Energie 17.09.2010, 19:49 Uhr

Lukrative Geschäfte mit überschüssiger Windenergie aus Deutschland

Speichermöglichkeiten für Windstrom sind knapp. Das Konsortium NorGer will die norwegische Wasserkraft als Speicher nutzen und mit Deutschland per Kabel verbinden. Streitlustige Bauern aus der Wesermarsch könnten das lukrative Milliardengeschäft kippen.

Norwegische Wasserkraft soll als Speicher für deutschen Windstrom dienen. Dazu ist eine 700 km lange und 1,4 Mrd. € teure Seekabelverbindung ) mit einer Leistung von 1400 MW geplant.

Das Geschäftsmodell von NorGer, hinter dem Schweizer und Norweger stehen (siehe Kasten), ist simpel und lukrativ. „Norwegen bekommt überschüssigen Windstrom und Deutschland saubere und flexible Energie aus Wasserkraft zu vernünftigen Preisen. Wir wollen beide Märkte miteinander verbinden und die Leitungskapazitäten Händlern an der nordeuropäischen Strombörse Nord Pool und der Leipziger EEX zur Verfügung stellen“, steckt Matthias Hochstätter, Pressesprecher von NorGer, den Rahmen ab.

Funktionieren soll der Deal immer dann, wenn die Preise für 1 MWh Strom in Deutschland billiger sind als an der Börse Nord Pool. Wenn also viel Wind im Netz ist und keine Abnehmer zur Verfügung stehen. Vor allem nachts und an den Wochenenden sind die Preise für Energie tief im Börsenkeller. Tagsüber kehrt der Überschuss dann in Form von Spitzenlast oder Ökostrom zurück nach Deutschland. „Flexible Wasserkraft sorgt für mehr Netzstabilität und Wettbewerb und senkt die Strompreise an den Spotmärkten“, glaubt Hochstätter. Allerdings gesteht er ein, dass sich dieser Effekt „maximal im Promillebereich“ abspielt.

Profitieren würde vor allem NorGer selbst. Die Gesellschaft streicht die Preisdifferenzen zwischen den Märkten als Marge ein und verdient am Transport. In dem vergleichbaren Projekt NorNed, das Holland mit Norwegen seit 2008 verbindet, hatten die staatlichen Netzbetreiber Tennet und Statnet bereits nach vier Monaten 70 Mio. € verdient. Das waren etwa 12 % der Gesamtinvestitionskosten von 600 Mio. €.

Erst im Juni hatte sich Statnet, an dem zu 45,5 % der norwegische Staatskonzern Statkraft beteiligt ist, zu 50 % bei NorGer eingekauft. Was norwegische Wasserkraft kann, stellte Lars Audun Fodstat von Statkraft auf einer Off-
shore-Konferenz in Bremerhaven vor. Danach hat Norwegen eine installierte Leistung von 28 GW. Das ist mehr als die Hälfte der europäischen Wasserkraft, mit der sich knapp 84 TWh Strom erzeugen lassen. „Unsere kurzfristigen Ausbaureserven liegen bei 8 GW“, trug Fodstat vor.

Damit könnte Norwegen eigentlich zufrieden sein, obwohl das Land beim Pro-Kopf-Verbrauch für Strom regelmäßig auf einem europäischen Spitzenplatz rangiert. Die Wasserkraft reicht fast für eine 100 %ige und klimaneutrale Stromversorgung sowie zusätzliche Geschäfte mit Ökostrom.

Doch das Land will mehr. Obwohl es nicht in der Europäischen Union ist, sollen deren Klimaziele in den Bereichen Wärme und Treibstoff durch den Ausbau der Windenergie erfüllt werden: „Das führt zu Überproduktionen, geht aber am schnellsten, weil sich Windenergie als Äquivalent auf die Ökobilanz anrechnen lässt“, erläutert Hochstätter.

Alles, was noch fehlt, sind Kabel. Im Falle von NorGer bildet dafür überschüssiger Windstrom aus deutschen Landen, der sich über Nacht in teure Wasserkraft verwandelt, eine glänzende Geschäftsidee. Der Strom ist über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bereits bezahlt, da Endverbraucher mit einer EEG-Umlage von 2,1 Cent je verbrauchte kWh zur Kasse gebeten werden. Durch unregelbare Grundlastkraftwerke, fehlende Speicher, verlängerte Laufzeiten von Atommeilern und Netzengpässe steigen die Überschüsse mit jeder Windmühle, die an Land oder auf See entsteht.

Während NorGer profitiert, zahlen die Verbraucher drauf. Vattenfall hat bereits 4,4 Cent je kWh als EEG-Umlage für 2011 in den Ring geworfen. Tatsächlich sammeln die vier Netzüberträger (ÜBN) täglich in Deutschland den Strom aus allen EEG-Anlagen ein, um ihn am Spotmarkt der EEX zu verkaufen. Der Erlös inklusive Umlage soll die Vergütungskosten für Erneuerbare zumindest decken. Das Minus im ersten Halbjahr beläuft sich stattdessen auf 735 Mio. €, weil die Marktpreise nicht mehr hergeben.

Zum Stolperstein für NorGer könnten streitlustige Bauern in der niedersächsischen Wesermarsch werden. Diese interessieren sich weniger für Überschüsse aus Windstrom, sorgen sich dafür aber um ihre Landschaft. Weil die Trasse bereits im Raumordnungsverfahren ist, tingelten Mitarbeiter der beteiligten Schweizer EGL AG im August von Dorf zu Dorf, um die Pläne vorzustellen. Diese quittierten Kommunalpolitiker und Bürger unisono mit Widerstand.

Beantragt hatte NorGer Netzanschlusspunkte in Wilhelmshaven, Coneforde oder am Atomkraftwerk Unterweser. Zum einen, weil das AKW eigentlich 2012/13 vom Netz gehen sollte, und zum anderen, weil in Wilhelmshaven daser zweite Kohlekraftwerk samt Netzausbau entsteht.

„Wilhelmshaven war unser Favorit. Wir hätten gleich am Meer beginnen können. Stattdessen hat uns Transpower aus technischen Gründen einen Übergabepunkt in Moorriem zugesagt, weil dort eine neuer Netzknotenpunkt gebaut wird. Da ist nichts zu machen“, erklärte Henning Benz von der EGL AG.

An der Entscheidung von Transpower reibt sich Volkes Zorn und macht NorGer zum Prellbock. Moorriem liegt mit seinen 13 zum Teil denkmalgeschützten Dörfern in einer beschaulichen Moorlandschaft. Erhält NorGer die Genehmigung, entsteht hier auf 12 ha ein 25 m hohes Umspannwerk. Von dort geht es unterirdisch 50 km quer durch die Wesermarsch zur Küste.

„Wir bringen uns in Stellung“, versprachen mehrere Redner unter großem Applaus in vollen Sälen. Schwierige Zeiten für NorGer. Der Weg durchs Moor ist teurer und riskanter. Auf dem Land haben Bauern das Vorkaufsrecht. Wer mit NorGer über Grundstücke verhandeln will, muss das Geschäft erst seinen Nachbarn anbieten. TORSTEN THOMAS

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