Energie 08.08.2008, 19:36 Uhr

In China schießen Kraftwerke aus dem Boden  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 8. 08, mg – China wächst rasch bei der Wirtschaftskraft und beim Energiebedarf. Das riesige Land muss heute ein Drittel seines Energiebedarfs durch Einfuhren decken. Die Chinesen stellen ihre Energieversorgung auf eine breite Basis, aber eine der tragenden Säulen ist und bleibt die Steinkohle.

Alle zwei Tage geht in China ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Im Jahr 2006 waren es 174 Blöcke mit je 500 MW installierter Leistung. Lag die gesamte installierte Kraftwerksleitung 2003 noch bei 400 GW, so sind es heute 720 GW, und für 2011 erwartet Lothar Balling, Leiter Steam & Emerging Plant Solutions von Siemens Energy, über 1000 GW.

Der mit Abstand wichtigste Primärenergieträger ist Steinkohle. Im Jahr 2007 wurden in den Bergwerken des Landes mehr als 2,5 Mrd. t gewonnen – eine Steigerung um über 92 % gegenüber 2000, als 1,3 Mrd. t gefördert wurden hinzu kommt eine Importmenge von 51 Mio. t. Zum Vergleich: 2007 betrug die weltweite Steinkohlenfördermenge insgesamt 5,6 Mrd. t.

Das rasche Wirtschaftswachstum führte dazu, dass die eigenen, reichhaltigen Bodenschätze nicht mehr genügen, um den Rohstoffbedarf zu decken. Folglich wandelt sich China bei vielen Rohstoffen vom Netto-Exporteur zum Netto-Importeur. Bereits heute muss China ein Drittel seines Energiebedarfs durch Importe decken. Deshalb erklärte die Regierung die weltweite Ressourcensicherung zur strategischen Schlüsselaufgabe.

Keine Veranlassung sieht die Volksrepublik, zulasten ihres Wirtschaftswachstums ihren Energieverbrauch zu drosseln. Vielmehr überholte sie im Jahr 2007 die USA als größten CO2-Emittenten. Die Emissionen werden nach Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) auf 11,4 Mio. t Kohlendioxid im Jahr 2030 ansteigen – nach 5,1 Mio. t CO2 im Jahr 2005. Effizienzerhöhung ist der Schlüssel zu weniger Kohlendioxid bei der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern. Grundsätzlich gelte, so Balling, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Wirkungsgrad die CO2-Emissionen um ca. 2,4 Mio. t pro Jahr senke.

Das modernste Kohlekraftwerk Chinas, Yuhuan, steht in der südlich an Shanghai grenzenden Provinz Zhejiang. Die Anlage mit vier Blöcken von je 1000 MW installierter Leistung erreicht einen Wirkungsgrad von 45 %. Eine enorme Verbesserung zum Landesdurchschnitt von 30 % und dem europäischen von 38 %. Mit dem vergleichsweise geringen CO2-Ausstoß gehört das Kraftwerk Yuhuan zu den weltweit besten Anlagen.

China stellt seine Energieversorgung mit steigender Tendenz auf eine breitere Basis. Neben der weltweiten Diversifikation des Bezugs fossiler Energieträger baut es die friedliche Nutzung der Kerntechnik aus, investiert in Anlagen zur Kohleverflüssigung und plant an neun Küstenstandorten die Errichtung von Anlandungsterminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) mit einem gesamten Durchsatz von 26 Mio. t/a.

Die letzte Pilotanlage zur Kohleverflüssigung – ein Verfahren, das in Deutschland in den 1930er Jahren entwickelt und nach der ersten Ölkrise in den 1970er Jahren wieder aufgegriffen worden war – wurde im Jahr 2004 von der Deutschen Montan Technologie GmbH (DMT) abgebaut und nach China verkauft. Der chinesische Energiekonzern Shenhua plant nun in der Inneren Mongolei eine Kohleverflüssigung für eine jährliche Produktion von rund 5 Mio. t Benzin, Kerosin und Dieselkraftstoff u. a. aus knapp 10 Mio. t Kohle. In diese weltweit erste Industrieanlage zur direkten Kohlehydrierung nach dem so genannten Bergius-Verfahren werden 2,45 Mrd. € investiert.

In fünf unterschiedlichen Projekten der untertägigen Kohlevergasung wird die Erzeugung von Prozessdampf, Heizgas und elektrischer Energie untersucht.

Sieht sich der Energieanlagenbauer Siemens vor positiven Herausforderungen im Reich der Mitte, so musste der Fachverband Bergbaumaschinen im VDMA von dortigen Umsatzrückgängen berichten: China, im Jahr 2006 mit 257 Mio. € noch größter Importeur von Bergbautechnik „made in Germany“, lag 2007 nach den USA und Russland auf Platz drei der größten Exportländer, die deutschen Ausfuhren nach China gingen um 34 % auf 169 Mio. € zurück. Für 2008 rechnet der Verband mit einer weiteren Reduzierung von rund 5 %.

Diesem Trend gegenzusteuern ist auch Aufgabe der internationalen Messe China Coal Expo vom 4. bis 7. November 2008 in Beijing, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Dass dies gelingt, ist sich Universitätsprofessor Dr.-Ing. Christian Buhrow, Professur für Bergbau/Tiefbau an der TU Bergakademie Freiberg, der soeben von einer Studienreise aus China zurückgekommen ist, sicher: „Energierohstoffe, Wasser und metallische Rohstoffe sowie der nachhaltige Umgang mit diesen sind die jetzigen und die kommenden Herausforderungen. Trotz grundlegend anderer Ausgangsvoraussetzungen werden die Volksrepublik China und Deutschland jeweils große Anstrengungen unternehmen müssen, den Bedarf nachhaltig zu decken. Gemeinsam wird sich dies erfolgreicher und effizienter lösen lassen als alleine.“ ECKART PASCHE

Wachsende Importe decken den Energiebedarf

Ein Beitrag von:

  • Eckart Pasche

    Freier Fachjournalist. Themenschwerpunkte: Energie, Kerntechnik, Rohstoffe, Bergbau, Tunnelbau, Technikgeschichte

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