Heiztechnik 18.04.2003, 18:24 Uhr

Neuer Trend: Vom Boden an die Wand

Der Markt für Wärmepumpen ist ins Stocken geraten. Dabei haben in den letzten Jahren immer mehr Hersteller diese hoffnungsträchtige Marktnische entdeckt. Etliche auf der ISH in Frankfurt/M. präsentierte Modellvarianten, sogar Wandgeräte, sorgen jetzt für frischen Wind. Zudem will man das Modernisierungsgeschäft stärker erschließen.

Wärmepumpen? Haben wir jetzt auch.“ Das Beispiel Bosch-Thermotechnik auf der Branchenmesse ISH Ende März zeigt, wie ernst die Hersteller von Heiztechnik dieses Marktsegment mittlerweile nehmen. Mit neuen Designvarianten und Systemlösungen versuchen die Unternehmen, sich von Wettbewerbern zu unterscheiden. Selbst als Wandgerät ist die umweltfreundliche Pumpe jetzt zu haben. Auch neue, gasbetriebene Technologien nehmen konkrete Gestalt an.
Die Wärmepumpe galt bislang als kleine aber feine Marktnische der Heizungsindustrie. Nach dem Markteinbruch Anfang der 80er Jahre erlebte die Branche in den 90er Jahren eine Renaissance. Beginnend auf niedrigem Niveau konnte der Verkauf in Deutschland von etwa 500 auf rund 5000 verzehnfacht werden. Laut Stiebel Eltron wurden 2001 schon 8200 Heizungs-Wärmepumpen-Anlagen neu installiert. Die Erwartungen, im Jahr 2002 die Schwelle von 10?000 Stück zu überschreiten, waren groß. Die Hersteller erweiterten ihr Produktangebot. Doch mit einem Absatz von rund 8?300 Anlagen konnte gerade mal an das Vorjahresergebnis angeknüpft werden.
Damit konnten sich auch die Wärmepumpen nicht dem konjunkturellen Umfeld entziehen. Besonders leideten sie unter dem maroden Neubausektor, so Jörg Zöllner, Geschäftsführer des Fachverbands für Energie-Marketing und -Anwendung (HEA). Denn gerade dort kamen sie bislang hauptsächlich zum Einsatz. Waren sie doch besonders für Niedrigenergiehäuser mit geringen Heizungsvorlauftemperaturen ausgelegt. Für den neuen Standard nach Energieeinsparverordnung (EnEV) seien sie geradezu prädestiniert. Da die Wärmepumpe Umweltwärme nutze, sei sie beim Faktor Endenergie (also die Energie, die bezahlt wird) die „mit Abstand günstigste Lösung“. Ein Systemvergleich der HEA habe zudem ergeben, dass „die Wärmepumpe sowohl in punkto Umweltentlastung als auch hinsichtlich der Bau- und Betriebskosten nicht nur wettbewerbsfähig ist, sondern den klassischen Heizsystemen sogar teilweise überlegen ist“.
Jetzt müssen sich immer mehr Anbieter den ins Stocken geratenen Wärmepumpen-Markt teilen. Beispielsweise hat erstmals Bosch-Thermotechnik jetzt auch Wärmepumpen vorgestellt. Unter der Marke Junkers sollen jedoch erst ab Oktober anschlussfertige Erdwärmepumpen mit 4?kW bis 11?kW Leistung verfügbar sein. Speziell für Energiesparhäuser geeignet, wird die 4-kW-Anlage über ein integriertes Lüftungsmodul verfügen. Für größere Leistungen sind Erweiterungspakete vorgesehen, mit denen im Sommer auch gekühlt werden kann.
Kühlen ist über ein Zusatzmodul auch mit der ersten wandhängenden Erdwärmepumpe von Vaillant möglich. Der Marktführer für wandhängende Heizgeräte folgt damit auch in diesem Segment dem Trend in der Heiztechnik „Vom Boden an die Wand“. Damit komme man Bauherren entgegen, die mit dem vorhandenen Raum möglichst wirtschaftlich umgehen müssen. Ein Schornstein oder separater Heizungsraum sei sowieso nicht nötig. Unterhalb der Heizanlage könnten jetzt auch getrost Waschmaschine, Trockner oder Unterschränke platziert werden. Die Geräte gibt’s mit 7?kW oder 10?kW. Die Wärme aus dem Erdreich wird ohne Zusatzheizung bis auf 50?°C warmes Wasser gewandelt, ausreichend z.B. für eine Fußbodenheizung und Brauchwasser im Ein- und Zweifamilienhaus.
