Windkraft 01.10.1999, 17:23 Uhr

Megawatt-Mühlen drehen sich voran

Bei Windkraftanlagen wird die Leistung größer, die Megawatt-Klasse bald Standard. Dies zeigten die Aussteller vorige Woche auf der weltgrößten Fachmesse Husum Wind. Wenn die Projekte erfolgreich sind, drehen die Rotoren sich bald schon vor der Küste.

Der Windmarkt ist in Bewegung: In der ersten Jahreshälfte sind bereits 616 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 516 MW in Deutschland ans Netz gegangen – insgesamt drehen sich hierzulande bereits knapp 7000 Windmühlen mit einer installierten Leistung von 3400 MW. Noch bestimmen die 600-kW- und 800 kW-Anlagen das Bild. Doch langsam werden sie von der Megawatt-Klasse verdrängt. Ein Ende der technischen Entwicklung ist zur Zeit noch nicht absehbar. Nicht einmal Prognosen mögen die Windanlagen-Hersteller derzeit abgeben. Sie sind, so scheint es, jetzt erst richtig in Schwung gekommen.
Bei der Entwicklung der Windräder spielt Deutschland in der obersten Liga. Selbst die führenden Dänen schauen bei den ständig leistungsstärker werdenden Mühlen auf ihr Nachbarland. „Deutschland wird immer mehr zum internationalen Schaufenster für Windenergie-Nutzung“, so die Erfahrung von Dr. Knud Rehfeldt vom Deutschen Windenergie-Institut (Dewi) aus Wilhelmshaven, am Rande der Husum Wind. Das internationale Publikum und die 130 Aussteller aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Österreich auf dieser alle zwei Jahre an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste stattfindenden Fachmesse für Windenergie untermauerten dies.
Technische Grenzen scheint es in der Windbranche derzeit nicht zu geben. Höchstens mit logistischen Problemen, wie dem Transport der 30 m bis 40 m langen Flügel, haben die Hersteller zu kämpfen. Bisher war serienmäßig bei 1,65 MW Schluß. Auf der Husum Wind preschte die Nordex Planungs- und Vertriebsgesellschaft aus Bad Essen vor. Mit der Präsentation einer 2,5-MW-Anlage gibt das zu Babcock Borsig gehörende Unternehmen den Ton an. „Der Prototyp wird Anfang 2000 auf dem Windtestfeld in Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen aufgestellt“, sagte Geschäftsführer Dr. Hans Fechner. In Serie wird diese 80 m hohe Anlage im Frühjahr des kommenden Jahres gehen. Eingesetzt wird diese Mega-Mühle nicht nur an Land – vor allem für den Offshore-Bereich ist sie ausgelegt. Zu Testzwecken wird eine in der dänischen Nordsee aufgestellt.
Technisch weit aus dem Fenster lehnten sich in Husum drei schleswig-holsteinische Windanlagen-Hersteller. Die DeWind in Lübeck, die Husumer Schiffswerft und Jacobs Energie in Heide haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um gemeinsam eine 5-MW-Anlage zu entwickeln. Drehen soll sich diese Mühle nordwestlich vor Helgoland, wo Winkra Energie aus Hannover einen Offshore-Park mit 100 Windrädern und einer Gesamtleistung von 500 MW im Jahr 2005 errichten will. Mindestens 50 dieser Anlagen sollen die schleswig-holsteinischen Hersteller liefern. Das Investitionsvolumen dieses ehrgeizigen Projektes beträgt ca. 1,5 Mrd. DM und ist nach Angaben der Winkra damit weltweit das größte dieser Art. Die Realisierung dieses Projektes würde die Schleswig-Holsteiner einen gewaltigen Schritt nach vorne bringen. Vor allem für den Export ist diese Entwicklung für die Hersteller von Bedeutung. Denn schon längst ist der deutsche Markt viel zu klein geworden. Noch gibt es Ausbaupotential im Land. Aber zunehmend, so die Ansicht vieler Hersteller, stehen diese Anlagen „in der zweiten Reihe“. Gerade für den Export ist es wichtig, die Nase ganz vorn zu haben und nicht der Entwicklung hinterherzulaufen. Denn nicht nur Dänemark, sondern auch Großbritannien, Schweden, Neuseeland und die Niederlande sind an Offshore-Projekten interessiert.
Weit außerhalb des schleswig-holsteinischen Nationalparks, 25 km bis 40 km von der Küste entfernt, soll der Offshore-Windpark liegen. Über ein Seekabel wird der Strom im Kernkraftwerksstandort Brunsbüttel eingespeist. Technisch, so Winkra-Geschäftsführer Uwe Thomas Carstensen, sei dies möglich. Schon jetzt denkt die Winkra daran, zu einem späteren Zeitpunkt weitere 100 Anlagen vor Helgoland aufzustellen.
Trotz allen Optimismusses der Planer – bisher steht dieses Projekt nur auf dem Papier. Auch der seit etwa fünf Jahren von der Winkra geplante Offshore-Park vor Wilhelmshaven sollte im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Doch jetzt sind die Pläne für die elf Anlagen mit einer Leistung von je 1,5 MW ins Stocken geraten. Wann es weitergeht, ist derzeit noch ungewiß. Auch in der Lübecker Bucht ist ein Offshore-Park geplant. Bisher verzögerten Proteste aus der Bevölkerung dieses Vorhaben. Die Realisierung steht noch in den Sternen.
Die generelle Euphorie der Messeaussteller wurde lediglich von der Diskussion um die durch das Einspeisegesetz geregelte Vergütung für den Strom aus regenerativen Energien gebremst. Die Liberalisierung des Strommarktes und die Unsicherheit des künftigen Windstrom-Preises machen Planungen derzeit schwierig. Viele Hersteller reden von einem Investitionsstau, der sich im kommenden Jahr bemerkbar machen wird, wenn es keine gesicherte und ausreichende Mindestvergütung gibt.
Bei einem Abbruch der dynamischen Entwicklung sieht der Bundesverband WindEnergie, Osnabrück, die rund 18 000 Arbeitsplätze der Branche gefährdet. Derzeit beschäftigen allein die Hersteller über 2500 Menschen, davon wurden 500 neue Jobs in diesem Jahr geschaffen.
ANGELA SCHMID
Windkraftanlagen erleben einen Boom. Doch die Stellplätze in deutschen Küsten- und Binnenländern werden allmählich knapp. Daher suchen die Windpark-Betreiber mit neuen Projekten vor der Küste ihre Chancen.

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