Energie 25.02.2005, 18:37 Uhr

Meer birgt unerschöpfliche Energievorräte

VDI nachrichten, Kiel, 25. 2. 05 – Methanhydrat gilt als mögliche Energiequelle der Zukunft, der Abbau jedoch birgt Risiken für Klima und Umwelt. Umso wichtiger ist die Forschung in Hinsicht auf die Prozesse, die Methanhydrate entstehen und zersetzen lassen. Ein neues Projekt erarbeitet jetzt die notwendigen Grundlagen.

Das neue Projekt heißt Comet, obwohl es nicht den Sternenhimmel fokussiert, sondern die Weltmeere. Anfang Februar wurde der COMET (COntrols on METhane fluxes and their climatic relevance in marine gas hydrate-bearing sediments) mit einem Treffen aller Beteiligten in Kiel offiziell gestartet. Das Forschungsvorhaben ist im Bereich Geotechnologien eins von vier Projekten, die sich dem „Methan im Geo-/Biosystem“ widmen und wird mit 2,7 Mio. € gefördert.
Daran beteiligt sind neben dem Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IfM-Geomar) die Technische Universität Hamburg-Harburg, das Geowissenschaftliche Zentrum der Universität Göttingen, das Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel und die Elac Nautik GmbH aus Kiel.
Ziel von Comet ist die Untersuchung der komplexen Steuerparameter, die die Freisetzung und den Umsatz von Methan im Wasser und in der Atmosphäre entscheidend beeinflussen. Damit erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über die Klimawirksamkeit von Methan in Vergangenheit, vor allem aber Gegenwart.
Das Projektteam setzt gleich eine ganze Reihe modernster Technologien für ihre Untersuchungen ein: integrative Langzeitobservatorien, spezielle hydroakustische Systeme, ferngesteuerte Bohrplattformen und ein neuartiges Drucklabor. Messbegleitend werden bestehende numerische Modelle weiterentwickelt, um die Fluidfreisetzung und den biogeochemischen Stoffumsatz in hydrathaltigen Sedimenten und das Schicksal des Methans in der Wassersäule zu untersuchen.
Forschungsgebiete sind die Nordsee, der Golf von Cadiz, und – wie jetzt offiziell bestätigt wurde – erstmals der Pazifik vor der neuseeländischen Küste. Mit dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ geht es im Frühjahr 2007 in diese Region, die in der Gashydratforschung ein noch völlig unbeschriebenes Blatt ist.
Bis jetzt ist nicht bekannt, ob es vor der neuseeländischen Küste überhaupt Methanhydrat gibt, doch die Forscher vermuten dort ein ähnlich großes Vorkommen wie am Hydratrücken vor Oregon, dem bisherigen Rekordhalter. „Alle Vorzeichen sprechen dafür“, sagt Projektleiter Peter Linke vom IfM-Geomar, „und das Gebiet bietet zudem ein großes Potenzial für neue internationale Forschungskooperationen“. Neuseeland wird also dabei sein, aber auch Australien, Großbritannien und Belgien haben bereits Interesse signalisiert, sich an der Suche nach Methanhydrat zu beteiligen.
Methanhydrat ist von einem Käfig aus Wassermolekülen umschlossenes, hoch konzentriertes Methan. Ein Liter dieses Stoffgemischs enthält ca. 165 l Methangas. Es entsteht am Meeresboden ab einer Tiefe von 500 m bei Temperaturen von 2 °C bis 4 °C. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann es sich auch in flacheren Regionen bilden.
Aufgrund seiner leichten Brennbarkeit wird Methanhydrat als mögliche Energiequelle der Zukunft hoch gehandelt, denn die Vorkommen an den Kontinentalrändern und im Permafrost enthalten mehr Gas als alle bekannten Erdgasreservoirs zusammen.
Doch der Abbau ist nicht ohne Risiken. Denn zum einen halten die Gashydrate die Sedimente am Meeresgrund zusammen wie Zement. Schon relativ geringe Änderungen von Druck und Temperatur lassen sie zerfallen und ausgasen, gewaltige Hangrutschungen und Tsunamis könnten dadurch ausgelöst werden.
Zum anderen ist Methan als Treibhausgas 30-mal wirksamer als Kohlendioxid, was die globale Erderwärmung zusätzlich beschleunigen könnte. Ob diese Risiken zu kontrollieren sind, ist in Politik und Wissenschaft derzeit ein heißes Thema. Im Moment scheint nur eins sicher: Die Prozesse zur Entstehung und Zersetzung von Methanhydrat müssen gründlicher erforscht werden, um sowohl Gefahrenpotenzial als auch mögliche Nutzbarkeit fundiert beurteilen zu können. Genau das will Comet leisten.id/wip

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