Um sich von dem rückläufigen Neubaugeschäft abzukoppeln, haben Hersteller neue Modelle vorgestellt, die auch für die im Modernisierungsmarkt überwiegenden höheren Heizungsvorlauftemperaturen geeignet sind. So liefert eine Luft/Wasser-Wärmepumpe von Stiebel Eltron (mit 8?kW, 12?kW oder 13?kW) selbst bei Außentemperaturen von –20?°C noch eine Vorlauftemperatur von 60?°C, verspricht das Unternehmen. „Damit ist sie eine interessante Alternative, wenn der alte Heizkessel ausgetauscht werden muss.“ Die „Modernisierungs-Wärmepumpe“ von Viessmann erreicht 65?°C. „Dass die alten Heizkörper weiterverwendet werden können, spart Arbeit, vermeidet unnötigen Schmutz in der Wohnung und senkt die Kosten.“ Je nach Ausführung – Sole/Wasser, Wasser/Wasser oder Luft/Wasser – werden Leistungen zwischen 9?kW und 14 kW erreicht.
Die jetzt geltende Energieeinsparverordnung (EnEV), die Erschließung des Modernisierungsmarktes sowie hohe Öl- und Gaspreise könnten der Nachfrage neue Impulse geben. HEA-Geschäftsführer Zöllner gibt sich jedenfalls optimistisch, dass in diesem Jahr der erwartete Sprung über die 10?000-Marke gelingt. Ab dem kommenden Jahr sollen neue Entwicklungen auf Gas-Basis dann für weiteren Schwung sorgen. So plant Buderus die Serieneinführung seiner neuen gasbetriebenen Diffusions-Absorptions-Wärmepumpe Loganova GWP in Deutschland für Februar 2004. Schon in diesem Jahr sollen erste Geräte auf dem niederländischen Markt verfügbar sein. Mit den integrierten Brennwertkesseln erzielen sie eine Gesamtwärmeleistung von 11?kW oder 19?kW. Mit Vorlauftemperaturen bis 75?°C ist auch der Einsatz im Gebäudebestand möglich. Der Clou: die von einem Gasbrenner erzeugte Wärme setzt verschiedene physikalische Prozesse in Gang – ein Motor ist nicht nötig. Für den allein auf dem Prinzip der Schwerkraftzirkulation beruhenden Antrieb kann auf bewegliche Teile wie Pumpe und Ventil verzichtet werden.
Auf großes Besucherinteresse während der ISH stieß auch das Zeolith-Heizgerät von Vaillant. Die neuartige gasbetriebene Zeolith-Wasser-Adsorptions-Wärmepumpe befindet sich im Praxistest und soll noch in diesem Herbst mit voraussichtlich zehn Geräten in den Feldtest gehen. Die Markteinführung mit einer 10-kW-Version plant Vaillant für das Jahr 2005. Der Feststoff Zeolith, ein keramikähnliches Material aus Aluminiumoxid und Siliziumoxid, ist ungiftig und nicht brennbar. Extrem speicherfähig entwickelt Zeolith bei der Wasseraufnahme eine starke Hitze. In dem Heizgerät wird ein entsprechender Kreislauf der Wärme-Aufnahme und -Abgabe mit Einkopplung von Umgebungswärme in Gang gesetzt. Zur Effizienzsteigerung kommen zwei Module parallel zum Einsatz. Die geräuscharme Technik soll sich ebenfalls leicht in vorhandene Heizungsstrukturen integrieren lassen.
ROBERT DONNERBAUER

Ein Beitrag von:

  • Robert Donnerbauer

    Freier Journalist und Fotograf. Themengebiete: Energie (Gebäude, Industrie, Verkehr), Heiztechnik, Brennstoffzellen, Kraft-Wärme-Kopplung,  Verkehr (alternative Antriebe, Nutzfahrzeuge).

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