Heiztechnik 29.03.2002, 18:33 Uhr

Innovationen und EnEV machen noch keinen Frühling

Der Heizkesselmarkt in Deutschland schrumpft. Viele Anbieter hoffen deshalb auf Impulse durch Innovationen wie Brennwerttechnik, Wärmepumpe und Brennstoffzelle. Uwe Lüders, Vorstandsvorsitzender von Buderus, setzt in diesem Zusammenhang auf erprobte Technik und nicht auf „Zwang durch Verordnungen“.

Lüders: Nein. Der Trend „vom Boden zur Wand“ existiert zwar immer noch, aber nicht so krass, wie häufig behauptet. Wir gehen davon aus, dass der Rückwärtstrend bei bodenstehenden Ölkesseln in diesem Jahr aufgefangen wird. Hier könnten die Bundesimmissionsschutzverordnung und die EnEV für eine Stabilisierung sorgen. Wir konnten im Vorjahr den Absatz an Öl-Heizkesseln sogar leicht steigern. Dies deutet darauf hin, dass wir Marktanteile gewonnen haben, wahrscheinlich zu Lasten der kleineren Hersteller. Im Export bestehen aber noch große Chancen für Öl-Heizkessel. So haben wir den Verkauf in den USA steigern können. Auch für dieses Jahr erwarten wir dort deutlich zweistelliges Wachstum. Auch in Europa hatten wir in diesem Segment teilweise gute Zuwächse, besonders in Frankreich.

VDI nachrichten: Apropos Öl: Kann die Brennwerttechnik für neuen Schwung beim Öl sorgen?

Lüders: Öl als Brennstoff für Brennwertkessel ist derzeit noch eine Randerscheinung. Die Technik hat sich bei Ölkesseln noch nicht durchgesetzt.

VDI nachrichten: Gab es denn nicht anfangs auch bei gasbetriebenen Brennwertkesseln Probleme?

Lüders: Auch bei der Einführung der Brennwerttechnik im Gasbereich gab es Ende der 80er Jahre viele Widerstände, der Durchbruch kam erst Mitte der 90er Jahre, als sich die großen Hersteller damit identifizierten. Dies betrifft alle neue Technologien. Die Branche ist halt eher konservativ. Solidität ist aber auch ein wichtiger Faktor. Ich denke, die Branche ist gut beraten, sich mit Experimenten, die womöglich zu Lasten des Kunden gehen, etwas zurückzuhalten und nur mit erprobten Techniken in den Markt zu gehen.

VDI nachrichten: Wie ist es der im vergangenen Jahr vorgestellten gasbetriebenen Wärmepumpe ergangen?

Lüders: Unsere gasbetriebene Wärmepumpe ist im Markt gut angekommen. Wir konnten die hohe Nachfrage aufgrund von unerwarteten Zulieferproblemen jedoch nicht befriedigen. Die Produktion läuft derzeit wieder an. Wir erachten die Wärmepumpe generell als interessantes Marktsegment. Es entwickelt sich allerdings nicht sprunghaft, dafür braucht man einen langen Atem. Wir haben ja auch strombetriebene Wärmepumpen im Programm, die sich steigender Nachfrage erfreuen.

VDI nachrichten: Wie weit sind Sie denn mit Ihrem Brennstoffzellenprojekt, das Sie im vergangenen Frühjahr mit UTC Fuel Cells gestartet haben?

Lüders: Wir wollen die ersten Probegeräte 2004 in den Markt bringen. Wir starten mit elektrischen Leistungen um 5 kW für den Bereich Mehrfamilienhäuser und kleine Gewerbebetriebe. Es sind noch eine Reihe technischer Probleme zu lösen. Ich halte es auch bei der Brennstoffzellentechnologie für ratsam, nicht mit Experimenten in den Markt zu gehen. Denn wenn erst der Endkunde mal im Kalten sitzt und das Image leidet, wird es um so schwieriger, dann im zweiten Anlauf das Produkt auf erprobter Basis in den Markt zu bringen. Die Branche hat auch keinen Anlass, jetzt überstürzt Brennstoffzellen, die mit Problemen behaftet sind, in den Markt zu drücken.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie sich im Vergleich zu Wettbewerbern? Die ersten Feldtestgeräte wurden ja in den vergangenen Wochen bereits installiert.

Lüders: Wir haben bereits Laborgeräte im Test, sowohl hier in Deutschland als auch in den USA. Wir planen, im kommenden Jahr einige Feldtestgeräte zu platzieren, bis wir dann 2004 eine zweistellige Zahl an Probegeräten in den Markt bringen. Wir befinden uns auf dem neuesten Stand der Technik. Ob man den Feldtest ein halbes Jahr früher oder später beginnt, ist dabei nicht entscheidend.

