Energie 17.11.2006, 19:25 Uhr

Indien will moderne Kraftwerke mit Milliardenbeträgen bauen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 11. 06, mg – In den kommenden drei Jahren will Indien seine installierte Leistung bei den Kraftwerken um 40 000 MW aufstocken. Das Investitionsvolumen liegt bei umgerechnet 40 Mrd. €. Auf saubere Kohlekraftwerke soll dabei der Löwenanteil entfallen, berichteten Experten vorige Woche in Gelsenkirchen. Sie schätzen die Investitionen in die Energieinfrastruktur auf 1000 Mrd. $ bis 2030.

Elektrische Energie ist ein knappes Gut. Dies bekamen jüngst 10 Mio. Verbraucher zu spüren, als es wegen einer planmäßigen Abschaltung einer Leitung in Norddeutschland zu einem einstündigen Blackout in großen Teilen des europäischen Verbundnetzes kam. Eine Erfahrung, die Unternehmen in den boomenden Wirtschaftsregionen Indiens täglich machen. Strom ist dort so knapp, dass er rationiert wird. Über die Hälfte der Bevölkerung des 800 Mio. Millionen Einwohner zählenden Landes hat keinen Zugang zu elektrischer Energie, zumindest nicht offiziell. Wie dramatisch der Energiemangel ist, weisen auch die unerklärlich hohen „Übertragungsverluste“ im spärlich ausgebauten Stromnetz von bis zu 60 % aus. Das soll sich ändern.

„Bis 2009 werden alle Großverbraucher über einen Anschluss verfügen. Die Unternehmen werden sich ihren Stromanbieter in einem wettbewerblich ausgerichteten Markt frei wählen können. Binnen fünf Jahren wollen wir alle Haushalte mit Elektrizität versorgen“, erläuterte der indische Energieminister Shri Sushilkumar Shinde die ambitionierten Pläne seines Landes vor Vertretern der deutschen Energiewirtschaft in Gelsenkirchen. Die hatte sich in der vorigen Woche im Wissenschaftspark zusammengefunden, um Trends bei der Entwicklung und Markteinführung von sauberen Energietechniken zu diskutieren.

Im Visier der Branche: das energiehungrige Indien. Seit Jahren wächst dort die Wirtschaft mit 8 % doppelt so stark wie die Energieerzeugung. Indiens Kraftwerkspark ist veraltet. „Die Kraftwerke verheizen minderwertige Kohle und haben einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Das Land ist bereits heute der fünftgrößte Kohlendioxid-Emittent der Welt. Jedes fünfte Kohlekraftwerk muss bis 2012 modernisiert werden“, sagt Andreas Berkhoff, Energieexperte für Asien bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Schon jetzt sind Unternehmen wie Steag und Siemens mit ihren Ablegern vor Ort, die sich auf die Optimierung der altersschwachen Kraftwerke und Stromnetze spezialisiert haben. „Das bringt beim Wirkungsgrad immerhin einige Zehntel hinter dem Komma“, sagt Theo Hufmann von der Prozessoptimierung bei E.on Engineering.

Grundlegende Weichenstellungen hat sich die indische Regierung für die kommenden Jahre vorgenommen. Bis 2010 soll die derzeit installierte Gesamtleistung von 124 000 MW um 40 000 MW aufgestockt werden. Das entspricht einem Investitionsvolumen von 40 Mrd. €. Bis zum Jahr 2030 sollen weitere 500 000 MW Leistung hinzukommen. Den Investitionsbedarf des Landes in den Ausbau seiner Energieinfrastruktur schätzt Jochen Klingler vom Vorstand des Energieforschungsdienstleisters EnerSearch auf insgesamt 1 Billion $.

Das ist nur ein Bruchteil dessen, was nach den Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris nötig ist, um eine globale Energieversorgungskrise abzuwenden. In ihrem in der vorigen Woche vorgelegten Weltenergieausblick 2006 hat die IEA ihre Schätzungen für die bis 2030 nötigen Investitionen von 17 Billionen $ auf 20 Billionen $ nach oben korrigiert. Zugleich treibt die von führenden Industrienationen getragene Organisation die Sorge um, dass China und Indien beim Ausbau ihrer Kraftwerksparks billige Lösungen modernster, klimaschonender Technik vorziehen könnten. Sollten diese Länder nur auf den Bau von Kohlekraftwerke mit geringem Wirkungsgrad setzen, würde dadurch das Weltklima auf Jahrzehnte belastet, mahnte IEA-Chef Claude Mandil.

Diese Sorgen versuchte die indische Regierung in Gelsenkirchen zu zerstreuen. „Die Ausschreibungen für sieben Kraftwerksprojekte mit einer Kapazität von je 4000 MW sind gerade angelaufen. Wir werden sehr darauf achten, dass nur Einheiten mit hohem Wirkungsgrad und geringem CO2-Ausstoß zum Zuge kommen“, versicherte der indische Energieminister vor den zahlreich erschienenen Vertretern der deutschen Kraftwerksindustrie. Diese hört die Botschaft gern, winken doch damit lukrative Aufträge.

SILVIA VON DER WEIDEN

Von Silvia von der Weiden
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