Wasserwirtschaft 24.03.2006, 18:43 Uhr

In England wird das Wasser knapp  

Ungeachtet der überkommenen Vorstellung, dass es in England immer regnet, fällt viel zu wenig Wasser vom Himmel, um den Bedarf einer deutlich wachsenden Bevölkerung zu decken.

Und jenes Wasser, das schließlich zur Verfügung steht, wird vielfach zweckentfremdet.

Äußeres Alarmzeichen ist, dass große südenglische Wasserversorger, wie zum Beispiel der bislang noch zum RWE-Konzern zählende Marktführer Thames Water, nun das Recht eingeräumt wurde, die Benutzung von Wasserschläuchen im Garten in diesem Jahr zu verbieten. Schon am 13. Februar sprach der Versorger für den Großraum London zum ersten Mal seit 15 Jahren ab dem 3. April ein Verbot fürs Rasensprengen und die Gartenbewässerung aus.

Zwei kleinere Wasserversorger in der Küstenregion von Dover-Folkestone dürfen sogar ihre Kunden zwingen, sich eine Wasseruhr einbauen zu lassen. Letzteres ist für Großbritannien geradezu unerhört. Wasseruhren sind den meisten Briten genauso verhasst wie etwa Personalausweise – also hat man so etwas nicht. Im Landesmittel sind weniger als 20 % aller Häuser mit Wasseruhren ausgestattet – und auch das nur, weil in den vielen Neubauten seit einigen Jahren Wasseruhren serienmäßig installiert werden.

Der Mangel an Wasseruhren hat schwerwiegende Folgen. Zum einen vergeuden viele Briten auf Teufel komm raus Trinkwasser – im Haus und Garten und nicht zuletzt zum häufigen Autowaschen. Es mangelt an jedem Anreiz, den Wasserverbrauch einzudämmen.

Noch weit schlimmer aber ist, dass die Wasserversorger selbst nicht genügend Anreize haben, ihre Leitungsnetze zu verbessern, denn bisher wird alles Wasser, das in die Leitungen gepumpt wird, kurzerhand den Abnehmern berechnet – gleich, ob es bei ihnen ankommt oder nicht. Wer tatsächlich eine Wasseruhr hat, bezahlt natürlich nur den echten Verbrauch. Im Übrigen aber wird das eingespeiste Wasser kurzerhand durch die Zahl der versorgten Wohneinheiten geteilt und der entsprechende Betrag dann vom Konto des Wohnungsinhabers abgebucht.

Südengland war eine der ersten Regionen in Europa, die eine geregelte Wasserversorgung im modernen Sinne erhielten. Das begann vor mehr als 150 Jahren. Gerade viele der gemauerten großen Leitungen sind ähnlich alt – und weisen natürlich zunehmend Lecks auf.

Thames-Water-Chef Jeremy Pelczer verdeutlicht, was das heißt: „Wir bleiben unserer Verpflichtung absolut treu, die Leckagen so schnell wie möglich zu verringern und geben dafür mehr als 500 000 £/Tag aus. Das beinhaltet, dass wir im Schnitt 200 Lecks pro Tag flicken.“

Zu den Leckagen trägt bei, dass der höhere Verbrauch zu einem höheren Druck bei der Einspeisung führt. Schließlich aber nagt der Zahn der Zeit an den Leitungen – genauso wie die ständigen Erschütterungen in Gegenden mit starkem Bahn- oder Straßenverkehr. In den 20 am meisten von Leckagen betroffenen Regionen in London ist ein Drittel der Wasserleitungen von Thames Water älter als 150 Jahre.

Dass die Wasserversorger überhaupt nennenswert in die Modernisierung der alten Leitungen investieren und sich nicht nur auf den Bau neuer Leitungen für neue Siedlungen beschränken, ist dem Wasserregulator Ofwat zu verdanken, der strikt über die Investitionen und auch die Wasserpreise wacht. Für jedes Jahr gibt es für die Versorgungsunternehmen klare Vorgaben, was an Leitungen erneuert werden muss. Und wer dies nicht einhält, muss mit teilweise erheblichen Bußgeldern rechnen.

Was Ofwat allerdings nicht kann, das ist die Regenmenge zu vergrößern. Während beispielsweise Schottland Regenwasser im Überfluss besitzt und von dort über Leitungen auch Teile von Mittelengland versorgt werden, reicht auch das schottische Wasser nicht für das ganze Land.

Normalerweise sollten die Trinkwasserreservoirs das Regenwasser im Winter und Frühjahr für den Rest des Jahres speichern. Aber im vergangenen Jahr hat es sehr wenig geregnet und im auslaufenden Winter ganz besonders wenig. Die Speicherseen sind vielfach gähnend leer. Das letzte Jahr sei das trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1897 gewesen, so Thames Water.

Das zwingt die Regierung nun zu der härteren Gangart, sprich Schlauchverbot und Wasseruhr-Zwang. Die Gemeinden helfen vielfach mit. Sie verkaufen beispielsweise Wasserfässer, die an die Regenrinnen der Häuser leicht anzuschließen sind, zu im Vergleich zu den Gartenmärkten ausgesprochen attraktiven Preisen. Reichen wird aber auch das wohl nicht. PETER ODRICH

  • Peter Odrich

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