Studie zeigt Potenzial beim Klimaschutz 17.10.2013, 10:40 Uhr

Kompletter CO2-Aussstoß der EU ließe sich durch Gaskraftwerke einsparen

Alle Kohlekraftwerke in der Welt durch Gaskraftwerke ersetzen, und schon sinkt der Ausstoß an Treibhausgasen global um rund zehn Prozent: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Siemens Schweiz AG. 

Siemens selbst baut Gaskraftwerke – wie dieses, das im vergangenen Juni in Nigeria eröffnet wurde. 

Siemens selbst baut Gaskraftwerke – wie dieses, das im vergangenen Juni in Nigeria eröffnet wurde. 

Foto: Siemens

Die Schlagzeile klingt großartig: Würde man in aller Welt die Kohlekraftwerke abbauen und durch Gaskraftwerke ersetzen, könnten fast dreieinhalb Milliarden Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Das entspricht dem gesamten Ausstoß der 28 EU-Länder im vergangenen Jahr. Diese Zahlen veröffentlicht die Siemens Schweiz AG aus einer Studie, die sie beim Münchener Wirtschaftswissenschaftler Horst Wildemann in Auftrag gegeben hat.

Der Forscher selbst zerstört allerdings gleich die Träume von einem gigantischen Klimaschutzerfolg: „Das ist natürlich unrealistisch“, sagt Wildemann. Aber die Zahlen zeigten eben das gewaltige Potenzial, das in Gaskraftwerken stecke.

Weltweiter Rekordausstoß

Dass dieses Potenzial theoretisch ist, zeigen die Daten der jüngsten Vergangenheit. Allein China hat innerhalb weniger Jahre hunderte neuer Kohlekraftwerke gebaut. Auch in der EU sind neue in Bau oder Planung. Unter anderem deshalb hat der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß im Jahr 2012 auf rund 34 Milliarden Tonnen zugenommen – ein absoluter Rekordwert.

Die Studie sagt zudem auch nicht, von welcher Bauart bei den Gaskraftwerken sie ausgeht. Bei Gasturbinen-Anlagen, in denen das Ausgangsmaterial direkt verstromt wird, liegt der Treibhausgas-Ausstoß um rund 50 Prozent höher als bei Gas-und Dampf-Kraftwerken, in denen ein Verdampfungsprozess zwischengeschaltet ist. Beide haben allerdings klare Vorteile gegenüber der Braunkohle, deren CO2-Bilanz die schlechteste aller Energiequellen ist.

Strombedarf steigt weiter

Nimmt man die Gasturbinen-Kraftwerke, so kann man von einer Halbierung des Ausstoßes gegenüber der Kohle ausgehen. Das ist bekannt, insofern ist das große Potenzial, von dem Wildemann spricht, auch nichts Neues. Klar ist, dass der weltweite Strombedarf weiter steigt: Bis zum Jahr 2030 nach gängigen Prognosen um rund die Hälfte. Würde die Erzeugung nicht radikal umgestellt, könnte der Kohlendioxid-Ausstoß in dieser Zeit noch um ein Viertel zunehmen.

Michael Süss, Vorstandsmitglied von Siemens, führt die Studie als Argument dafür ins Feld, dass Deutschland zur Senkung der Emissionen nicht allein auf die Erneuerbaren Energien setzen dürfe. „Dies führt nicht automatisch zu einer besseren Klimabilanz, wie die gestiegenen CO2-Emissionen eindrucksvoll untermauern“, sagte Süss. Der Anstieg der Emissionen aus der deutschen Stromerzeugung im Jahr 2012 geht indes vor allem auf verstärkten Einsatz von Kohle zurück. Das wiederum hat vor allem damit zu tun, dass Kohlestrom billiger wurde, weil die Preise für Verschmutzungsrechte in der EU stark sanken und die Erzeuger viel Kohlestrom exportieren konnten. Umweltminister Altmaier forderte deshalb schon im Frühjahr, die Verschmutzungsrechte zu verknappen, um mehr Anreize für klimafreundliche Energie zu schaffen.

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