und elektrischen Strom aus Gas. Politik, Unternehmen und Forschung fördern mit dem Leuchtturmprojekt „Callux“ jetzt eine umfangreiche Erprobung und Demonstration in Deutschland. Für das Projekt stehen 86 Mio. € bereit, die Laufzeit beträgt sieben Jahre. Über 800 Brennstoffzellenheizgeräte sollen in Ein- und Mehrfamilienhäusern installiert und auf ihre Alltagstauglichkeit getestet werden.

Hohe Heizkosten und strengere Gesetze wie der Energieausweis, der in Deutschland ab 1. Januar 2009 auch für jüngere Häuser gilt, lassen den Bedarf nach mehr Effizienz in den eigenen vier Wänden wachsen. Eine Maßnahme, um Wohnung oder Haus energetisch fit für die Zukunft zu machen, ist die Sanierung der Gebäudehülle. Eine weitere Möglichkeit sind moderne Heizanlagen, etwa Blockheizkraftwerke (BHKW) im Miniformat für Ein- oder Mehrfamilienhäuser.

Die kleinen Kraftpakete im Keller produzieren Wärme und Strom gleichzeitig. Sie beschleunigen den Einstieg in die dezentrale Hausenergieversorgung und nutzen den Brennstoff wirtschaftlicher.

Diese Technik ist erprobt und erobert immer mehr Marktanteile. Sie basiert auf Verbrennungsmotoren. „Forschung und Industrie bereiten jedoch schon die nächste BHKW-Generation auf der Basis von effizienteren Brennstoffzellen vor“, sagt Marc-Simon Löffler vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Der Vorteil: Brennstoffzellen arbeiten geräusch- und vibrationsarm. Sie haben einen hohen Wirkungsgrad. Energieträger können so besser genutzt und Vorräte gestreckt werden, weniger Kohlendioxid entsteht.

In den Prototypen der Brennstoffzellenheizgeräte kommt Erdgas zum Einsatz. Ein Reformer innerhalb des Heizgeräts wandelt das Gas zu Wasserstoff um. Später könnten regenerative Brennstoffe wie aufbereitetes Biogas das Erdgas ergänzen oder direkt Wasserstoff eingesetzt werden. Derzeitige Brennstoffzellenheizgeräte sind so konzipiert, dass sie den Grundbedarf an Strom und Wärme im Haushalt decken. Bei einem höheren Bedarf an Wärme schaltet sich ein Gasbrenner hinzu, in Spitzenzeiten wird elektrische Energie aus dem Stromnetz bezogen. Bei geringerem Verbrauch speist der Eigentümer überschüssigen Strom in das Netz ein und erhält dafür eine Vergütung.

Die deutschen Hersteller entwickeln derzeit mit Hochdruck Patente und Prototypen, im globalen Wettbewerb sind sie gut aufgestellt. Japanische Unternehmen sind bislang im Vorteil, da sie seit langem eine starke Rückendeckung von der Politik haben. Mit dem Ende September in Berlin gestarteten Leuchtturmprojekt „Callux“ (calor: lateinisch für Wärme, lux: lateinisch für Licht) soll sich der Vorsprung aus Asien jetzt verringern. „Brennstoffzellen sind eine wichtige Option für eine nachhaltige und wirtschaftliche Energieversorgung im Haus“, sagt Wolfgang Tiefensee, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). „Mit dem Leuchtturmprojekt Callux starten wir mit Partnern aus der Industrie eine beispielhafte Initiative.“

Callux ist der bundesweit größte Praxistest von Brennstoffzellen-Demonstrationsanlagen für Eigenheime. Das Projekt ist in das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) integriert. An Callux beteiligen sich neun Partner aus der Wirtschaft sowie das Forschungsinstitut ZSW. Neben den Heizgeräteherstellern Baxi Innotech, Hexis, Vaillant und Viessmann sind die Energieversorger EnBW, E.on Ruhrgas, EWE, MVV Energie und VNG an Bord. Sie erwerben, installieren und betreiben die Brennstoffzellenheizgeräte.

Das ZSW, das sich bereits seit zwei Jahrzehnten mit der Entwicklung der Brennstoffzellen befasst, übernimmt die Projektkoordination und die wissenschaftliche Begleitung. Mit 41 Mio. € fördert das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) die Finanzierung. Für 52 % der Summe kommen die Partner auf. „Durch ein Unternehmen allein wäre dies alles nicht finanzierbar gewesen“, hieß es von den Beteiligten.

Ziel des Projekts ist, bis 2015 Brennstoffzellenheizgeräte marktfähig zu machen. Bis dahin wollen die Partner die Kosten senken und die Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit der kleinen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verbessern. Aber auch der Aufbau von Lieferketten und die Schulung der Marktpartner zählen zu den Aufgaben. Die Projektbeteiligten versprechen sich eine deutliche Effizienzsteigerung in deutschen Heizungskellern. Die Brennstoffzellensysteme erzielen einen um bis zu 30 % höheren Wirkungsgrad als konventionelle Heizsysteme.

Bis 2015 sollen über 800 Systeme im Alltag getestet werden. Erste Heizgeräte sind bereits in Karlsruhe, Mannheim und Oldenburg installiert. Für den stationären Anwendungsbereich konzentriert sich Callux auf PEM- und SOFC-Brennstoffzellen mit einer Leistung von 1 kW bis 5 kW elektrischer Leistung.

Mit einer stark steigenden Anzahl installierter Geräte im Laufe des Projekts und begleitenden Aktivitäten insbesondere zur Marktforschung und Handwerksschulung sind die Projektpartner zuversichtlich, mit Callux den entscheidenden Impuls hin zur Marktfähigkeit von Brennstoffzellenheizgeräten geben zu können. AV

Von Av
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