Energie 01.10.1999, 17:23 Uhr

Jumboehe von Veba und Viag

Die bis Sommer 2000 geplante Fusion der Mischkonzerne Viag und Veba wurde am Montag in München besiegelt. Doch die Kartellbehörden und Probleme im Detail können noch für Schwierigkeiten sorgen.

Veba- und Viag-Manager strahlten bei der Verkündung der Fusion ihrer beiden Unternehmen zu einem – noch namenlosen – Groß-Konzern. Doch ein Rest Skepsis bleibt fürs erste, denn eine anvisierte Fusion mit der Schweizer Algroup ist der Viag erst vor wenigen Monaten schon mißlungen. Bei dem jetzt zwischen der Münchener Viag und der Düsseldorfer Veba ausgehandelten Merger zum zweitgrößten deutschen Industrieunternehmen soll nichts mehr schiefgehen.
Obwohl die Veba an Umsatz und Gewinn doppelt so groß ist wie die Viag und daher ein Werteverhältnis von zwei zu einem Drittel vereinbart wurde, sprachen die Vorstandschefs Ulrich Hartmann (Veba) und Wilhelm Simson (Viag) von einem „Merger of Equals“. Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) nutzte die Sperrminorität des Freistaates von 25,1 % der Viag-Anteile, um der Veba außer dem hohen Aktien-Kaufpreis noch ein paar andere Zugeständnisse abzuringen.
Der Konzern-Hauptsitz wird in Düsseldorf bleiben, doch die Energie-Aktivitäten von Bayernwerk (Viag) und PreußenElektra (Veba) sollen in einer in München angesiedelten Holding zusammengefaßt werden. Außerdem setzte Stoiber durch, daß sich die Veba vom Telekommunikationsunternehmen E-Plus trennt, während die Viag Interkom, ein Joint-venture mit British Telecom und Telenor, beim Konzern bleibt.
Hoch hatten die Bayern deshalb pokern können, weil vor der Münchener Staatskanzlei nach Angaben von Stoiber noch einige andere in- und ausländische Interessenten anstanden, die teilweise „massiv interessiert“ gewesen seien. Einige Namen sind bekannt: Der französische Staats-Riese EdF und die RWE. Bei einer Fusion von RWE und Bayernwerk „hätten wir auf jeden Fall kartellrechtliche Probleme“ gehabt, sagte ein Insider. Ausländische Interessenten hätten dagegen nur den Einstieg in den deutschen Strom-Markt gesucht, sagte Stoiber. Mit ihnen wären regionale Interessen nicht zu verwirklichen gewesen.
Die Fusion von Veba und Viag mit zusammen 200 000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von 150 Mrd. DM macht vor allem im Energiebereich Sinn. Die Chefs der beiden Energie-Konzerne PreußenElektra und Bayernwerk, Hans-Dieter Harig und Otto Majewski, gingen in der Vergangenheit nicht immer freundlich miteinander um. Jetzt soll Majewski Stellvertreter von Harig als Chef der gemeinsamen Energieholding werden, die mit einer Stromerzeugung von 140 TWh und einem Absatz von 190 TWh (Werte von 1998) die unangefochtene Nummer 1 in Deutschland sein wird.
In Europa wird sie nach der französischen EdF und der italienischen Enel, beides Staatskonzerne, den Platz 3 halten und weltweit das größte börsennotierte Energieunternehmen sein. Man sei weiterhin an Erwerbungen auf dem deutschen Strom-Markt interessiert, sagte Viag-Chef Simson, aber die Kartellämter würden wohl dafür sorgen, daß der neue Konzern „nichts mehr groß erwerben darf“.
Überhaupt sind die Wettbewerbshüter noch eine der größten Hürden, die auf dem Weg zur Fusion zu nehmen sind. Der Chef des deutschen Kartellamts Dieter Wolf hatte bereits klargestellt, daß die Fusion von PreußenElektra und Bayernwerk am Einspruch der Behörde scheitern werde, wenn es nicht „belastbare Zusagen“ geben werde, welche die Durchleitung von Wettbewerber-Strom sicherstellten. Genau diese „belastbaren Zusagen“ wollen Veba und Viag wohl abgeben. „Hier werden wir sicher Zeichen setzen“, sagte der designierte Finanzvorstand des neuen Konzerns, Eberhard Schipporeit.
Schon vor Bekanntgabe des Mergers hatten beide Unternehmen einen Arbeitsplatzabbau in ihren Stromunternehmen von zusammen etwa 5000 angekündigt. Jetzt sollen noch 2500 dazukommen. Auch ohne Fusion hätte man den Arbeitsplatzabbau fortsetzen müssen, um für den Preiskampf auf dem liberalisierten Strommarkt gerüstet zu sein, sagte Simson. Von den 1,57 Mrd. DM an Synergieeffekten, die ab 2002 jährlich realisiert werden sollen, sollen immerhin 1,37 Mrd. DM aus dem Energiebereich kommen.
Neben dem Energiebereich soll die Spezial- und Feinchemie die zweite Säule des neuen Großkonzerns bilden. Hier wäre das neue Unternehmen sogar weltweit die Nummer 1. Ein Grund für den Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hubertus Schmoldt, die angestrebte Fusion als „notwendig“ und „zukunftsweisend“ zu begrüßen. Mit den zweistelligen Milliardenbeträgen, die aus dem vorgesehenen Verkauf von Randaktivitäten erzielt werden sollen, will der neue Vorstand auf weltweite Einkaufstour gehen. Auf der Einkaufsliste: Energie- und Spezialchemie-Unternehmen, die ins Konzept passen.
RALF MÜLLER/mg
Europas Strommarkt wird aufgemischt. Mit der Veba/Viag-Fusion entsteht Deutschlands größter und Europas drittgrößter Stromversorger.

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