Energie 03.04.2009, 19:40 Uhr

Ölstaaten wollen mehr erneuerbare Energiequellen  

Die Ölproduzenten bereiten ihre Zukunft vor. Wind, Sonne, Gezeiten, Kernkraft und Biokraftstoffe werden als Top-Optionen für die Energiewelt von übermorgen gehandelt. So setzt Norwegen auf Wind, wenn die heimischen Ölquellen weniger sprudeln als dieser Tage. VDI nachrichten, Wien, 3. 4. 09, swe

„Wir haben enorme Windreserven und sind sparsame Leute“, meint Monica Bargem Stubholt, Staatssekretärin im norwegischen Energieministerium in Oslo. „Dass wir das derzeit nicht schon besser nutzen, sehen wir als Verschwendung. Das wird sich ändern, Norwegen wird wichtiger Exporteur von winderzeugtem Strom werden“, so Stubholt.

Neben Norwegen beginnt auch Saudi-Arabien die Zeit auslaufender fossiler Energieressourcen vorzubereiten, auch wenn sie nicht direkt vor der Türe steht. „Unser Öl von übermorgen ist die Sonne“, versicherte Mohammad Al-Sabban während eines internationalen Seminars der erdölexportierender Länder (Opec) in Wien. Er ist Chefökonom im Energieministerium in Riad und Chefunterhändler der Saudis bei der laufenden Klimadebatte der Uno.

Seit mehreren Jahren bereits geht die Ölproduktion einer wachsenden Zahl von ölfördernden Ländern zurück. In den USA seit 1971, in Indonesien seit 1977, in Gabon und Malaysia seit 1997, in Großbritannien seit 1999, in Mexiko, Angola und China seit 2000 sowie Norwegen seit 2001. Russland scheint nun ebenfalls abzurutschen.

Die Rohölproduktion lag 2008 unter der des Vorjahres, die Exporte waren 5 % niedriger als im Jahr 2007 und dieser Trend setzt sich im neuen Jahr fort. Das lädt vielerorts zum Nachdenken ein.

Hinzu kommen vergleichsweise niedrigere Ölpreise seit letztem Herbst. Sie blockieren dringend nötige Investitionen in die Suche neuer Ölquellen und drohen somit die Produktionsmalaise in einer stattlichen Länderzahl in den kommenden Jahren zu beschleunigen.

„Preise um die 40 $ pro Barrel sind weder für die Verbraucher noch die Produzenten gut“, warnt Opec-Generalsekretär Mohammed El-Badri. Die Pariser Internationale Energie-Agentur (IEA) widerspricht nicht.

Verständlich, dass es den sparsamen Norwegern warm ums Herz wird, wenn sie an die so gut wie unerschöpfbaren Windreserven vor ihren stürmischen Küsten denken. „Wir sind weltweit am besten platziert“, sagt Energie-Staatssekretärin Stubholdt. Sie zeichnet das Bild gigantischer Windfarmen, die Geld in die Exportkassen bringen.

Die staatliche norwegische Ölgesellschaft StatoilHydro rollt die Windprojekte in den kommenden zehn Jahren aus. Parks mit 200 riesigen schwimmenden Generatoren sollen jährlich um die 4 TWh (1 TWh = 1000 GWh) Windenergie produzieren. Gegenwärtig wird in Norwegen an einem Startprojekt gearbeitet, einer Gruppe von Windmühlen mit einer Leistung von 3 MW, deren Rotoren einen Durchmesser von 90 m haben. Zurzeit liefern Windgeneratoren weltweit jährlich 260 TWh, so der World Wind Energy Outlook 2008.

Wind interessiert auch die britischen Energieplaner, die zusehen mussten, wie das Land 2007 wieder zu einem Ölimporteur wurde. Daneben setzen die Briten auch auf Kern- und Gezeitenkraftwerke. Seit Dezember liefert der weltgrößte gezeitennutzende Stromerzeuger südöstlich von Belfast Energie. Die Marine Current Turbines in Bristol, die die Anlage auf die Beine stellte, plant weitere vor Wales mit einer Leistung von 10,5 MW. Der dort erzeugte Strom soll nicht teurer sein als die Windenergie.

Für die Norweger und Briten ist es der Wind, für die Saudis die Sonne. „Kein Mangel daran, da setzen wir an“, sagt Al-Sabban. In den kommenden Jahren will der Primus unter den Ölexporteuren zum weltgrößten Produzenten und regionalen Exporteur von Solarstrom aufsteigen. Energieminister Ali Al-Naimi: „Alle Ressourcen werden voll genutzt.“

Forscher der King Abdullah University of Science and Technology in Jeddah arbeiten gemeinsam mit der Stanford University, der Cornell University und der National Taiwan University auf Hochtouren an Lösungen, um den Solarstrom billiger zu machen.

Auch andere Ölproduzenten der Region setzen auf solare Energie. Algerien favorisiert neben der Kernkraft die Sonne. Nach Angaben von Energieminister Chakib Khelil soll 2020 das erste Kernkraftwerk den Betrieb aufnehmen. 2025 sollen 15 % des Strombedarfs durch erneuerbare Ressourcen gedeckt werden.

Abu Dhabis staatliche Masdar Future Energy Company investiert 15 Mrd. $ in eine Stadt für 50 000 Einwohner, die solar versorgt wird. Das Masdar Institute of Science and Technology arbeitet mit dem Massachusetts Institute of Science and Technology zusammen, um neue Energielösungen für das Post-Ölzeitalter zu entwickeln.

Brasilianer haben schon seit Jahrzehnten die Bio-Karte gespielt. „Wir sind heute die sauberste Wirtschaft der Welt. 46 % unserer Energie bringen erneuerbare Ressourcen, weltweit sind es nicht mehr als 14 %“, rechnete er Opecs Energieministern in Wien vor. Die Äthanolgewinnung aus Zuckerrohr trägt wesentlich mit dazu bei.

Brasilien könne sehr wohl ein interessantes Beispiel für eine Reihe der Opec-Länder sein, sinnierte Katars Energieminister Abdullah bin Hamad Ali Attiyah. Allerdings bringen nur einige afrikanische Opec-Mitglieder jene Voraussetzungen mit, die die Brasilianer zu einer Ausnahme macht: viel Land, viel Wasser, viel Sonne. JAN HÖHN

Von Jan Höhn
Von Jan Höhn

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