Energie 04.05.2007, 19:27 Uhr

Pflanzenöl ins Kraftwerk  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 5. 07. mg – Die Friedhelm-Loh-Gruppe aus Haiger investiert nun auch in die Energieerzeugung und expandiert weiter. Seit kurzem gehören auch Blockheizkraftwerke (BHKW) zum Produktspektrum der Siegerländer Unternehmensgruppe. Die Ende letzten Jahres gegründete Würz Energy soll Industriebetrieben helfen, Energie nachhaltig und gleichzeitig umweltfreundlich zu erzeugen.

Als sich nach dem ersten Boom der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mittels Gas- und Dieselmotoren ein neuer Trend zu Pflanzenöl-Kraftwerken abzeichnete, erkannte Friedhelm Loh schon früh die umwelt- und klimafreundlichen Potenziale dieser Kraftwerke. Von dem Konzept der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme mit regenerativen Brennstoffen überzeugt, entschloss er sich zu einem verstärkten Engagement auf diesem Gebiet und gründete gemeinsam mit drei Partnern – den heutigen Geschäftsführern Raimund Würz, Dr. Holger Klein und Josef Rihm – die Würz Energy GmbH in Wilnsdorf, Westerwald.

Bemerkenswert dabei ist, dass diese neue Gesellschaft mehr als nur die Herstellung von „normalen“ Blockheizkraftwerken anbietet. Um erfolgreich mit dieser neuen Art BHKW zu sein, gehört nach Ansicht von Josef Rihm, verantwortlich für Vertrieb, Service und Kundendienst, wesentlich mehr dazu, als nur ein BHKW dem Kunden aufs Firmengelände zu stellen und auf die Förderung nach dem KWK-Gesetz hinzuweisen.

Der Erwerb eines Pflanzenöl-Blockheizkraftwerkes benötigt nach seiner Ansicht fundierte Kenntnisse, ausreichend Kapital sowie einen abschätzbaren Wärmebedarf, der den Bau eines solchen Kraftwerks überhaupt erst rechtfertigt. Deshalb haben sich die Verantwortlichen bei Würz dazu entschlossen, jeden Interessenten lückenlos bei seinem BHKW-Projekt zu begleiten. Rihm: “ Wir beraten umfassend von der Planung über die Finanzierung und Installation bis hin zur Treibstofflieferung. Auch beim Contracting stehen wir dem Kunden beratend zur Seite.“ Erst wenn alle Fragen bezüglich des Wärme- und Strombedarfs geklärt sind, kommt es zum Vertragsabschluss.

Zum Kundendienst gehört auch die langfristige Lieferung des Kraftstoffes. Hier herrscht nach Angaben von Würz nicht nur Transparenz über die Herkunft des Kraftstoffs, sondern auch die freie Auswahl: Rapsöl, Palmöl und Sojaöl können über die Würz Ölhandelsgesellschaft geordert werden. Als zertifizierter Anbieter bezieht sie ihr Öl weitestgehend aus kontrolliertem Anbau. Um die Qualität des Pflanzenölangebots auf hohem Niveau halten zu können, wird in regelmäßigen Gesprächen zwischen Würz und den Pflanzenölanbietern nach sicheren Kontrollmechanismen gesucht, um einen kontrollierten Plantagenanbau langfristig sicherzustellen.

Die Frage, welche Pflanze sich am besten zur Produktion regenerativer BHKW-Treibstoffe eignet, wird ständig neu gestellt. So überraschte Josef Rihm während der Hannover Messe mit der Nachricht, dass Jatropha aus seiner Sicht großes Potenzial als Ölfrucht habe. Die Pflanze gedeiht auch auf Ödland, kann mehr als viermal so viel Treibstoff pro Hektar produzieren wie die Sojabohne und mehr als zehnmal so viel wie Mais. Problematisch ist zunächst nur, dass die kommerzielle Kultivierung der Jatropha erst im Aufbau begriffen ist, weil sie bislang noch kaum als Feldfrucht gezogen wurde. In Indien laufen zurzeit landwirtschaftliche Förderprogramme für die Pflanze.

Da die Qualität und auch der Gesamtnutzungsgrad eines BHKW wesentlich von den Komponenten abhängt, werden von Würz nur Anlagenteile renommierter Hersteller eingebaut. So stammen die Schaltschränke von Rittal und die Verbrennungsmotoren von Scania oder Deutz. Ähnliche Maßstäbe werden auch für die Montage und die Qualitätsprüfung angelegt. So können die Würz-Ingenieure dem Kunden eine Mindest-Verfügbarkeitsgarantie von 7200 Betriebsstunden pro Jahr garantieren.

Als nächste Stufe zur Wirkungsgradsteigerung haben die Würz-Spezialisten den Einsatz von ORC/Nachverstromungsanlagen vorgesehen (ORC, Organic Rankine Cycle). Diese sollen zusätzlich Strom aus den heißen Abgasen gewinnen. Von der ORC-Technologie verspricht man sich zusätzliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber konventionellen Technologien durch insgesamt günstigere Wirkungsgrade sowie durch erheblich geringere Investitionskosten. H.-U. TSCHÄTSCH

Der Wärmebedarf sollte sorgfältig geschätzt werden

Ein Beitrag von:

  • Hans-Ulrich Tschätsch

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