VDI nachrichten: Wie hoch liegen Ihre Investitionen?

Lüders: Buderus hat inklusive Prüfstand bislang etwa 5 Mio. ) in das Projekt gesteckt. Die gleiche Größenordnung wird in den kommenden beiden Jahren nochmals investiert. Zum einen übernehmen wir uns damit finanziell nicht, setzen zum anderen aber genügend Manpower und Mittel ein, damit das Projekt zügig voranschreitet.

VDI nachrichten: Es gibt da ja noch die Kraft-Wärme-Kopplung. Sie bieten bereits entsprechende Blockheizkraftwerke an. Wie läuft das Geschäft?

Lüders: Hier gab’s einen deutlichen Dämpfer. Dieses Geschäft war im vergangenen Jahr sehr mühsam, denn der Markt war leider rückläufig. Die Erlöse der Stromeinspeisung sind oft so niedrig, dass sich die Anlagen nicht wirtschaftlich rechnen. Das Geschäft ist kein Selbstläufer. Man muss schon gut argumentieren. Wir haben festgestellt, dass die Kraft-Wärme-Kopplung nur dann eingesetzt wird, wenn sich durch den gleichzeitigen Strom- und Wärmebedarf günstige Rahmenbedingungen ergeben. Sie rechnet sich nicht per se.

VDI nachrichten: Am 1. Februar trat die Energieeinsparverordnung in Kraft. Kommt jetzt für die Heizungsbranche der lang erwartete Boom?

Lüders: Wir erhoffen uns von der EnEV eine leichte Belebung, zumindest aber eine Umkehr des rückläufigen Markttrends. Wir erwarten aber keinen Boom. Zwar werden die über 2 Mio. vor dem 1. Oktober 1978 eingebauten, ineffizienten Heizkessel in Altbauten zur Modernisierung verpflichtet. Doch davon ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser, die vom Eigentümer selbst bewohnt werden. Hier wird der Austausch erst mit einem Eigentümerwechsel fällig. Zudem gibt es eine Frist bis Ende 2006 bzw. bis Ende 2008, wenn der Kessel nach Oktober 1996 einen neuen Brenner bekommen hat. Ein automatisch einsetzender Austauschboom ist somit eher unwahrscheinlich.

Ich halte es übrigens nicht für gut, wenn die Branche den Verbraucher per Verordnung zur Modernisierung zwingen will. Denn zwingen lässt sich ungern jemand. Wir versuchen lieber, den Verbraucher mit Argumenten davon zu überzeugen, dass sich der Austausch technisch veralteter Heizkessel lohnt. Die Verordnung kann dann ein zusätzlicher Motivationsfaktor sein. Aber ich halte es für einen Fehler, dies nur an der Verordnung aufzuhängen. Es könnte der Eindruck entstehen, man würde den Kunden zu etwas zwingen, was aus eigener Einsicht heraus nicht sinnvoll sei. ROBERT DONNERBAUER

www.buderus.de

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Borsig Service GmbH-Firmenlogo
Borsig Service GmbH Projektleiter E- und Leittechnik (m/w/d) Berlin
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Vertriebsingenieur (m/w/d) im Bereich Energie- oder Versorgungstechnik / TGA / Energiewirtschaft Mörfelden-Walldorf
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau-Firmenlogo
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau Ingenieurtechnischen Projektmanager (m/w/d) in der Abteilung Umwelt- und Sicherheitscontrolling Schkopau
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau-Firmenlogo
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau Projektmanager Vertragsmanagement und Maßnahmenüberwachung (m/w/d) in der Abteilung Umwelt- und Sicherheitscontrolling Schkopau
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Ingenieur Elektrotechnik (m/w/d) für Betriebsanlagen der Stromversorgung Stuttgart
A. Eberle GmbH & Co. KG-Firmenlogo
A. Eberle GmbH & Co. KG Technischer Support Spezialist (w/m/d) – Spannungsregelungs- / Kommunikations- / Fernwirktechnik für Energieversorger Nürnberg
ATP Planungs- und Beteiligungs AG-Firmenlogo
ATP Planungs- und Beteiligungs AG Projektleitung (m/w/d) HKLS Hamburg
Bayernwerk AG-Firmenlogo
Bayernwerk AG Leiter Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) (w/m/d) Regensburg, München
FICHTNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FICHTNER GmbH & Co. KG HSE Ingenieur (m/w/d) Stuttgart

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.