Photovoltaik 15.10.2010, 19:49 Uhr

Im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern

Nach einem starken Geschäftseinbruch in Folge der weltweiten Finanzkrise ist Isofotón wieder auf Wachstumskurs. Der neue CEO Angel Luis Serrano erklärt die Strategie des spanischen Solarzellen- und Modulherstellers.

VDI nachrichten: Herr Serrano, der spanische Photovoltaikmarkt brach im vergangenen Herbst weitgehend zusammen und die Finanz- und Wirtschaftskrise ließ Isofotón knapp am Konkurs vorbeischlittern. Wo steht Isofotón heute?

Serrano: In der Tat sah es Ende 2009 düster aus, Isofotón hatte über 300 Mio. € an ausstehenden Bankkrediten und die Produktion musste stark zurückgefahren werden. Diesen Juni brachten die neuen Eigentümer über 50 Mio. € an Kapital ein und stärkten die Unternehmensbilanz erheblich. Nun sind wir schuldenfrei und in der Lage, unser Geschäft weltweit weiter auszubauen und neue Projekte anzugehen, da die 300-Mio.-€-Schuld der Bilanz der ehemaligen Eigentümer zugerechnet wird.

Wie hat sich die Auslastung Ihrer Produktion entwickelt?

Derzeit ist unsere Fertigung in Spanien mit einer Leistungskapazität von 120 MW voll ausgelastet. Im Jahr 2011 wollen wir auf eine Jahreskapazität von 230 MW erweitern und innerhalb der kommenden drei Jahre unsere jährliche Produktionskapazität von 500 MW ausbauen.

Ausschließlich an Ihrem bisherigen Produktionsstandort in Madrid?

Unsere Hauptfertigung wird hier in Spanien bleiben, doch wir wollen 2012 auch eine Fabrik in China eröffnen. Die in Asien produzierten Module werden jedoch ausschließlich innerhalb des asiatischen Marktes verkauft. Hier hat Affirma (Haupteigner von Isofotón, Anm. d. Red.) seit Jahren viele enge Kontakte und war unter anderem Partner der chinesischen GCL-Gruppe bei der Realisierung des mit 20 MW größten chinesischen Solarparks im vergangenen Jahr. Affirma lieferte zudem die Tracker für das Projekt. Auch Toptec (Minderheitseigner von Isofotón, Anm. d. Red.) hat bereits enge Geschäftskontakte nach China.

Wie soll Ihr Konzern mit den großen chinesischen Herstellern kristalliner Solarmodule wie Suntech, Yingli oder Trina Solar mithalten?

Uns ist klar, dass wir im direkten Wettbewerb mit chinesischen Herstellern stehen. Unsere Stärke liegt in der Klasse, nicht in der Masse. Deshalb bauen wir sukzessive unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus und verbessern die Qualität unserer Produkte.

Auf der EU PVSEC (größtes europäisches Treffen d. Photovoltaikbranche, Anm. d. Red.) in Valencia präsentierten wir im September unser bisher leistungsfähigstes kristallines Modul ISF-240 mit einer erhöhten Effizienz von 14,5 % und einer Leistung von 240 W. Durch die Verwendung von drei statt der üblichen zwei Leiterbahnen werden hierbei die Verluste durch den elektrischen Widerstand minimiert, durch einen neuen Schaltkreis und eine wasserdichte Anschlussdose wird die Wärmeableitung verbessert.

Wie sieht es mit den Produktgarantien und dem Service aus?

Wir erhöhten in diesem Jahr unsere Produktgarantie von fünf auf zehn Jahre und bieten seit Kurzem eine 25-jährige lineare Leistungsgarantie. Im ersten Jahr sind 97 % der Leistung garantiert und für bis zu 25 Jahre beträgt die Degradation höchstens 0,7 % pro Jahr.

Damit sichern wir im Gegensatz zu marktüblichen Stufengarantien zu, dass das Modul auch nach 25 Jahren noch mehr als 80 % seiner Ausgangsleistung erbringt. Zudem bauen wir unser Vertriebs- und Servicenetz, beispielsweise in Deutschland, weiter aus.

Welche Exportmärkte haben Sie neben Deutschland vor allem im Fokus?

Wir konzentrieren uns auf Weltmärkte wie Frankreich und Italien, wo Isofotón seit 2003 eine Niederlassung hat, aber auch auf Zukunftsmärkte wie Griechenland und Israel.

Der chinesische und asiatische Binnenmarkt wird immer interessanter, zudem setzen wir stark auf Nordamerika und auf Afrika.

So haben wir alleine in Tunesien und Algerien Projekte mit über 3 MW Leistung in der Pipeline und erhielten nun in Mosambik vom nationalen Energiefonds den Zuschlag für fünf Projekte zur ländlichen Elektrifizierung im Gesamtwert von 6 Mio. €. Unser lokaler Partner ist Mocitaly Lda, mit dem wir auch in weiteren Ländern der Region zusammenarbeiten.

In Ländern wie Marokko sind wir zudem auch im Bereich High Concentration Photovoltaics (HCPV) aktiv. Wir starteten dort Ende September mit dem staatlichen Energieversorger ONE ein neues HCPV-Testfeld.

Welche Rolle spielen die HCPV und Concentrating Solar Power (CPV) neben der klassischen Photovoltaik für Isofotón?

Wir engagieren uns stark in diesen Technologien, arbeiten mit einem halben Dutzend anderer Firmen im CPV-Konsortium zusammen und sind an dem spanischen Testfeld ISFOC beteiligt.

In vielen südlichen Ländern mit einer hohen solaren Einstrahlung und einem hohen Anteil direkten Lichts haben HCPV und CPV ein sehr großes Potenzial.

HANS-CHRISTOPH NEIDLEIN

Ein Beitrag von:

  • Hans-Christoph Neidlein

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