Wasserwirtschaft 09.03.2001, 17:28 Uhr

Nordsee-Inseln in Wassernöten

Für die Trinkwassergewinnung soll nur so viel Wasser entnommen werden wie gleichzeitig neue Vorräte gebildet werden. Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Konzeptes könnten die deutschen Nordseeinseln sein, wo eine Versalzung des Trinkwassers droht.

Es scheint so selbstverständlich: Man dreht den Wasserhahn auf, um sich zu waschen, die Zähne zu putzen oder Tee zu kochen. Doch was ist zu tun, wenn beim Aufdrehen nur Salzwasser herauskommt? Diese Schreckensvision hat Forscher aus Braunschweig, Hannover und Oldenburg in den vergangenen zwei Jahren bewogen, zusammen mit Wasserversorgern und lokalen Behörden die Trinkwasservorräte auf den Ostfriesischen Inseln zu untersuchen. Resultat: Nur wenn die Wassergewinnung ressourcenschonend geschieht, kann eine Versalzung des Süßwasservorrats verhindert werden. Mit einer an den Standort angepassten Grundwasserbewirtschaftung würden die ostfriesischen Inseln Beispiel gebend in Europa für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung sein.
Anders als in weiten Teilen Deutschlands beschränkt sich die Grundwasserneubildung auf den Nordseeinseln auf eine schmale Zone. Die Südwasservorkommen der Düneninseln entstehen durch versickernde Niederschläge. „Bedingt durch sein spezifisch geringeres Gewicht überlagert das Süßwasser im Untergrund das schwerere Salzwasser und bildet ein linsenförmiges Wasserreservoir“, erläutert Prof. Joachim Wolff von der Technischen Universität Braunschweig, der die Untersuchungen leitet. Die Grundwasserneubildung und -entnahme zur Wasserversorgung sind daher die zentralen Einflussgrößen für den Wasserhaushalt der vom Festland isolierten Süßwasserlinse. Ungünstig wirken sich auch Sturmfluten aus, die die Dünen erodieren. „Dadurch schrumpft die Fläche zum Versickern von Niederschlägen“, betont Wolff, „dieses Problem ist zum Beispiel auf Borkum nicht unerheblich.“
Ebenfalls nicht einfach ist die Situation auf Langeoog. Dort wäre die Süßwasserlinse schnell erschöpft, weil das Dünenareal vergleichsweise klein ist. „Das im Meeresboden versickerte Salzwasser engt die Süßwasserlinse stärker ein als auf anderen Inseln“, erläutert Wolff. Die Begrenztheit der Wasservorräte bewog Forscher und Wasserversorger zu empfehlen, die Zahl der Touristen – und damit die saisonalen Spitzen bei der Wasserentnahme – auf das jetzige Niveau zu begrenzen und nicht weiter zu erhöhen.
Das sollte auch für Norderney gelten, obwohl das Grundwasserreservoir dort vergleichsweise groß ist. Dort kommt jedoch erschwerend hinzu, dass der Spagat zwischen der Wasserbewirtschaftung und dem Schutz der Feuchtbiotope im Nationalpark Wattenmeer in der Vergangenheit nicht immer gelang. Die Ursache: Die Grundwasseroberfläche sinkt in besonders trockenen Perioden so stark, dass einige Pflanzen Schaden nehmen. Die Stadtwerke Norderney reagierten prompt. „Wir haben erreicht, dass Brunnen nahe dieser Feuchtbiotope in Trockenzeiten nicht genutzt werden“, so Wolff.
Die Untersuchungen der niedersächsischen Forscher zeigen, dass der Alptraum der Wasserversorger – das Eindringen von Salzwasser in die Grundwasservorräte – bei überhöhter Wasserentnahme zu befürchten ist. Wolff warnt vor diesem Szenario: „Die Süßwasserlinse ist sehr sensibel, wenn zu viel Wasser abgezogen wird, fließt Salzwasser nach, das dann kaum wieder aus der Süßwasserlinse zu entfernen ist.“ Klar ist bislang, dass das Trinkwasser an mehr Stellen als bisher, dafür aber in geringerer Tiefe angezapft werden muss. Die Wasserversorgung soll in den kommenden Jahren von einer kleinen Anzahl Brunnen mit hoher Wasserförderleistung auf mehr Brunnen mit weniger Leistung umgestellt werden. HOLGER WÜSTEFELD

Ein Beitrag von:

  • Holger Wüstefeld

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