Stresstests für KKW 27.05.2011, 19:53 Uhr

Ingenieurstudien sollen Stresstests absichern

Nach 14-tägigem Tauziehen hat auch Frankreich europaweit einheitlichen Stresstests für die Kernkraftwerke in der EU zugestimmt. Damit ist seit Dienstagabend der Weg frei für Sicherheitsüberprüfungen ab 1. Juni für alle 143 Reaktoren in der EU. Deutschland ging bei den bereits erfolgten Sicherheitsüberprüfungen durch die Reaktorsicherheitskommission über die EU-Anforderungen hinaus.

Einigung erzielt: Europaweit einheitliche Stresstests für Kernkraftwerke.

Einigung erzielt: Europaweit einheitliche Stresstests für Kernkraftwerke.

Foto: EON

Die Nuklearsicherheitsbehörden Europas, die Ensreg (European Nuclear Safety Regulator Group), und die Europäische Kommission haben sich auf einheitliche Methoden zur Sicherheitsüberprüfung aller 143 Strom produzierenden Kernkraftwerke verständigt. Ab dem 1. Juni werden die nationalen Atomaufsichtsbehörden offiziell mit den Stresstests der Atomanlagen beginnen. Das gab EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwochmittag in Brüssel auf einer Pressekonferenz bekannt.

Auswirkungen von Naturkatastrophen, von Menschen verursachte Unfälle sowie Flugzeugabstürze oder Explosionen sollen in die Sicherheitsüberprüfung ebenso einbezogen werden wie terroristische Angriffe. Nur die Gefahr durch gezielte Terroranschläge bleibe bei den Überprüfungen außen vor, sagte Oettinger. In einem dreistufigen Überprüfungsprozess soll bis Mitte 2012 den EU-Staats- und Regierungschefs ein Abschlussbericht vorgelegt werden.

Entscheidungen über Abschaltungen oder Nachrüstungen bleiben letztlich in der Kompetenz der Mitgliedstaaten. Für 2013 kündigte EU-Energiekommissar Oettinger eine Revision der Kernenergiesicherheit-Richtlinie an.

Oettinger: „Ich stand von Anfang an nicht für einen Stresstest light zur Verfügung“

„Nun ist die Stunde der Ingenieure, Physiker, Techniker und Kontrolleure gekommen, ihre Arbeit zu tun“, erklärte Oettinger vor der Presse. Nach 14-tägigem Tauziehen um die technischen Spezifikationen der Sicherheitsüberprüfungen und die Befugnisse der internationalen Überprüfungsteams verkündete er mit sichtlicher Genugtuung die Einigung auf einheitliche EU-Standards.

„Ich stand von Anfang an nach den Ereignissen von Fukushima nicht für einen Stresstest light zur Verfügung“, sagte Oettinger. Er sei aber nicht bereit für einen Abschaltautomatismus bei nicht bestandenen Stresstests herzuhalten, markierte er die Grenze des Verfahrens.

Die Aufgabe der EU-Kommission sei es, Objektivität, Gründlichkeit und Transparenz der Ergebnisse zu gewährleisten. All dies soll in einem dreistufigen Verfahren erreicht werden. Zunächst sind die Kernanlagenbetreiber gehalten, schriftlich alle Fragen des von der Ensreg und der EU-Kommission erarbeiteten Fragebogens zu beantworten. Um die Angaben zu stützen, sollten die Anlagenbetreiber valide Ingenieurstudien vorlegen und in Szenarien beschreiben, wie in konkreten Unglücksereignissen die Reaktoren geschützt werden können.

Stresstests: Dreistufiges Verfahren soll Objektivität, Gründlichkeit und Transparenz sicherstellen

In der zweiten Stufe sollen die nationalen Atomsicherheits- und -Aufsichtsbehörden die Berichte und Studien mit den vorhandenen Genehmigungsunterlagen der einzelnen Reaktoren auf Stimmigkeit überprüfen. Die vorgelegten Studien und Sicherheitskonzepte sollen von den nationalen Behörden durch Überprüfungen in den Anlagen selbst verifiziert werden. Die nationalen Behörden sollen ihre Berichte an die Ensreg übermitteln.

Als letzten Schritt soll die Ensreg ein wissenschaftliches „Peer Review“ der eingegangenen Berichte vornehmen. Zu diesem Zweck sollen siebenköpfige Expertenteams gebildet werden aus der Ensreg, Kommissionsbediensteten und unabhängige Experten.

Ferner soll sichergestellt werden, dass bei der Begutachtung zum Beispiel französischer Kernkraftwerke kein französischer Vertreter mit einbezogen wird. Inspektionen vor Ort sollen zugelassen werden. Geklärt wurde ebenso, dass im Bau befindliche Neuanlagen wie der EPR im französischen Flamanville oder in Finnland ebenso wie geplante Kernkraftwerke einer Sicherheitskonzeptüberprüfung unterzogen werden sollen.

Stresstests in Deutschland gehen über EU-Anforderungen hinaus

Die in Deutschland bereits durchgeführten Stresstests der am Netz befindlichen Anlagen gingen in der Intensität bereits über die Anforderungen der jetzt beschlossenen europäischen Methodologie hinaus. Sie müssten nach der Brüsseler Einigung nicht revidiert werden, hieß es aus Kommissionskreisen.

Unklarheiten gibt es noch bei dem Grad der Transparenz der zu veröffentlichenden Stresstestergebnisse. Die EU-Kommission will den Abschlussbericht, auch im Internet veröffentlichen, einzelne Mitgliedstaaten haben Sicherheitsbedenken.

  • Thomas A. Friedrich

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