Windkraft 15.06.2001, 17:29 Uhr

Ohne Ingenieure stehen Windräder still

Wie in der IT-Branche, suchen auch die deutschen Anlagenbauer gut ausgebildete Ingenieure.

Aloys Wobben ist einer der erfolgreichsten Unternehmer in Deutschland. Der Gründer der Enercon GmbH aus Aurich baut getriebelose Windturbinen. Allein in diesem Jahr will Wobben den Umsatz von 1 Mrd. DM auf 1,4 Mrd. DM steigern, die Belegschaft soll von 2600 um einige hundert neue Mitarbeiter aufgestockt werden. Um durchschnittlich 20 % wird der Umsatz der Windmühlenschmiede in den kommenden Jahren steigen. Die Sache hat nur eine Kehrseite: Wobben braucht für seinen Wachstumskurs dringend qualifizierte Techniker und Ingenieure. „Wir brauchen kein Kapital, sondern gute Ingenieure in rauen Mengen“, meint der diplomierte Elektroingenieur.

Die Entwicklung der Windenergie ist eine Erfolgsgeschichte. Das Tempo in den vergangenen Jahren war enorm. Die durchschnittliche Anlagegröße stieg von Jahr zu Jahr, heute werden bereits Turbinen mit einer technischen Leistung von 2,5 Megawatt (MW) in Serie gebaut. Über 9400 Windmühlen (6400 MW) drehen sich an der Küste und im Binnenland. Sie decken 2,5 % des Strombedarfs in Deutschland. Ähnlich wie in der rasant gewachsenen IT-Branche, suchen die Windanlagenbauer händeringend qualifizierte Ingenieure. Der sich abzeichnende Fachkräftemangel droht zu einem wachstumshemmenden Faktor beim Ausbau der regenerativen Energien zu werden. Nach Angaben des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) werden in den nächsten zehn Jahren 100 000 bis 200 000 Fachkräfte gesucht. Trotzdem klagen die meisten Fachhochschulen über mangelndes Interesse der Schulabsolventen. Der Verband Deutscher Elektroingenieure (VDE) hat einen Bedarf von rund 13 000 Elektroingenieuren pro Jahr berechnet. Fakt ist: Tatsächlich schließen nur etwa 8000 junge Ingenieurinnen und Ingenieure ihr Studium der Elektrotechnik ab.

„In vier bis sechs Jahren wird die Windkraftbranche große Probleme bekommen, wenn es uns nicht gelingt, die Nachwuchsförderung systematisch anzugehen“, meint Walter Delabar, Pressesprecher der Lübecker DeWind AG. Die Mühlenschmiede sucht unter anderem Ingenieure für Getriebeentwicklung. Arbeitsschwerpunkte sind u.a. die konstruktive Gestaltung von Getrieben für Windenergieanlagen. Der amerikanische Energiekonzern Enron sucht für seine Mühlenschmiede in Salzbergen Ingenieure der Fachrichtungen Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik und Elektrotechnik.

Wie heißt es in einer Stellenanzeige von Enron?: Kreatives Denken eröffnet grenzenlose Möglichkeiten. Und genau das ist gefragt, wenn es um den künftigen Ausbau der Windkraft geht. Heiß diskutiertes Thema ist die Nutzung der Windenergie auf dem Meer vor der Nord- und Ostseeküste Deutschlands. Insgesamt sind derzeit hierzulande 17 so genannte Offshore-Windparks geplant. „Für diese Projekte müssen besonders robuste und wartungsarme Turbinen entwickelt werden. Ihre technische Leistung reicht von 2 MW bis zu 5 MW“, meint Thorsten Herdan, Windkraftexperte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Die Propeller bekommen immer größere Flügel. Die Turbinen erreichen heute auf dem Papier eine Anlagengröße von teilweise 150 m. Ab 2003 wollen die ersten Hersteller Pilotanlagen ins kühle Nass stellen. „Für diesen Entwicklungszeitraum sucht die Branche Ingenieure ohne Ende“, meint Johannes Lackmann, Präsident der BEE.

Einige Fachhochschulen haben rasch auf den Boom bei den erneuerbaren Energien reagiert. Die FH Bielefeld bietet einen neuen interdisziplinären Studiengang Energiewirtschaft an. Die Lerninhalte bestehen zu 30 % aus Mathematik und Naturwissenschaften, zu 30 % aus Energietechnik, Energiewirtschaft und Energiepolitik, sowie zu 40 % aus Fächern wie Marketing und Betriebswirtschaft. Eine vergleichbare Studienmöglichkeit bietet die FH Wilhelmshaven. Dort ist der Schwerpunkt Windkrafttechnik explizit in den Studiengang Energiewirtschaft integriert. „Wer bei uns studiert, der wird sich auch mit Netzplanung und Windstromeinspeisung beschäftigen“, erklärt Volker Diedrichs, Windkraft-Professor in Wilhelmshaven. Bereits seit Jahren bietet die FH in Flensburg den Schwerpunkt „Regenerative Energietechnik“ in den Studiengängen Maschinenbau und Elektrotechnik an. Praxisbezug steht bei diesem Lehrangebot im Vordergrund.

Die Perspektiven für junge Menschen in der wachsenden Branche der regenerativen Energieerzeugung sind hervorragend. „Vor allem für Fachhochschulabsolventen bieten sich ausgezeichnete Jobmöglichkeiten“, meint DeWind-Sprecher Delabar. Nach Angaben des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI) hängen von einem Ingenieur durchschnittlich fünf weitere Arbeitsplätze ab. Fehlen Ingenieure in der Wind-, Wasser-, Solar- und Biomasseszene, dann gerät der Wachstumskurs ins Schlingern.
MICHAEL FRANKEN

.AusbildungNeue Länder mit neuen Angeboten

An über 50 deutschen Hochschulen können sich Studenten mit regenerativen Energien beschäftigen. Stark zugelegt haben vor allem die Hochschulen in den fünf neuen Ländern. Beispiel: die westsächsische Hochschule Zwickau. Sechs Veranstaltungen in den Fachbereichen Elektrotechnik, Maschinenbau, Physikalische Technik/Informatik bietet die Universität derzeit an. Wie an anderen Fachhochschulen, befassen sich die technischen Vorlesungen nicht mehr nur mit Wind- und Sonnenenergie, sondern auch mit der Nutzung von Biomasse und mit technischen Anwendungen zum Brennstoffzelleneinsatz. mf

 

  • Marcus Franken

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