Windkraft 21.05.1999, 17:21 Uhr

München betreibt die erste Windkraftanlage

Direkt am Autobahnkreuz München-Nord, auf einem in den Jahren 1954 bis 1987 aufgeschütteten Müllberg aus Hausmüll, Bauschutt und Schlacke aus den Münchner Müllverbrennungsanlagen, ging jetzt an seiner höchsten Stelle in 562 m Höhe Münchens erste Windkraftanlage in Betrieb.

Münchens grün-rote Stadtoberen bezeichnen die Anlage stolz als „Öko-Wahrzeichen Nummer eins“. Es sei ein bereits von weitem sichtbares Symbol für Umwelttechnologie und die Förderung regenerativer Energien.
Lange hat es allerdings gedauert, bis es soweit war. Der erste Stadtratsantrag zur Errichtung einer Windkraftanlage wurde bereits 1990 gestellt. Nach einem europaweiten Wettbewerb entschieden sich die Stadtwerke München 1997 für das Konsortium Beermann-Energiesysteme/Enercon. Mit dem Müllberg in Fröttmaning wurde mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 5,3 m/s bis 5,6 m/s der beste Windenergie-Standort im Stadtgebiet gefunden. Die Windkraftanlage hat eine Nennleistung von 1,5 MW und soll die stark wechselnden Münchner Winde optimal ausnutzen können. Da der Anlagentyp ohne Getriebe läuft, sei er im Betrieb sehr leise und soll entsprechend den strengen Auflagen über die zulässige Dauer und Stärke der Schallimmissionen auch in den Nachtstunden kaum zu hören sein.
Besiegelt wurde dieser Schritt im September 1998. Allein das Genehmigungsverfahren dauerte über acht Monate, unter anderem weil die Stadtwerke auf die Beteiligung der Öffentlichkeit großen Wert legten. Noch im letzten Jahr wurde das schwierige Fundament der Windkraftanlage fertiggestellt. Als gravierender Nachteil erwies sich der Untergrund mit seiner ungleichmäßigen, meist ungenügenden Tragfähigkeit. Die Betonfundamentplatte hat 14 m Durchmesser und 2,2 m Dicke.
Um das Gesamtgewicht der Anlage von ca. 900 t sicher tragen zu können, wurde aus 20 m Fallhöhe mit einem 25-t-Stahlklotz Kies nach einem vorgegebenen Raster eingestampft. Da Setzungsbewegungen des Müllberges trotzdem zu einer Schiefstellung führen könnten, wurden Sicherungsfundamente eingebaut, von denen aus die gesamte Fundamentplatte mit hydraulischen Pressen wieder ausgerichtet werden kann.
Die Stromerzeugung erfolgt über einen Ringgenerator in der Maschinengondel, die drehbar mit dem Dreiblattrotor auf einem 66 m hohen Stahlrohrturm sitzt. Gondel und Rotorblätter sind aus glasfaserverstärktem Epoxidharz gefertigt. Der von dem Synchrongenerator erzeugte Drehstrom mit variabler Frequenz wird durch eine Leistungselektronik in einspeisefähigen Drehstrom mit 50 Hz umgewandelt.
Die Kosten der Anlage beliefen sich auf rund 4 Mio. DM. Das Fundament verschlang davon rund ein Viertel.
JOACHIM HOSPE
Münchens erste Windkraftanlage thront auf einem Müllberg. Die Stadtoberen betrachten es als Öko-Zeichen.

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