Heiztechnik 22.09.2000, 17:26 Uhr

In Kiel wird um 20 % mehr geheizt als in Freiburg

Je nach Stadt und Region bestehen deutliche Unterschiede bei den Heizkosten. Die unlängst von der Techem AG erstellte Studie „Energie-Kennzahlen“ liefert der Wohnungswirtschaft umfassendes Material für Investitionsentscheidungen oder für ein Benchmarking.

Seit über zwei Jahrzehnten untersucht der Dienstleister Techem den Heizölverbrauch in zentral beheizten Mehrfamilienhäusern. Vor drei Jahren wurden die Analysen auch auf die Versorgung mit Erdgas und Fernwärme erweitert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fasst eine Studie zusammen, mit der – so der Dienstleister in Frankfurt/M. – „die Wohnungswirtschaft in die Lage versetzt wird, die energetische Situation im eigenen Bestand mit den tatsächlichen Verhältnissen der Praxis zu vergleichen.“
Für Techem-Vorstandsvorsitzenden Dieter S. Dannheimer ist die verbrauchsbezogene Abrechnung der Heizenergiekosten eine wirkungsvolle und wirtschaftliche Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauchs: „Die von Techem allein in Deutschland betreuten rund 4,5 Mio. Haushalte sparen durch verbrauchsabhängige Abrechnung jährlich gut 13 Mrd. kWh Energie ein.“ Damit könnten im Jahr über 900 000 Haushalte beheizt und mit warmem Wasser versorgt werden.
Für die Studie wurde nur der reine Heizenergieverbrauch (d.h. ohne integrierte Warmwasserbereitung) in über 95 000 Gebäuden mit zentraler Raumwärmeversorgung untersucht. Ein Rückblick über die Entwicklung des Heizölverbrauchs in den letzten zwei Jahrzehnten zeigt z.B. deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. So lag der spezifische Verbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche aufgrund der unterschiedlichen Klimaverhältnisse in Trier und Freiburg rund 20 % unter dem in Hamburg und Kiel. Auch die Gebäudegröße hat einen Einfluss auf den Verbrauch. So ergab sich 1994 bei Gebäuden mit einer Wohnfläche über 3000 m2 ein Heizölbedarf von 16,3 l/m2. Lag die Wohnfläche allerdings unter 200 m2, so stieg der Verbrauch auf 22,6 l/m2 an. Doch hängt dies mit dem bei steigender Gebäudegröße kleiner werdenden Verhältnis von Außenhülle (Umschließungsfläche) zur Wohnfläche (bzw. Volumen) zusammen.
Bei den Energiepreisen erwies sich beispielsweise München als relativ teures Pflaster: Lagen 1997/98 die Heizölpreise in München und Bremen fast gleich auf, mussten die Einwohner der bayerischen Hauptstadt beim Erdgas schon 22 % mehr bezahlen, bei der Fernwärme gar 69 %. Dabei stellte sich Öl im Bundesdurchschnitt als preiswertester Brennstoff dar. „Entgegen verschiedener Meinungen ist die Ölzentralheizung im Hinblick auf ihre Betriebskosten noch immer die günstigste Beheizungsart“, heißt es. So betrugen die spezifischen Heizkosten (d.h. Energiekosten plus Nebenkosten, aber ohne Investitionen) beim Heizöl im Schnitt 10,61 DM/m2, beim Gas schon rund 12,70 DM/m2, und die Fernwärme schlug mit über 14 DM/m2 zu Buche. Das umfassende Zahlenwerk der „Energie-Kennzahlen“ konzentriert sich schließlich auf die Heizperiode 1998/99. Daraus einige Beispiele:
So zeigten die spezifischen Energieverbräuche in den Städten und Regionen unterschiedlich hohe Schwankungsbereiche. Z.B. lag der Verbrauch von Heizöl in Berlin zwischen 4 und 56 l/m2, in Köln zwischen 8 und 44 l/m2. Beim Erdgas reichte die Spanne z.B. in Düsseldorf von 4 bis 56 m3/m2, in Stuttgart von 8 bis 40 m3/m2. Bei der Fernwärme wurde in Frankfurt/M. zwischen 80 und 280 kWh/m2, in Saarbrücken hingegen zwischen 40 und 520 kWh/m2 verbraucht.
Je nach Gebäudewohnfläche ermittelte Techem Energiekosten in der Region Hamburg für Erdgasheizung zwischen 11 DM/m2 (bei Gebäuden über 3000 m2) und 18 DM/m2 (Gebäude bis 200 m2). Die entsprechenden Werte lagen hingegen in der Region Münster bei 8 bzw. 16 DM/m2.
Die Energieverbräuche pro Quadratmeter Wohnfläche lagen in den Städten im Schnitt bei 17,8 l Heizöl, 17,7 m3 bzw. 181,8 kWh Erdgas und 143,7 kWh Fernwärme. Den geringsten Ölverbrauch beispielsweise verbuchte dabei Offenburg (13,6 l/m2). „Spitzenreiter“ hingegen war Husum (mit 23,7 l/m2). Beim Erdgas reichte die Spanne von 9,8 m3/m2 in Eberswalde bis 21,92 m3/m2 in Siegen. Beim Fernwärmeverbrauch markierten in der Untersuchung die Städte Eberswalde (mit 88,33 kWh/m2) und Neumünster (166,83 kWh/m2) die „Eckpunkte“.
Bei beheizten Wohnflächen von durchschnittlich 65 m2 ermittelte Techem Gesamtheizkosten (Heiz- und Nebenkosten) je Wohnung von 655 DM beim Heizöl (562 DM in Augsburg und 713 DM in Mannheim), 789 DM beim Erdgas (646 DM in Erfurt und 1052 DM in Mannheim) sowie 949 DM bei der Fernwärme (750 DM in Stuttgart und 1358 DM in Siegen). ROBERT DONNERBAUER
„Energie-Kennzahlen“, Hilfen für den Wohnungswirt, 55 Seiten, 30 DM, Best.-Nr. 09982074, Techem Service AG & Co. KG, Abt. FWLV, Höchster Str. 74, 65931 Liederbach.

Ein Beitrag von:

  • Robert Donnerbauer

    Freier Journalist und Fotograf. Themengebiete: Energie (Gebäude, Industrie, Verkehr), Heiztechnik, Brennstoffzellen, Kraft-Wärme-Kopplung,  Verkehr (alternative Antriebe, Nutzfahrzeuge).

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