Biomasse 25.07.2008, 19:36 Uhr

Im Wald wächst die Energie nach  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 7. 08, mg – In Brandenburg entsteht der größte Energiewald Deutschlands. Auf mehr als 700 Hektar sollen schnell wachsende Bäume angebaut werden. Sie dienen der Energieerzeugung.

Biorohstoffe haben es derzeit schwer: Vor allem in Entwicklungsländern blockieren Energiepflanzen Anbauflächen für Nahrungsmittel und treiben damit die Preise nach oben. Dass es auch anders geht, zeigt ein Projekt in Brandenburg. Auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohletagebaus, das für die Landwirtschaft kaum geeignet ist, entsteht derzeit eine riesige Holzplantage, die künftig den Energiebedarf der nahen Stadt Lauchhammer zumindest teilweise decken könnte.

Mit 700 ha Fläche ist der Energiewald Kostebrau der größte seiner Art in Deutschland. In etwa 0,5 m Abstand werden dort schnell wachsende Baumarten gepflanzt. Sobald die Pflanzen die Phase des schnellsten Wachstums abgeschlossen haben, sollen sie mit speziellen Häckslern geerntet werden. Die Holzschnitzel können dann zur Wärmegewinnung verbrannt und in einem Blockheizkraftwerk eventuell auch zur Stromerzeugung genutzt werden.

Zurzeit erlebt der Anbau schnell wachsender Hölzer hierzulande eine Renaissance. Aufgrund der steigenden Preise für fossile Energierohstoffe wird wieder mehr Holz für die Wärmeversorgung genutzt. Schon heute wächst beispielsweise in Brandenburg und Sachsen weniger Holz in den Wäldern nach als benötigt wird. Sogenannte Kurzumtriebsplantagen, in denen schnell wachsende Bäume nach wenigen Jahren geerntet werden, um daraus Wärme, Strom oder auch Spanplatten herzustellen, könnten das Problem lösen. Rund 2000 ha Fläche sind hierzulande bereits zu Kurzumtriebsplantagen geworden.

Dazu gehört auch der künftige Energiewald Kostebrau. „Gerade die Halden des ehemaligen Tagebaus bieten sich für eine solche Nutzung an“, sagt Dirk Landgraf vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) in Finsterwalde, das eine Machbarkeitsstudie für den Energiewald erstellt hat. Denn die Böden enthalten nur sehr wenige Nährstoffe. Bis sie für eine landwirtschaftliche Nutzung ausreichend entwickelt seien, vergingen mehrere Jahrzehnte.

Bei der Auswahl der Baumarten für den Energiewald spielt die Bodenqualität jedoch nur eine untergeordnete Rolle. „Entscheidend ist das Wasserangebot“, sagt Landgraf. Da es im Südosten Brandenburgs relativ wenig Niederschläge und lange Trockenperioden gibt, habe man sich für Pappeln und Robinien entschieden. Im vergangenen Jahr wurden von jeder Art auf einer Fläche von jeweils 40 ha die Stecklinge in die Erde gebracht. In diesem Herbst soll der Energiewald um weitere 60 ha Fläche größer werden.

Bis zur Ernte werden noch einige Jahre vergehen. Zwischen drei und zwanzig Jahren soll die sogenannte Umtriebszeit dauern, bevor die Pflanzen kurz über dem Erdboden abgeschnitten werden. Anschließend treiben die Wurzelstöcke erneut aus. „Da zu diesem Zeitpunkt das Wurzelwerk bereits ausgebildet ist, wachsen die Bäume im zweiten Durchgang sogar schneller als nach der ersten Pflanzung der Stecklinge“, sagt Landgraf.

Seinen Berechnungen zufolge liefert jeder Hektar pro Jahr im Durchschnitt 6 t Holz – nach der Trocknung. Diese Menge könnte den Energiebedarf der 18 000-Einwohner-Stadt Lauchhammer zumindest teilweise decken. Die Verkaufsverhandlungen für das Areal, das noch der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) gehört, sind in vollem Gange.

Auch andernorts werden zunehmend Kurzumtriebsplantagen eingerichtet. Im Gegensatz zum Areal um Kostebrau, das ohnehin als Forstfläche ausgewiesen ist, werden die schnell wachsenden Bäume häufig auf Ackerflächen gepflanzt. „Für die Landwirte ist das ein Risiko, denn die Flächen sind für mehrere Jahre blockiert und können in Zeiten hoher Preise für Nahrungsmittel nicht genutzt werden“, sagt der Forstwirt Rainer Petzold von der Technischen Universität Dresden. Im Forschungsprojekt Agrowood untersuchen er und seine Kollegen, welche Standorte besonders für die schnell wachsenden Bäume geeignet sind und welchen Einfluss die Holzplantagen auf die Umwelt haben.

Klar ist: Die Bäume auf dem Acker sind Monokulturen, in denen die Pflanzen eng beieinander stehen mit einem echten Wald hat das wenig gemein. Dennoch bieten die Plantagen mehr Lebensraum für Tiere als Felder, auf denen intensive Landwirtschaft mit einjährigen Pflanzen betrieben wird. Denn es werden keine Pestizide eingesetzt und Tiere finden zwischen den Bäumen das ganze Jahr über Deckung. „Im Vergleich zu früher leben auf diesen Flächen heute wesentlich mehr Tierarten“, sagt Petzold. So ließen sich an den Rändern der Holzplantagen beispielsweise Goldammern, Grasmücken und Zaunkönige beobachten.

Schwierig werde es für Landwirte, wenn sie die Flächen für Energieholz wieder als Ackerland nutzen wollen, sagt Petzold. „Besonders die Robinie durchwurzelt den Boden sehr stark, die Triebe schlagen auch in den Folgejahren immer wieder neu aus.“ Noch sei unklar, wie dieses Problem gelöst werden kann. Die Forschungen dazu stünden erst am Anfang. RALF NESTLER

  • Ralf Nestler

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