Schwimmende Solarkraftwerke 02.09.2014, 13:23 Uhr

Japans Stromindustrie weicht aufs Wasser aus

Weil Land in Japan knapp ist, muss die Energie-Erzeugung ausweichen. Der Photovoltaik-Pionier Kyocera baut jetzt gleich zwei schwimmende Solaranlagen, die selbst Wirbelstürmen standhalten sollen. Ans Netz gehen die stromerzeugenden Riesenflöße laut Plan bereits im kommenden April. 

Schwimmende Solarpanels: Bis April 2015 will der japanische Mischkonzern Kyocera zwei Solarkraftwerke mit 1,2 und 1,7 Megawatt auf zwei Binnenseen im Südwesten Japans bauen. 

Schwimmende Solarpanels: Bis April 2015 will der japanische Mischkonzern Kyocera zwei Solarkraftwerke mit 1,2 und 1,7 Megawatt auf zwei Binnenseen im Südwesten Japans bauen. 

Foto: Ciel et Terre

Japan gehört mit seinen rund 126 Millionen Einwohnern zu den zehn bevölkerungsreichsten Ländern der Erde. Dabei ist es ein hochentwickeltes Industrieland, gehört zu den weltweit größten Industrienationen. Für diese Kombination ist heute vor allem eins in rauen Mengen notwendig: Energie. Und damit hat Japan ein Problem – nicht erst, seitdem die Atomindustrie mit dem GAU in Fukushima deutlich an Popularität verloren hat.

Da es auf Dauer zu teuer ist, den benötigten Strom zu importieren, sucht das Land nach Möglichkeiten zur Eigenproduktion – idealerweise aus nachhaltigen Quellen. Allerdings gibt es auf dem Inselstaat ziemlich wenig Platz und ziemlich viele Berge – Windkraftanlagen oder handelsübliche Solarkraftwerke sind da schwierig zu installieren. Und für preisgünstige Solaranlagen auf zunehmend knapperem regulärem Bauland sind die Grundstückspreise inzwischen viel zu hoch. Von einem hat das Land jedoch reichlich: Wasserfläche. Grund genug für den Mischkonzern Kyocera, genau dahin auszuweichen.

Strom von der künstlichen Insel versorgt Zehntausende

Einen ersten Vorstoß hat der Konzern, der mit mehr als 35 Jahren Erfahrung als einer der Pioniere im Bereich der Photovoltaik gilt, bereits gemacht: Ende 2013 eröffnete er einen Energiepark, der auf einer aufgeschütteten künstlichen Insel im Süden Japans installiert ist. 290.000 Solarpanels sollen vor der Küste von Kagoshima City etwa 70 Megawatt Strom erzeugen und damit 22.000 Haushalte versorgen. Das Projekt backt keine kleinen Brötchen: Die Fläche ist mit etwa 1,3 Quadratkilometern etwa drei Mal so groß wie der Vatikan und hat umgerechnet knapp 210 Millionen Euro gekostet.

Obwohl die Kosten sowie der Aufwand für Verkabelung, Wartung und Betrieb sehr hoch sind, ist das Projekt für Japan mit seinen knappen Landressourcen eine gute Ausweichmöglichkeit – deshalb will Kyocera jetzt noch einen draufsetzen: Bis April 2015 will das Unternehmen zwei weitere Solarkraftwerke mit 1,2 und 1,7 Megawatt auf zwei Binnenseen im Südwesten Japans bauen. Mit im Boot ist das Invest-Unternehmen Century Tokyo Leasing Corporation, von der das Geld stammt.

Solarpanels lernen das Schwimmen

Diesmal sollen die Panels jedoch nicht auf einer künstlichen Insel stehen, sondern auf der Wasseroberfläche schwimmen. Die Solarpanels, die dabei zum Einsatz kommen, stellt Kyocera selbst her.

Die Konstruktion dank derer die Solarpanels schwimmen, ist aus recycelbarem Material.

Die Konstruktion dank derer die Solarpanels schwimmen, ist aus recycelbarem Material.

Quelle: Kyocera

Zum Schwimmen gebracht werden sie mit einer Konstruktion, die aus Hydrelio besteht, einem Polyethylen mit hoher Dichte. Damit sollen die Schwimm-Module UV-Strahlung und Korrosion ebenso standhalten wie Wirbelstürmen. Recyclebar ist das Material auch noch. Geliefert werden die Schwimmkörper von dem französischen Unternehmen Ciel et Terre, das ein ähnliches Projekt bereits vor drei Jahren in Südfrankreich ans Netz gebracht hat. Damit wäre das japanische Unterfangen zwar nicht das erste, wohl aber das bisher größte seiner Art.

Zwar sind bei einer schwimmenden Solarinsel die technischen Herausforderungen hoch: Zu der bereits erwähnten aufwändigen Verkabelung kommt zum Beispiel die eingeschränkte Erreichbarkeit der einzelnen, ohne Zwischenräume für Wartungsteams eng zusammengesteckten Panels. Auf der anderen Seite stehen aber auch Vorteile: So ist durch die natürliche Wasserkühlung die Leistungsfähigkeit des Solarkraftwerks höher als an Land – und die Baufläche kostet deutlich weniger.

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