Kanada: Erneuerbare Energien 09.12.2011, 12:03 Uhr

Ontario setzt mit Green Energy Act auf Photovoltaik

Mit seinem Green Energy Act gilt die kanadische Provinz Ontario als Vorreiter für den Ausbau der Photovoltaik in Nordamerika. Gemessen an den üppigen Einspeisetarifen sowie der hohen Zahl der Anträge wurden allerdings bisher vergleichsweise wenige Anlagen installiert. Denn wer in Ontario eine größere Solarstromanlage bauen will, braucht Geduld.

Durchschnittlich zwei Jahre dauert in der kanadischen Provinz Ontario derzeit die Genehmigung von Solarparks im Megawattbereich, weiß Jon Kieran, Vorstandsmitglied der Canadian Solar Industry Association (CanSIA). Und wer einen Bankkredit für ein derartiges Projekt möchte, braucht ebenfalls Ausdauer, denn viele örtliche Banken sind noch skeptisch gegenüber der Solarenergie.

„Den Genehmigungsbehörden, der Ontario Power Authority (OPA) sowie unseren Banken fehlt es noch an Erfahrung mit der Photovoltaik und der Umsetzung von Einspeisetarifprogrammen“, betont Kieran und baut hier künftig auf Lerneffekte.

Mehr Photovoltaik in Ontario durch schnellere Genehmigungszeiten

Die Solarstrombranche in Ontario vor Ort setzt auf raschere Genehmigungszeiten, eine größere Akzeptanz der Banken sowie eine dynamische Anpassung der Einspeisetarife an die gesunkenen Preise, um die Zahl der installierten Anlagen zu erhöhen.

Zwischen 44,3 kanadischen Cent/kWh (31,9 Eurocent/kWh) und 80,2 kanadischen Cent/kWh (59,1 Eurocent/kWh) erhält ein Anlagenbetreiber in Ontario für seinen eingespeisten Solarstrom. Diesen Feed-in-Tariff (FIT) – das Pendant zum deutschen Einspeisetarif für Strom aus erneuerbaren Energien – legt der 2009 in der kanadischen Provinz verabschiedete Green Energy Act fest.

Vom Oktober 2009 bis Oktober 2011 wurden bei der Genehmigungsbehörde OPA laut Angaben des Ministry of Economic Development and Innovation der Provinz Ontario 9190 Anträge für die Förderung von Photovoltaikanlagen des FIT-Programms eingereicht.

Zubau an neu installierten Photovoltaik-Anlagen in Höhe von etwa 350 MW

Solarbranchen-Vorstand Kieran rechnet für dieses Jahr mit einem Zubau an neu installierten Photovoltaik-Anlagen in Höhe von etwa 350 MW in Ontario. Der allergrößte Teil davon sind jedoch Anlagen, die gar nicht durch das FIT-Programm gefördert werden. Es sind Altanträge, die nach dem 2006 gestarteten Renewable Energy Standard Offer Program (Resop) beantragt wurden, das vom FIT-System abgelöst wurde.

Nach dem älteren Resop-Programm, das im Januar 2012 ausläuft, wurden bisher insgesamt 52 PV-Projekte mit insgesamt 528 MW beantragt. Dazu gehört zum Beispiel der im Oktober in Betrieb genommene, zurzeit weltweit größte Solarpark (80 MW) bei Sarnia.

„Bei größeren Anlagen nach dem FIT-Programm kam es dieses Jahr faktisch zu einem Investitionsstopp“, sagt Kieran. Als Gründe hierfür sieht er die große Projektpipeline des älteren Resop-Programms, die langen Genehmigungszeiten und die Zurückhaltung der Banken.

Hinzu kam die kontroverse politische Diskussion über die Zukunft der Energiepolitik vor den Parlamentswahlen in Ontario Anfang Oktober dieses Jahres. Mit einem knappen Vorsprung wurde der amtierende Premierminister Dalton McGuinty wiedergewählt, der auf eine Fortführung der Einspeisevergütungen des Feed-in-Tariff unter dem Green Energy Act setzt.

Einspeisetarife für Photovoltaik werden auch in Ontario sinken

Derzeit werden die Tarife turnusgemäß (alle zwei Jahre) überarbeitet im Januar sollen erste Eckpunkte bekannt gegeben werden. Es wird damit gerechnet, dass die Einspeisetarife aufgrund der weltweiten Kosten- und Preissenkungen von Photovoltaikanlagen deutlich abgesenkt werden.

„Wir wollen mehr Stabilität im Markt und unterstützen eine realistische Anpassung der Einspeisetarife an die Kostenreduktion“, betont Kieran. Zudem befürwortet er eine „dynamischere und häufigere Anpassung der Vergütungen nach dem Vorbild von Deutschland.“

Umstritten sind innerhalb der Solarbranche Ontarios die dortigen Regelungen zum sogenannten „Domestic Content“: Danach muss ein Solaranlagenbetreiber, der einen Einspeisetarif beantragt, sicherstellen, dass 60 % der Wertschöpfung der Anlage in Ontario generiert wurden. Dies kann in Form von Komponenten, Material oder Arbeitskraft geschehen. Diese Regelung führe zu global nicht wettbewerbsfähigen Preisen heißt es – zumindest hinter vorgehaltener Hand.

Offener äußern sich direkt betroffene, global aufgestellte Firmen wie der US-Solarzellenhersteller First Solar. Aufgrund des relativ geringen Marktvolumens produzieren sie bisher nicht in Ontario. „Der Domestic Content muss weg“, sagt Tom Kosnik, Director Customer Relations bei First Solar in Sarnia. Der US-Hersteller lieferte die 1,3 Mio. Dünnschichtmodule für den dortigen 80-MW-Solarpark und entwickelte das Großprojekt zusammen mit dem kanadischen Bau- und Energiekonzern Enbridge. „Für unsere nächsten Projekte in Ontario müssen wir uns nach örtlichen Modullieferanten umsehen. Ob die preislich wirklich mithalten können, wird sich zeigen“, sagt Ian MacRobbie, General Manager bei Enbridge.

Ein Beitrag von:

  • Hans-Christoph Neidlein

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