Grünes Geld 04.06.2010, 19:47 Uhr

„Photovoltaik mit viel Dynamik“

Die in mehreren EU-Ländern staatlich garantierte Einspeisevergütung macht Solarfonds für Anleger interessant. Nur die lange Laufzeit solcher Beteiligungen lässt manchen Investor zurückschrecken. Der Luxcara-Fonds ermöglicht Großanlegern nun seit Anfang 2010 eine flexiblere Beteiligung. Fragen an Luxcara-Gründerin und Geschäftsführerin Alexandra von Bernstorff.

VDI NACHRICHTEN: Frau Dr. von Bernstorff, ist Photovoltaik wirklich mehr als ein Hype, der von der Politik befeuert wird?

Bernstorff: Energie per se ist das Zukunftsthema. Dass die fossilen Rohstoffe schwinden, ist Fakt, auch wenn man über den Zeitablauf streitet. Den erneuerbaren Energien gehört damit die Zukunft.

Gerade in der Photovoltaik sehen wir sehr viel Dynamik in der Entwicklung zu mehr Effizienz und Kostensenkung. Insbesondere da die PV-Modulproduktion ihren Ursprung in der Halbleiterindustrie hat, die, wie man an Computern und Mobiletelefonen sehen kann, ein enormes Potenzial zu schneller Effizienzsteigerung hat.

Wann erwarten Sie die sogenannte Netzparität, also dass Solarstrom so günstig in der Produktion wird wie Strom aus fossilen Energieträgern?

Die Netzparität wird kommen. Wann genau, das ist schwer abschätzbar und hängt von dem Ort und der Definition ab. In Deutschland könnten Haushalte ihren Eigenverbrauch mit PV-Anlagen auf ihrem eigenen Dach ab 2011 schon günstiger beziehen als herkömmlicher Strom aus der Steckdose.

Zum 1. Juli soll in Deutschland die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung für Freiflächenanlagen um 15 % sinken. Das hat zu einer Art Schlussverkaufsstimmung bei Fonds und Anlagenvertrieb gesorgt. Muss der von Ihnen beratene Solarfonds jetzt mehr Geld pro kWpeak bezahlen?

Nein, die Preisschwankungen, z. B. für die Module, gehen ausschließlich zu Lasten der Projektierer und Modulproduzenten. Unser Geschäftsmodell beruht darauf, dass wir einen bestimmten Cashflow über eine bestimmte Laufzeit zu einem abgezinsten Gegenwartswert kaufen.

Wir kaufen z.B. die Kapazität, über 20 Jahre hinweg jährlich 1 Mio. kWh Strom zu produzieren. Da der Abnahmepreis aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes schon feststeht, können wir dafür nur einen bestimmten Preis zahlen.

Aber stehen Sie nicht im Wettbewerb mit anderen Investoren, zum Beispiel geschlossenen Solarfonds, um die besten Standorte?

Generell ja. Jedoch ist die Struktur von Luxcara anders als die von geschlossenen Fonds, da wir konstant investieren und weder zeitlich noch projektspezifisch limitiert sind.

Sie haben eine breite Risikostreuung in Ihrem Fonds angekündigt. Doch bisher haben Sie ausschließlich in Deutschland investiert. Warum?

In Deutschland ist das Verhältnis von Kaufpreis zu Risiko am günstigsten. Da wir überwiegend konservative Investoren haben, ist dieser Punkt bei Investitionen für unseren Fonds am wichtigsten. 100 %ige Rechtssicherheit ist neben wirtschaftlichen Punkten das Hauptkriterium bei Investitionsentscheidungen.

Welche anderen Standorte in der EU kommen für Luxcara dann noch in Frage?

Neben Deutschland bieten vor allem Frankreich, die Benelux-Staaten und Norditalien diese Voraussetzungen. Bei Projekten in Spanien ist schon noch genaueres Prüfen erforderlich.

Können Privatanleger nach den gleichen Kriterien ihre Beteiligung an einem geschlossenen Solarfonds aussuchen?

Wer investieren möchte, sollte auf einen renommierten Generalunternehmer und auf gute Technologie achten. Weiterhin sollte man prüfen, ob die Betriebskosten nicht zu niedrig kalkuliert wurden. Die meisten Fonds werben damit, dass sie einen Vollwartungsvertrag abgeschlossen haben. Doch der berücksichtigt häufig nicht alle anfallenden Kosten über die Laufzeit von 20 Jahren.

An Ihrem Fonds kann man sich ab 125 000 € beteiligen. Denken Sie über etwas „handlichere“ Portionen nach, damit sich auch weniger vermögende Investoren beteiligen können?

Wir denken tatsächlich über eine Lösung nach, die zum Beispiel in Form eines Zertifikats auf den Fonds gestaltet werden könnte.

Ihr Solarfonds wurde schon mehrfach als Alternative zu offenen Immobilienfonds beschrieben. Sie bieten allerdings nur zwei Rückgabetermine pro Jahr an. Reicht das, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, wie wir sie gerade bei den Immobilienfonds erleben?

Photovoltaikanlagen sind wie Immobilien illiquide Vermögensgegenstände. Aber bei Immobilienfonds liegt immer eine Bewertung des Portfolios zugrunde. Wird dieser Wert in Frage gestellt, kann es zu erheblichen Wertberichtigungen führen und Rückgabewellen verursachen – wie gesehen. Bei Solarparks steht der Restwert der Anlage am Ende der Laufzeit von vornherein fest: null. Da geht es ausschließlich um die laufenden Erträge. Es kann also keine Bewertungsschwankungen wie bei Immobilienfonds geben. mav

Von Martin Volmer
Von Martin Volmer

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