EU-Projekt fördert Sonnenenergie 15.04.2014, 12:28 Uhr

Mit SmartFlex auf dem Weg zu Solarfassaden per Mausklick

Solarmodule sieht man bisher meist nur auf Dächern von Häusern. Mit dem  EU-Forschungsprojekt „SmartFlex“ soll sich das ändern. Auch ganze Fassaden sollen Sonnenstrom gewinnen können. Die Lösung: preiswerte Serienproduktion. 

SmartFlex bietet neue Möglichkeiten für Glasfassaden. 

SmartFlex bietet neue Möglichkeiten für Glasfassaden. 

Foto: Glassbel

Ein von allen Seiten mit Solarmodulen ausgestattetes Haus, das auch noch gut aussieht, weil die Module in Form und Farbe zum Design passen – das hat absoluten Seltenheitswert. Kein Wunder. Denn es ist, wenn überhaupt praktikabel, aufwändig und teuer, passende Elmente für Solarfassenden herzustellen. Und mühevoll dazu, weil jedes Stück einzeln in Handarbeit gefertigt werden muss. Deshalb sieht man Fotovoltaikmodule aufgereiht nebeneinander meist nur auf Dächern, nicht aber an Fronten. 

Häuser als kleine Kraftwerke

Mit dem Forschungsprojekt „SmartFlex“ soll eine neue Ära beginnen. Fassaden aus Solarzellen sollen zu einem Massenprodukt werden. Gefördert wird das Projekt von der Europäischen Union mit 2, 9 Millionen Euro. Juras Ulbikas ist Leiter der Forschungsgruppe am Applied Research Institute for Prospective Technologies (ProTech) im litauischen Vilnius. „Die gebäudeintegrierte Photovoltaik hat ein sehr großes Potenzial, das bis heute nicht annähernd ausgeschöpft ist“, betont er. Eine serienmäßige, maßgeschneiderte und dazu noch bezahlbare Produktion von Solarmodulen schwebt ihm vor. So dass sich irgendwann vielleicht jeder Bauwillige die Bauweise leisten kann. Ein weiterer Vorteil der Massenproduktion: Die Fassaden würden wesentlich mehr Sonnenstrom erzeugen als allein Dächer und damit quasi als kleine Kraftwerke fungieren. 

Architekten für Idee gewinnen

Die SmartFlex-Beteiligten müssen vor allem Architekten die so genannte gebäudeintegrierten Photovoltaik schmackhaft machen. Denn erst, wenn diese Berufsgruppe mehr Solarelemente in ihren Entwürfen berücksichtigt, werden damit bestückte Fassaden häufiger im Straßenbild zu sehen sein.

Niedrigenergiehaus mit Solarmodulen.

Niedrigenergiehaus mit Solarmodulen.

Foto: SUPSI

Zu den Projekt-Partnern zählen neben ProTech unter anderem das Photovoltaik-Institut Berlin, der litauische Glashersteller Glassbel, der deutsch-litauische Solarsystemhersteller Via Solis und das Schweizer Kompetenzzentrum für gebäudeintegrierte Photovoltaik (SUPSI).  

Per Mausklick in die Fabrik

Eine spezielle Software soll dafür sorgen, dass Architekten ihre Arbeit leichter gemacht wird. Ganze Solarfassaden sollen direkt am Computer entworfen werden. Unkompliziert per Mausklick werden die Pläne dann direkt an die Solarfabrik übermittelt, wo die Module weitgehend vollautomatisch in Serie produziert werden. Das wäre völlig neu. Auf der Baustelle werden die Elemente dann so zusammengefügt, wie man es von Fensterfronten her kennt. 

In Litauten laufen Tests 

Welche Solarmodule besonders gut geeignet sind für die gebäudeintegrierte Stromerzeugung wird derzeit in Litauen getestet. In der Stadt Klaipeda wurden auf einer etwa 200 Quadratmeter großen Fassade gut 20 verschiedene Solarelemente installiert.

Mögliche Formen von Solarmodulen.

Mögliche Formen von Solarmodulen.

Foto: Glassbel

Unter die Lupe genommen werden kleinste Module genauso wie riesige Panelen mit Kantenlängen von bis zu 3,5 Metern und einer Modulleistung von 750 Watt. Um heutigen Industriestandards zu entsprechen, müssen die Bauelemente 25 bis 30 Jahre halten. Alle auf dem Markt verfügbaren Arten von Montagesystemen und mehrere Wechselrichter werden getestet.

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