Energieeffizienz 24.11.2006, 19:25 Uhr

Im gewerblichen Bereich noch erhebliche Energiesparpotenziale  

Für vorbildliche Energiesparmaßnahmen bei der Modernisierung von Gewerbe-Immobilien verlieh die KfW Förderbank den Energieeffizienzpreis. Die mit insgesamt 15 000 € dotierten Auszeichnungen wurden während der Fachtagung der VDI-Gesellschaft Energietechnik „Energieeffizienz – Chancen für die Zukunft“ übergeben.

Steigerung der Energieeffizienz ist moderne Mittelstandsförderung“, betonte der Vorstand der KfW Bankengruppe Detlef Leinberger. Er verwies auf die über die KfW erhältlichen langfristigen, zinsverbilligten Darlehen des ERP-Umwelt- und Energiesparprogramms sowie ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten der KfW Förderbank.

Dass sich solche Maßnahmen rechnen, zeigt sich am Restaurant „Al Dente“ im bayerischen Chieming, dessen Geschäftsführerin Barbara Boschner für ihre Anstrengungen mit einer Urkunde ausgezeichnet wurde.

Die jährlichen Energiekosten des Restaurants in einer denkmalgeschützten Holzvilla am Ufer des Chiemsees wurden um 12 000 € bzw. 40 % reduziert. Der Einbau eines Holzpelletofens, von gasbefeuerten Pizzaöfen und Tiefkühlzellen mit Wärmetauschern sowie Dämmung und tageslichtgesteuerte Beleuchtung führten zu den Einsparungen. Dank winterlichen Wärmeschutzes ist das Restaurant zehn statt bisher nur sechs Sommermonate geöffnet.

Noch mehr Energie spart das Walzwerk Carl Schreiber in Neunkirchen (Siegerland). Das Produktionsgebäude aus dem Jahr 1900 wurde grundlegend saniert. Jetzt nutzt die Raumheizung die im Warmwalzwerk anfallende Prozessenergie. Um 63,5 % sank der jährliche Verbrauch an Heizöl.

„Wir können jährlich 60 000 € einsparen, geplant waren nur 40 000 €“, freut sich Geschäftsführer Rainer Grau. Die Produktion in dem stark exportorientierten Betrieb wurde in den vergangenen Jahren verachtfacht, die gesamten Energiekosten konnten jedoch in etwa gleich gehalten werden. Dafür gab es eine Anerkennungsurkunde.

KfW-Vorstand Leinberger: „Entscheidend für die erfolgreiche Erschließung von Einsparpotenzialen ist, dass die Energiekosten ernst genommen werden, die ganze Palette an Verbesserungsmöglichkeiten betrachtet wird und eine enge Zusammenarbeit mit Energieberatern stattfindet.“

Dipl.-Ing. Jürgen Szilinski von Procter & Gamble: „Wir analysierten die gesamten Verbrauchs- und Energieflüsse unserer Produktions- und Verwaltungsgebäude am Standort Crailsheim und setzten in einer Task Force erfolgreich Verbesserungen um.“

Im Crailsheimer Werk sank der Energieverbrauch um rund ein Viertel, wofür die Jury den 1. Preis vergab.

Mit dem Rückenwind des KfW-Preises erhoffe man sich, weitere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung gegenüber der Geschäftsleitung durchzusetzen.

Nur noch 15 % der Energie im Vergleich zu einem gleichwertigen Bürohaus benötigt ein Kasernengebäude, das das Ingenieurbüro Ebök, Tübingen, saniert. Es erhielt den 2. Preis. Der 3. Preis ging an die Ewald Schaumstoffe, Ahaus-Alstätte. Sie senkte zusammen mit Rulle Facility Management dank neuer Regelungstechnik den Energiebedarf um 34 %.

„Energieeffizienz gehört leider oft noch nicht zum Kerngeschäft“, berichtete auf der VDI-GET-Tagung Dietmar Kohn von der Boehringer Ingelheim Pharma, Biberach. Die Energiekosten würden gegenüber den Beschaffungskosten systematisch unterschätzt, Einsparpotenziale deshalb nicht genügend genutzt. Bei Ausschreibungen sollten die Energieverbrauchskosten stärker berücksichtigt werden.

Wolfgang Stinglwagner vom Bundeswirtschaftsministerium. „Ich gehe davon aus, dass die hier angesprochenen Aspekte beim nächsten Energiegipfel zusammen mit der Wirtschaft diskutiert werden.“

Ein Beitrag von:

  • Hans-Christoph Neidlein

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