Energiequelle für Städte 13.10.2013, 08:12 Uhr

Kölner Schulen heizen mit dem warmen Abwasser aus den Kanälen

In den Kanalisationen der Städte erzeugen warme Abwässer ein gigantisches Energiepotential, das bislang ungenutzt bleibt. In Köln soll sich das nun ändern: An sechs Schulen werden Abwasserheizungen den Wärmekreislauf schließen.

Die Energiewende wirft die Frage auf, wie sich die Wärmeversorgung in Großstädten nachhaltiger gestalten lässt. Denn diese ist für mehr als zwei Drittel des stationären Energieverbrauchs verantwortlich. Gleichzeitig fließt Wasser, das wir zum Duschen und Putzen brauchen, lauwarm in die Kanalisation. Hier schlummert ein riesiges, ungenutztes Energiepotential.

Deswegen erlebt derzeit ein altbewährtes, aber in Vergessenheit geratenes Prinzip im Rahmen des EU-Projektes Celsius eine Renaissance: die Wärmeversorgung aus Abwasser. In sechs Kölner Schulen nimmt der Energiekonzern RheinEnergie derzeit gemeinsam mit der Fachhochschule Köln und den Stadtentwässerungsbetrieben Demonstrationsanlagen in Betrieb, um in den kommenden zwei Jahren unterschiedliche Wärmegewinnungstechniken zu testen.

Die erste Anlage an der Kölner Otto-Lilienthal-Schule ist seit vergangenen Donnerstag im Einsatz. Sie beheizt mit einer Jahreswärmeleistung von 1,2 Millionen Kilowattstunden eine Fläche von über 20 000 Quadratmetern. Herzstück der Abwasserheizung sind Wärmetauscher, die aus dem Abwasser Energie gewinnen. Dafür sind zweischichtige Metallwannen in den Kanal eingebaut, in denen kaltes Wasser durch Abwasser erwärmt wird.

Wärmepumpen ermöglichen Nutztemperatur von bis zu 70 Grad Celsius

Die Wärmepumpen vollführen anschließend das eigentliche technische Meisterwerk: Sie heben die Energie für Raumheizung und Warmwasserbereitung auf eine Nutztemperatur von bis zu 70 Grad und beziehen dabei selbst drei Viertel der benötigten Energie aus dem Kanalwasser. „Der Wärmekreislauf lässt sich auf diese Weise schließen“, sagt Fritz Brickwesse, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. „Eine Vielzahl von Beispielen in Deutschland und in der Schweiz belegt die Zuverlässigkeit dieser Technologie seit über 20 Jahren. Im Vergleich zu fossilen Energieträgern ermöglicht die Energienutzung aus Abwasser einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur Einsparung der Primärenergie.“ Denn allein an der Otto-Lilienthal-Schule lassen sich zukünftig jedes Jahr 170 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Die Kosten von 3,14 Millionen Euro bei der RheinEnergie werden mit 1,84 Millionen Euro von der EU bezuschusst, die FH Köln bekommt bei Kosten von 440 000 Euro eine finanzielle Spritze von 300 000 Euro für Forschungs- und Auswertungsaufgaben. Die Auswertung des Projektes ist für 2016 vorgesehen. Dann sollen die Ergebnisse des Projektes in einen großen Wissens-Pool des Projektes Celsius fließen, an dem insgesamt 40 internationale Partner beteiligt sind, erklärt Ingo Stadler, Professor für erneuerbare Energie an der FH Köln: „Wenn man die Forschungsergebnisse am Ende zusammenfügt, soll eine Art virtuelle Stadt entstehen, in der Möglichkeiten der regenerativen Energieversorgung abgebildet sind.“

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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