Wasserwirtschaft 06.01.2006, 18:42 Uhr

Neue Kanaltunnel für Portland  

VDI nachrichten, Portland, 6. 1. 06, rok – Die Hafenstadt Portland im US-Staat Oregon schmückt sich mit dem Beinamen „Stadt der Rosen“. In den vergangenen Jahren lagen über Portland aber vor allem nach schweren Regenfällen gelegentlich Schwaden mit dem Geruch von Abwasser. Neue Kanaltunnel sollen das Problem jetzt lösen.

Anhaltend hohe Niederschläge hatten die Kanalisation zum Überlaufen gebracht und Abwasser gelangte ungeklärt in den Willamette-Fluss. Um diesem Problem zu begegnen, schrieb die Stadtverwaltung Portlands ein Sanierungsprojekt für die Kanalisation im Gesamtwert von mehr als 1,2 Mrd. $ aus. Ein Konsortium bestehend aus einem italienischen und einem amerikanischen Tiefbauunternehmen erhielt den Zuschlag für eines der größten Baulose in diesem Projekt. Innerhalb dieses Bauabschnittes fahren nun seit mehr als einem Jahr mehrere vom Maschinenbauer Herrenknecht im badischen Schwanau gebaute Tunnelbohrmaschinen neue Abwassertunnel unter Portland auf.

Im Gegensatz zu anderen Städten in Nordamerika wird Regenwasser in Portland nicht vom Abwasser getrennt abgeleitet. Stattdessen ist die Kanalisation dort so ausgelegt, dass Abwässer und Regenwasser gemeinsam zur Kläranlage fließen. Besonders nach starken Regenfällen gelangte immer wieder ungeklärtes Wasser in den Fluss.

Die Umweltbehörden Oregons machten der Stadt zur Auflage, bis zum Jahre 2010 dafür zu sorgen, dass keine Abwässer mehr ungeklärt in den Fluss laufen. Um künftig das Überlaufen der Kläranlage zu verhindern, entschied man sich in Portland für neue Abwassertunnel mit Durchmessern von mehr als 5 m. Bei starken Niederschlägen leiten diese Tunnel nicht nur Regenwasser ab, sie dienen gleichzeitig auch als große Auffang- und Haltebecken.

Technisch stellt das Projekt die Tunnelbauer vor große Anforderungen. Einerseits bewegt man sich ununterbrochen innerhalb Grundwasser führender Schichten. Zum anderen sind die geologischen Verhältnisse in Portland äußerst komplex. Der Untergrund jener Ebene, durch die der Willamette fließt, besteht aus unkonsolidierten Sedimenten aus der Eiszeit, also Sanden, Kiesen, Geröll, Ton-Kalk-Gemischen sowie zahlreichen metergroßen Findlingen. Außerdem musste der Fluss auf einer Länge von nahezu 1000 m unterquert werden, wobei die Dicke der Sedimentschicht zwischen Flussbett und Tunnelkrone höchstens 9 m beträgt.

Deshalb entschied sich das Konsortium dafür, bei Herrenknecht zwei Tunnelbohrmaschinen vom Mixschild-Typ zu bestellen. Bei derartigen Maschinen wird die instabile „Ortsbrust“, so nennen Bergleute das unmittelbar vor dem Schneidrad anstehende Gestein, abgestützt.

Die Arbeit am Baulos „Westufer“ begann mit dem Abteufen eines 41 m tiefen Schachtes mit einem Durchmesser von nahezu 20 m. Die Maschinenteile wurden dann durch diesen Schacht auf das Tunnelniveau gebracht und unter Tage zusammengebaut. Die erste Maschine fuhr den 1,2 km langen Nordtunnel auf, der den Fluss in einem schrägen Winkel unterquert.

Eine zweite Maschine hat den 4,5 km langen südlichen Abwassertunnel aufgefahren. Die Tunnelbauer unterfahren auch sechs Brücken. Bei allen Brücken handelt es sich um Hochbrücken, damit auch Seeschiffe mit ihren hohen Aufbauten zu den weiter flussaufwärts gelegenen Hafenanlagen fahren können. Beim Unterfahren der Bauwerke darf sich der Erdboden um höchstens einen Zentimeter setzen, sonst wäre die Stabilität der belebten Verkehrsadern gefährdet.

Neben den großen Maschinen kommt in Portland noch eine ebenfalls von Herrenknecht gebaute „Mikrotunnelbohrmaschine“ zum Einsatz. Der Begriff „Mikro“ hat dabei kaum etwas mit dem Durchmesser der von ihr aufgefahrenen Tunnel zu tun, denn die betragen zwischen 1,84 m und 2,74 m. Der Begriff ist historisch zu verstehen. Bei den großen Bohrmaschinen sitzt der Pilot in einem Steuermodul vor Ort. Mikromaschinen werden dagegen von einem Kontrollstand über Tage gesteuert. Insgesamt bohrt die kleine Maschine fast 3,5 km Röhren, die von den Vororten der Stadt zu dem großen Tunnel am Westufer des Flusses führen.

Jetzt beginnt der nächste Bauabschnitt des Sanierungsprojektes auf der Ostseite des Flusses. 2011, so hofft die Stadtverwaltung von Portland, soll das Projekt dann vollständig abgeschlossen sein. H. RADEMACHER

Ein Beitrag von:

  • Horst Rademacher

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