Hygiene 12.02.2010, 19:45 Uhr

Neues Desinfektionsmittel lässt Mikroorganismen implodieren  

Ein neues Verfahren stellt aus reinem Salzwasser ohne Erhitzung ein Desinfektionsmittel her. Elektrochemisch behandelt erhält die Lösung eine leichte Spannung, die die Zellkerne von Viren oder Legionellen einfach zerplatzen lässt – auf umweltfreundliche Art. VDI nachrichten, St. Ingbert, 12. 2. 10, ber

Das Wüstenemirat Dubai gewinnt den Großteil seines Trinkwassers, indem es das Meerwasser vor seiner Küste entsalzt. Was dem Persischen Golf nach diesem Prozess allerdings zurückgeführt wird, ist hochkonzentrierte Salzlake, die kaum einen Fisch überleben lässt. Statt das Salz zurück ins Meer zu leiten, ließe sich daraus nun mit einem neuen Verfahren ein natürliches Desinfektionsmittel herstellen.

Im saarländischen Kirkel baut Dipl.-Ing. Jörg Heil die Apparate, die die Welt verändern sollen. Der Prozess, den der Geschäftsführer der WaterClean GmbH ersonnen hat, erscheint verblüffend einfach: „Wir brauchen keine gefährlichen Chemikalien, kein Erhitzen des Wassers, keine UV-Bestrahlung, Chlorung oder Oberflächendesinfektion auf Alkoholbasis – reines, durch Elektrolyse behandeltes Salzwasser desinfiziert Trinkwasser und Oberflächen gleichermaßen.“

Die Technik stammt aus der russischen Raumfahrt, wo man Elektrolysezellen bereits in den 1980er-Jahren für den Betrieb der Raumstation Mir einsetzte. Weil sie nur mangelhaft hielten, wurde das Prinzip nicht weiter verfolgt und geriet in Vergessenheit. Heil hat sie wiederentdeckt und verbessert.

Im Inneren der Zelle sind Anoden- und Kathodenkammer durch eine Membran getrennt. Auf Basis eines selektiven Ionenaustauschs spaltet sich das Salz (Natriumchlorid) in der Lösung. Wie das funktioniert, ist vielen noch aus dem Chemieunterricht bekannt: An der negativ geladenen Kathode bildet das behandelte Salzwasser Natronlauge, ein für die Umwelt harmloses Abfallprodukt. An der Anode bildet sich eine schwache Natriumhypochloritlösung.

Diese birgt den feinen Unterschied zum nur unwesentlich stärker chlorierten Schwimmbadwasser: Die Lösung verlässt die Elektrolyse-Zelle mit einer Spannung von rund 1,2 V.

Was für den Menschen absolut unbedenklich ist, lässt die Zellkerne von Mikroorganismen implodieren: Viren, Pilze, Keime, Bakterien, selbst Legionellen überleben diese Spannung nicht.

Es wirkt also keine chemische Keule, sondern für die kleinen Schädlinge eine Art elektrischer Stuhl. In einer modifizierten Anlage erzeugt Heil zudem ein Desinfektionsmittel, das selbst Hormone und Pestizide im Wasser eliminiert.

Nach Wochen der Tüftelei mit einer haltbaren Ionentauschmembran klopfte der gelernte Biomedizintechniker schließlich bei der KfW-Bankengruppe an. Die Mittelstandsbank fand die Technik für den Einsatz in Entwicklungsländern interessant.

Viren und Bakterien im Trinkwasser landen auf einer Art elektrischen Stuhl

„Die Experten dort haben mich gequält“, erinnert sich Heil. „Drei Monate lang wollten sie jedes Detail der Technik wissen. Dann haben sie schließlich eingesehen, dass es tatsächlich funktioniert.“

Sowohl der Verband für Angewandte Hygiene (VAH) als auch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) erteilten der WaterClean GmbH schließlich die Zulassung für Flächendesinfektion in Krankenhaus und Praxis. Am Ende gab die KfW dem 45-Jährigen keinen Kredit – sie stieg gleich bei ihm ein.

Leuchtende Augen bekommt Heil, wenn er von der Trinkwasserzulassung erzählt. In stark verdünnter Form von etwa 1:500 darf das Trinkwasserdesinfektionsmittel PotoClean ins deutsche Trinkwassernetz eingespeist werden.

Die Lösung ist selbst in dieser Menge noch stark genug, um Keime und Bakterien zu töten, und könnte theoretisch das bei Verbrauchern wenig beliebte Chlordioxid ersetzen. WaterClean hat hierfür bereits Hotels, Altenheime und Krankenhäuser als Kunden gewonnen.

Das Oberflächendesinfektionsmittel PotoTop wird laut Heil bereits von einem Anbieter für Schnittobst verwendet, das nach der Behandlung doppelt so lange haltbar ist. Der Hersteller muss die Verbrauchermärkte seitdem nur noch einmal die Woche anfahren und spart neben der Hälfte des Wareneinsatzes damit auch noch die Hälfte der Transportkosten. JÜRGEN VIELMEIER/ber

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