Wasserkraft 10.05.2002, 17:34 Uhr

Mehr Wasser auf die Mühlen

Liberalisierung und Privatisierung des Wassermarktes gehören international und national zu den wichtigsten Zukunftsthemen des neuen Jahrtausends. Auf der IFAT kommende Woche in München stellt sich die Wasserbranche den Herausforderungen.

Wo ist Xian? Trinkwasser-Profis in Berlin wissen das. Die Berliner Wasserbetriebe liefern der chinesischen Kaiserstadt ein neues Wasserwerk samt zugehörigem Betreiber-Know-how. Und wo liegt Chacsincin? Darüber können Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens in Norddeutschland Auskunft geben, die mit Pflanzenkläranlagen das Abwasser der südmexikanischen Kommune für die Feldbewässerung aufbereiten. Zwei Beispiele, stellvertretend für viele: Die internationalen Wassermärkte bieten gute Chancen für innovative Technologien. Experten aus aller Welt werden deshalb die IFAT 2002 vom 13. bis 17. Mai in München als internationale Drehscheibe nutzen – zur Orientierung sowie für Geschäftsanbahnungen und -abschlüsse.
Während in Deutschland die Debatte um privatwirtschaftliche Beteiligungen im Wassersektor noch sehr kontrovers geführt wird, ist das Angebot der Consultants, Anlagenbauer und Betreiberfirmen insbesondere den Kommunen in Schwellenländern willkommen. Dort geht es nicht mehr um das grundsätzliche Ja oder Nein zu privaten Beteiligungen, sondern darum, welche Modelle sich am besten eignen und wie die Rahmenbedingungen für öffentlich-private Partnerschaften verbessert werden können.
Seit 1993 wurde weltweit die Wasserver- und Abwasserentsorgung für rund 120 Millionen Menschen privatisiert. Ausgehend vom gegenwärtigen Versorgungsstand der Weltbevölkerung im Trinkwasserbereich – 40 % gesicherte, 35 % unzureichende und 25 % keine Versorgung – wird sich allein hier das Weltmarktvolumen von 94 Mrd. DM im Jahr 2000 auf voraussichtlich 174 Mrd. DM im Jahr 2015 nahezu verdoppeln. Hinzu kommt der Abwassersektor, der als größtes Marktsegment im gleichen Zeitraum von 199 Mrd. DM auf 285 Mrd. DM zulegen soll. Das über alle Marktsegmente – inklusive Industriewasserbehandlung, Mess-, Regel- und Analysentechnik – summierte jahresdurchschnittliche Umsatzwachstum bis 2010 wird auf 8 % geschätzt.
Unübersehbar ist die weltmarktbeherrschende Stellung grenzüberschreitend operierender Multi-Utility-Unternehmen. 80 dieser Giganten leisten heute 60 % der Gesamtumsätze. Die übrigen 40 % verteilen sich auf mehr als 10 000 kleine und mittlere Unternehmen. Analysten vermuten, dass aufgrund des nachfrageorientierten Multi-Utility-Ansatzes im Jahr 2015 weniger als 20 Unternehmen über 50 % des Marktes abdecken werden.
Auch in Europa wird die Wasserwirtschaft neu definiert. Seit Ende 2000 ist die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) geltendes europäisches Recht. Im Kern zielt sie darauf ab, aquatische Ökosysteme zu schützen und zu verbessern und die Nutzung der Ressource Wasser am Nachhaltigkeitsprinzip zu orientieren. Dazu gibt sie für die verschiedenen Gewässer jeweils unterschiedliche operative Ziele vor: eine gute ökologische und chemische Qualität bei Oberflächengewässern, einen guten chemischen Zustand beim Grundwasser sowie ein gutes ökologisches Potenzial bei erheblich veränderten oder künstlichen Gewässern. Diese Ziele sollen bis Ende 2016 EU-weit erreicht sein. Auch für das hoch entwickelte Europa ist das keine einfache Aufgabe: In Städten wie Brüssel oder Mailand fließt das Abwasser noch immer ungereinigt in die Flüsse, London, Paris, Athen und Dublin verfügen nur über unzureichende Abwasserreinigungsanlagen.
Damit privatwirtschaftliches Engagement im europäischen Wassersektor auch wirtschaftlich Hand und Fuß hat, fordert die WRRL kostengerechte Preise. Den EU-Mitgliedsstaaten schreibt der Richtliniengeber daher ins Pflichtenbuch sicher zu stellen, dass die Kosten der Ressourcenbewirtschaftung an Trinkwasserkonsumenten und Abwasserverursacher weitergegeben werden.
Parallel zur Umsetzung der WRRL in die Rechtssysteme der Mitgliedsstaaten gilt es, schnellstmöglich die institutionellen Voraussetzungen für ihre Durchführung zu schaffen – ein Problem vor allem in vielen Beitrittsländern wie beispielsweise Litauen, wo sich Zuständigkeiten im Wasserbereich auf drei Ministerien, zahllose Behörden und die Kommunen zersplittern. Ungarn ist, um die nötigen strukturellen, organisatorischen und auch technischen Voraussetzungen zu schaffen, bereits initiativ geworden. Dort hat man ein großes niederländisches Consulting-Unternehmen damit beauftragt, das Wassermanagement landesweit WRRL-gerecht zu reorganisieren. ifat/cf

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