Energie 16.05.2008, 19:35 Uhr

„Mich fasziniert das Potenzial der erneuerbaren Energien“  

VDI nachrichten, Erfurt, 16. 5. 08, rus – Die Energiewirtschaft wird nicht freiwillig auf die Nutzung fossiler Brennstoffe verzichten. Davon ist Claus Beneking, Vorstandsvorsitzender der Ersol Solar Energy AG überzeugt. Dennoch glaubt er, dass die erneuerbaren Energien bis 2020 einen Anteil von 20 % bis 30 % an der Energieversorgung der EU haben. Er wünscht sich eine Politik, die Investitionen in diese Energieform lohnend macht.

Beneking: Ich denke, dass die energiewirtschaftliche Vision einer 100-prozentigen Vollversorgung mit erneuerbaren Energien nicht mehr so weit entfernt liegt. Wir sind dieser näher gekommen, sie ist real machbar und Photovoltaik wird einen bedeutenden Platz in diesem Konzept einnehmen.

Ich sehe die erneuerbaren Energien 2020 mit einem 20 bis 30 %igen Beitrag zur Energieversorgung der EU und in Deutschland, und dass dieses Modell aufgrund der wirtschaftlichen Überlegenheit weltweit ebenfalls forciert wird.

Erneuerbare Energien werden dann nicht nur „nice to have“ sein, sondern für die Versorgung benötigt und betriebswirtschaftliche Realität im Maßstab heutiger Großversorger sein.

VDI nachrichten: Deutschland im Jahr 2020: Wie wird sich der Alltag der Menschen durch den Wandel der Energiewirtschaft verändert haben?

Beneking: Leider befürchte ich, dass der notwendige Wandel der Energiewirtschaft im Jahr 2020 noch nicht so weit fortgeschritten sein wird, wie wir uns das wünschen. Es wird aber in größerem Maße als heute energieautarke Häuser und zahlreichere Vorreiter geben.

VDI nachrichten: Welche regenerative Energiequelle halten Sie für die mit der größten Zukunft?

Beneking: Ich glaube fest daran, dass die Solarenergie mit Abstand das größte Potenzial aller erneuerbarer Energien hat.

In der Praxis wird es jedoch immer einen Energiemix aus Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse geben, um unseren zukünftigen Energiebedarf zu decken. Vielleicht wird aber bei der einen oder anderen regenerativen Energieform irgendwann das Technologiepotential ausgereizt sein.

VDI nachrichten: In welche der aktuell sich entwickelnden Technologien würden Sie demnach heute investieren?

Beneking: Als Vorstandsvorsitzender eines Photovoltaik-Unternehmens, als einstiger Forscher im Bereich Solartechnik und als stolzer Besitzer eines Photovoltaik-Kraftwerkes habe ich zwangsläufig eine hohe Affinität zur Stromerzeugung aus Sonnenlicht. Mich fasziniert das nachhaltige technologische Potenzial der erneuerbaren Energien, insbesondere der Photovoltaik.

Gerade in sonnenreichen Regionen, wie Südeuropa und den südlichen Staaten der USA, kann man die Investition in Photovoltaik-Anlagen schon deshalb empfehlen, weil aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung die Wettbewerbsfähigkeit – die sogenannte „Grid Parity“ – mit Strom aus fossilen Energiequellen schon ab 2008 erreicht werden kann.

VDI nachrichten: Wie schätzen Sie die zukünftige Bedeutung fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle, Gas ein?

Beneking: Die Energiewirtschaft wird nicht freiwillig auf die Nutzung fossiler Brennstoffe verzichten. Zwar sind diese in ihrem Vorkommen beschränkt, jedoch nehmen die vorhandenen Reserven so langsam ab, dass es nicht zum Zusammenbruch der Energieversorgung käme, würden wir sie so lange nutzen wie es möglich ist.

Zur Eindämmung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und Förderung eines regenerativen Energiemixes müssen vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass Investitionen in erneuerbare Energien sich lohnen.

Beneking: Hoffentlich ja.

VDI nachrichten: Unabhängig von der Energieform und Technologie, viele halten das Stichwort „Energieeffizienz“ für die Antwort auf die Energiefrage der Zukunft. Wie schätzen Sie das Thema ein? Was halten Sie für die bedeutendste Entwicklung auf diesem Gebiet?

Beneking: Energieeffizienz ist wichtig, impliziert aber, dass immer noch Energie erzeugt werden muss. Null-Energie-Häuser sind eine gute Entwicklung.

