Photovoltaik-Kongress EUPVSec 05.10.2012, 19:54 Uhr

Nächster Engpass bei Silizium in Sicht

Wenn Johannes Bernreuter über den Siliziummarkt spricht, wird das in der Branche ernster genommen als so manche andere Prognose. Bernreuter, ehemals Redakteur des Fachmagazins Photon, sagte in dieser Funktion im Jahr 2000 als Erster und Einziger die zu erwartende Angebotslücke bei Solarsilizium mit den daraus resultierenden Preissteigerungen voraus. Seine neue Studie, vorgestellt bei demFachkongress EUPVSec letzte Woche in Frankfurt am Main, sieht für 2015 oder 2016 eine neue, mögliche Angebotslücke.

Zum Photovoltaik-Kongress EUPVSec stellte Marktbeobachter Johannes Bernreuter einige Ergebnisse seiner aktuellen Studie zum weltweiten Siliziummarkt vor. Fazit: „Die Märkte müssen in diesem Jahr noch die aus den 25 000 t Überkapazitäten resultierenden Lagerbestände verdauen“, sagt Bernreuter. Danach würden sich die Preise stabilisieren oder leicht ansteigen. „Aber schon 2015 könnte es zu neuen Knappheiten mit einem entsprechenden Preisanstieg kommen“, warnt er – zumindest dann, wenn der Bedarfsanstieg, der mit dem weltweiten Ausbau der Photovoltaikindustrie und der solaren Stromerzeugung einhergeht, sich beschleunigt.

Bernreuter rechnet ab 2015 mit Silizium-Engpass

Bernreuter wies nachdrücklich darauf hin, dass bisher der Markt noch jede Ausbauprognose übertroffen habe. Er wertet für seine Analysen neben Branchenkontakten eine Vielzahl von Studien aus Marktforschungsfirmen auf deren Treffgenauigkeit bei der Bedarfsprognose aus. Das Resultat: Im Schnitt liegen sie um die 30 % unter der tatsächlichen Marktentwicklung. „Warum das so ist, kann ich nicht erklären“, sagt Bernreuter.

Die Hersteller selbst prognostizieren nicht besser: Mal liegen sie weit über, mal weit unter Markt, gelegentlich treffen sie die reale Entwicklung. Bernreuter nutzt daher die auf immer gleiche Weise danebenliegenden Prognosen von Marktforschern als eine Basis seiner Kalkulationen und sattelt wegen der Erfahrungen rund ein Drittel drauf. Damit ist er für 2012 auf ein Marktvolumen von weltweit 36,7 GW bis 38,5 GW gekommen, gegenüber den 27,8 GW für 2011 also ein Zuwachs von immerhin knapp 35 %. Das deckt sich mit aktuellen Daten zum ersten Halbjahr 2012 des Marktforschungsinstituts IMS Research (+35 %).

Slizium: Produktionspreise gehen dank neuer Technologien zurück

Hinsichtlich der Siliziumproduktion gehen die Preise dank neuer Technologien wie der Nutzung von Monosilan als Ausgangsstoff weiter zurück. So hat der Photovoltaiktechnologiekonzern REC nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Halbjahr für 19 $/kg Silizium produziert. Andere, so der Anlagenbauer Schmid Silicon und SMP Ltd., ein Joint Venture von Memc und Samsung Fine Chemicals, gehen denselben Weg. Generell suche man bei den Produktionstechniken nach niedrigem Energieverbrauch und großer Reinheit.

Das führt dazu, dass metallurgisches Silizium (UMG) vielleicht doch keine großen Marktanteile gewinnen kann. „Die Ansprüche der Solarindustrie an die Reinheit sind in den letzten Jahren gestiegen – von ‚sechs Neunen‘ (99,9999 % Reinheit) auf ‚sieben Neunen‘ (99,99999 % Reinheit), hochreines Silizium benötigt sogar zehn Neunen“, erklärt Bernreuter. In der Mikroelektronik werden elf verlangt. Bernreuter: “ Die UMG-Hersteller haben nicht bewiesen, dass sie mindestens sechs Neunen für 15 $/kG produzieren können.“

Siliziumindustrie steht unter langfristigem Kosolidierungsdruck

Der Analyst sieht die Siliziumindustrie unter langfristigem Konsolidierungsdruck wegen der komplexen und teuren Fertigungstechnologie. So ist beim Neubau von Fabriken die Einstiegsproduktionsmenge auf rund 10 000 t jährlich gewachsen. „Um für 25 $/kg oder billiger zu produzieren, braucht man einfach eine bestimmte Größenordnung“, betont er. Jedoch sinke gleichzeitig die Menge des für eine bestimmte Energieausbeute nötigen Siliziums jedes Jahr um 5 % bis 6 %. Der Grund: Die Wafer werden immer dünner, derzeit werden 120 µm dicke Siliziumscheiben entwickelt.

Bernreuter berechnet seine aktuellen Prognosen unter der Annahme, dass alle Produzenten von heute mindestens bis 2015 im Geschäft bleiben. Sollten aber die derzeitigen Überkapazitäten zu unerwarteten Insolvenzen führen und die Nachfrage sprunghaft wachsen, könnte das die Situation ändern – einfach, weil weniger Silizium als erwartet auf den Markt kommt.

Ein Beitrag von:

  • Ariane Rüdiger

    Freie Journalistin in München. Schwerpunktthemen: Betriebliche IT-Themen (IT-Infrastruktur und ihr Management, Telekommunikation, Rolle des CIO), Nachhaltige Informationstechnik – Green IT (Virtualisierung, Recycling, nachhaltiges IT-Design…), Erneuerbare Energien (Smart Grid, Photovoltaik, Wind, Solarthermie, Pellets) und ökologisches Bauen, Nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Stadtentwicklung, Queer Culture.

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