Wasserkraft 30.11.2007, 19:31 Uhr

Kraftwerk unter Wasser lässt Fragen offen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 11. 07, mg – In einer aufwändigen Werbekampagne wird zurzeit ein Gezeitenkraftwerk vorgestellt, dass der Energieversorger E.on mit der britischen Firma Lunar Energy Ltd. plant. Das Projekt ist Bestandteil eines 4,4 Mrd. € umfassenden Investitionsprogramms, mit dem E.on in den kommenden Jahren neue Wege in der Energieversorgung beschreiten will.

Bereits in den Jahren 2010/2011 sollen acht so genannte Rotech Tidal Turbinen (RTT) mit je 1 MW Leistung in südwalisischen Küstengewässern an der Halbinsel St. Davids installiert sein und elektrische Energie für rund 5000 Haushalte liefern. Dies ist allerdings ein sehr ehrgeiziger Plan, denn bisher existiert von der RTT nur eine Machbarkeitsstudie und ein Modell im Aquarium.

Die RTT-Technik basiert auf einer bi-direktionalen Horizontalachsenturbine, die in einem Venturi-Rohr eingebaut wird. Die Venturi-Röhre bewirkt, dass der Wasserfluss durch die Turbine gerade gerichtet und beschleunigt wird, die Konstrukteure versprechen sich davon eine Steigerung der Effizienz. Die Rotor-Generator-Einheit ist in einer zentralen austauschbaren Kassette enthalten. Der Rotor treibt über eine hydraulische Pumpe einen hydraulischen Motor, der wiederum einen elektrischen Generator treibt. Eine Blattwinkelsteuerung der Rotorblätter oder ein Strömungsnachführungssystem, wie bei Windkraftwerken üblich, soll entfallen.

Weil man aufwändige Vorbereitungen des Meeresbodens vermeiden will, plant Lunar Energy als Fundament einen schwerkraftstabilisierten flachen Tripod (Dreibein) zu verwenden. Ein 1-MW-Prototyp der RTT soll bereits 2008 gebaut und im europäischen Meeresenergietestzentrum (Emec) auf den Orkney-Inseln getestet werden. Der Meeresströmungsenergiekonverter wird einen Rotordurchmesser von 11,5 m haben und in einem 19,2 m langen Venturi-Rohr mit einem Führungsdurchmesser von 15 m eingebaut werden. Mit den im Feldversuch gewonnenen Erkenntnissen will man noch 2009 die ersten kommerziellen 2-MW-Modelle des Kraftwerks bauen, um den mit E.on geplanten unterseeischen Kraftwerkspark bestücken zu können.

E.on setzt bei der RT-Turbine auf das Design der Mantel-Durchströmungsturbine, das in der Windenergie schon vor langer Zeit als unwirtschaftlich ausgemustert wurde. Da sich die physikalischen Grundlagen der Hydro- und Aerodynamik gleichen, müsste man eigentlich annehmen, dass bei der Entwicklung von Meeresströmungsturbinen nicht wieder die gleichen fehlerhaften Konzepte hervorgeholt werden.

Auch der Turbinenexperte Heiner Doerner vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart ist skeptisch: „Für mich sind die freifahrenden Unterwasser-Turbinen aussichtsreicher, wenn man das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag bedenkt.“ Kritisch bei den Mantel-Durchströmungsturbinen ist der Mehraufwand für die Konstruktion der Hüllstruktur, die in keinem Verhältnis zur Materialersparnis durch die Verwendbarkeit von einem kleineren Rotor steht. Auch das von Lunar Energy favorisierte hydraulische Kraftübertragungssystem hat sich in der Windenergie als ineffizient und unzuverlässig erwiesen.

Ein Sprecher von E.on UK erklärte die Motive, gerade in diese Technik zu investieren: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass es andere Meeresströmungsturbinendesigns in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien gibt. Mit dem Projekt wollen wir aber sowohl die Machbarkeit als auch die Funktion der Technik nachweisen – dieser Beweis ist bisher noch von niemandem erbracht worden. Wir glauben, dass die Zusammenarbeit mit Lunar Energy uns die beste Chance bietet, ein wirtschaftlich arbeitendes Gezeitenkraftwerksprojekt ins Wasser zu bekommen.“

Angesichts dieser Aussage muss man sich allerdings fragen, ob das von Amaan Lafayette geleitete E.on Marine Development Team keine Kenntnis von den diversen verfügbaren Prototypen in der noch jungen Meeresströmungsindustrie hat, die sich teilweise schon seit Jahren im Offshore-Einsatz bewährt haben: etwa die Anlagen von Verdant Power, OpenHydro, CleanCurrent und Hammerfest Stroem.

Dabei besichtigte Mr. Lafayette, in seiner Funktion als Mitglied des Renewable Advisory Boards der britischen Regierung, höchstpersönlich die auf Technik von Windkraftanlagen basierende und wohl fortgeschrittenste Anlage überhaupt, die Seagen von Marine Current Turbines (MCT). Beim Mutterkonzern E.on in Deutschland ist all dies kein Thema, das Hauptproblem des zuständigen Pressesprechers sind besorgte Fragen von vorwiegend jugendlichen Beobachtern der TV-Kampagne nach dem Wohlergehen von Fischen, die in den Trichter der Turbine gesaugt werden könnten. CLAUDIA SCHEIL

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