VDI nachrichten: Welche Änderungen müssen sich ergeben, damit man von einer Energiewende sprechen kann?

Beneking: Die konventionellen Energien müssten so teuer werden, dass ihre wirtschaftliche Nutzung nicht mehr interessant ist.

VDI nachrichten: Ihre Forderung an die deutsche Bundesregierung in diesem Zusammenhang?

Beneking: Die deutsche Regierung ist auf einem sehr guten Weg. Sie sollte ihren Kurs beibehalten und, wenn möglich, die Effekte verstärken.

VDI nachrichten: Die erneuerbaren Energien haben mindestens zwei Probleme: die fehlende Infrastruktur und das Beharrungsvermögen der Etablierten auf herkömmliche Energieformen. Ändert sich das in absehbarer Zeit?

Beneking: Die Infrastruktur wird sicherlich geschaffen werden. Das Beharrungsvermögen halte ich für sehr stark.

Rein aus der intellektuellen Erkenntnis heraus wird nichts erreicht. Es muss wohl wieder eine Katastrophe geschehen, die die Menschen zum Umdenken bewegt.

Beneking: Ersol zählt bereits heute zu den bedeutenden Playern in der Photovoltaik. Unser Wachstum in den vergangenen zehn Jahren zeigt, wie rasant sich dieser Energiebereich entwickelt hat und vermutlich auch noch entfalten wird.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt es in 20 Jahren?

Beneking: Die Ersol-Gruppe wird mit ihrer Technologieführerschaft und ihrem Geschäftsmodell auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Eine unabhängige Studie bescheinigte unserem Unternehmen kürzlich, dass wir uns unter den Top 10 der strategisch am besten positionierten PV-Unternehmen befinden.

VDI nachrichten: Was wird die wichtigste Innovation Ihres Unternehmens sein?

Beneking: Zu den wichtigsten Ersol-Innovationen wird die Erhöhung der Zelleffizienz auf über 20 % Wirkungsgrad mit extrem dünnen Wafern gehören.

In Zukunft wird Ersol in der zweiten Technologieschiene, der Dünnschicht-Photovoltaik, ebenso an der Effizienzverbesserung arbeiten. Den Weg dahin wollen wir in einer Forschungsallianz mit Schott Solar gehen, um gemeinsam die mikromorphe Technologie für Dünnschicht-Solarzellen schneller zur Marktreife zu bringen.

VDI nachrichten: Welche Herausforderungen sehen Sie auf sich zukommen?

Beneking: Wir haben einen andauernden Wettbewerb zwischen verschiedenen Energieformen. Wir müssen vor allem sehen, dass die politische Akzeptanz für erneuerbare Energien erhalten bleibt. Dazu kommt der Wettbewerb in der Branche selber. Wir müssen mit unseren Produktionsstätten gegen den weltweiten Wettbewerb bestehen. Technologisch sind wir hinreichend gut aufgestellt.

VDI nachrichten: Haben Sie wegen Fachkräftemangels Entwicklungen nicht oder nur verzögert in Deutschland durchführen können?

Beneking: Bisher konnte die Ersol-Gruppe ihren stetig gewachsenen Bedarf an qualifizierten Fachkräften sehr gut befriedigen. Mit Hilfe eines zweistufigen Modells für die Ausbildung von technischen Fachkräften, das die klassische Erstausbildung und die Qualifizierung über Bildungseinrichtungen vorsieht, konnten wir unseren Fachkräftebedarf decken. So hat es bei uns auch keine Verzögerungen beim Aufbau von neuen Produktionsstätten in Deutschland gegeben. Im Bereich Ingenieure ist allerdings ein Wettbewerb um die besten Köpfe auch bei Ersol zu spüren. Hier wird die Attraktivität eines Arbeitsplatzes entscheidend sein, für welchen Arbeitgeber sich ein Interessent entscheidet.

VDI nachrichten: Braucht eine Führungsmannschaft Medienkompetenz, um Investoren zu überzeugen?

Beneking: Mit Sicherheit: Genau wie unsere Produkte müssen wir auch unser Unternehmen am Kapitalmarkt präsentieren und „verkaufen“.

Beneking: Die Beteiligung an einem Bürger-Windpark in der Eifel Anfang der 90er Jahre, die seitdem Jahr für Jahr mehr Strom erzeugt als meine Familie verbraucht. fl/cs

Ein Beitrag von:

  • Florian Langenscheidt

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