Windkraft 15.09.2006, 19:23 Uhr

Indien setzt auf die Kraft aus dem Wind  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 9. 06, mg – Die Perspektiven für die Windenergie in Indien sind vielversprechend. Hohe Einspeisungsvergütungen, die den Investoren etwa im westindischen Bundesstaat Maharashtra eine Rendite von 16 % garantieren, machen diese Energiequelle attraktiv. Stärkere Windräder und ein höherer Wirkungsgrad sollen in Zukunft die Ausnutzung der Anlagen und die Rendite verbessern.

Generalmajor a. D. Singh kommt gleich zur Sache. „Wir stecken bis über beide Ohren in Arbeit“, erklärt der geschäftsführende Direktor von Vestas RRB India. Es müssten noch zahlreiche Windräder errichtet und ans Netz gebracht werden, damit die Investoren die großzügigen Steuerabschreibungen nutzen können. So herrscht am Firmensitz in Chennai, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu, Hochdruck.

Vestas RRB ist ein Pionier in Indien. Bereits 1987 begann das dänische Mutterhaus Vestas, Weltmarktführer in Sachen Windgeneratoren, Anlagen zu liefern, die der indische Partner RRB montierte. Seither wurde die Produktion im Land schrittweise aufgebaut. Wie die meisten Hersteller bietet Vestas RRB schlüsselfertige Projekte an – Standortsuche, Betriebserlaubnis und Abnahmevertrag mit dem staatlichen Stromversorger, Bau, Betrieb und Wartung. Kunden sind Großverbraucher wie Textilunternehmen, Brauereien, Chemie- und Zementfirmen, Krankenhäuser und Hotels. Sie wollen mit eigenen Windrädern gegen Preissteigerungen gefeit sein. Aber auch Filmstars und andere Besserverdienende haben die Windenergie entdeckt, um ihre Steuerlast zu verringern.

Mit 70 % der Energieversorgung aus fossilen Quellen – einheimischer Kohle und importiertem Erdöl – steigt Indiens Beitrag zum Treibhauseffekt bedrohlich an. Wichtiger für die Suche nach neuen Energiequellen war allerdings die katastrophale Versorgungssituation. Stromausfälle sind Alltag, selbst in der Hauptstadt New Delhi und der Finanzmetropole Mumbai. Bei einem Wirtschaftswachstum von 8 % im Jahr wächst auch der Bedarf. Bis zum Jahr 2012 will die Regierung die Kapazität gegenüber 2002 um 100 000 MW nahezu verdoppeln. Davon könnten 10 % von erneuerbaren Energien, vor allem durch Windkraft, kommen. Und damit nicht nur die Importabhängigkeit mildern, sondern auch die Umweltschäden.

Im Windpark Muppandal, unweit von Indiens Südspitze, drehen sich auf einer Fläche von 25 000 ha bereits mehrere tausend Windräder, weitere sind im Bau. Das lang gestreckte Tal ist ein bewährter Standort. Wie in einem Windkanal weht der Wind durch die Senke, in den Sommermonaten von Südwest nach Nordost, während des Wintermonsuns in umgekehrter Richtung.

Dass heute im südindischen Tamil Nadu mit 2432 MW mehr als die Hälfte der insgesamt in Indien installierten Windenergie-Kapazität steht, ist nicht nur die Folge günstiger Windbedingungen, sondern das Ergebnis einer zielstrebigen Politik der Landesregierung. Bereits 1988 wurde begonnen, private Investoren mit Subventionen, Steuervergünstigungen, günstigen Garantiepreisen und Unterstützung beim Landkauf zu locken. Diese Politik schob die Entwicklung der ganzen Branche an. Die Auftragsbücher der wachsenden Zahl von Herstellern von Türmen, Rotorblättern, Generatoren und Getrieben sind voll, nicht nur bei Vestas RRB.

Die Förderpolitik der Windenergie hat außerdem unabhängigen Stromerzeugern den Einstieg ermöglicht und dazu beigetragen, am staatlichen Energiemonopol zu kratzen. Hohe Einspeisungsvergütungen, die den Investoren etwa im westindischen Bundesstaat Maharashtra eine Rendite von 16 % garantieren, machen die Windkraft attraktiv. Die Perspektiven seien vielversprechend, meint Chetan Mehra, Direktor des privaten Stromerzeugers Weizmann in der Landeshauptstadt Mumbai. Stärkere Windräder und ein höherer Wirkungsgrad, der erlaubt, auch noch den letzten Windhauch zu nutzen, können in Zukunft die Kapazitätsausnutzung verbessern, sinkende Kapitalkosten die Rendite. G. M. Pillai, Direktor der Energiebehörde von Maharashtra, ist optimistisch. „In drei, vier Jahren sollte die Windenergie ohne Subventionen auskommen“, sagte er dem Wirtschaftsmagazin Business India, „sie könnte sogar billiger sein als andere Quellen.“

Allerdings ist der Erfolg weniger eindrucksvoll, wenn man nicht nur auf die installierte Kapazität, sondern auch auf die tatsächliche Stromerzeugung schaut. So tragen die gewaltigen Windparks selbst in Tamil Nadu nur 5 % zur Energieversorgung bei. Neben erneuerbaren Energien setzt das Land denn auch weiterhin auf fossile Energieträger, Großstaudämme und auf Atomenergie. Gegenwärtig sucht die Regierung private Investoren für fünf Kohlekraftwerke. Dies sind- „Ultra-Megaprojekte“ mit jeweils 4000 MW Kapazität und 3 Mrd. $ Investitionskosten.

UWE HOERING

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