Gebäudetechnik 16.07.2004, 18:31 Uhr

Hotel kühlt mit Erdwärme

die Geothermie-Anlage zum Heizen und Kühlen des dortigen Hotels Colosseo. Laut Betreiber rechnet sich der Zusatzaufwand gegenüber konventioneller Klimatisierung.

Dank der gewählten Wärme- und Kälteversorgung sieht Jörg Lin, Bereichsleiter Bau und Planung im Europa-Park in Rust, das Colosseo in einer Vorbildfunktion für Hotels mit Klimaanlagen und hohem Warmwasserbedarf.
Jörg Lin: „Der Einsatz ist nicht nur im Sinne der Ressourcenschonung und der Nutzung regenerativer Energieträger ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.“
Bei der Planung der Energieversorgung des Hotels seien auch andere Lösungen in Betracht gezogen worden, berichtet Lin. Es habe auch Studien für ein Blockheizkraftwerk oder Energiecontracting, dem Betrieb der Anlage durch externe Partner, gegeben, doch das Nutzungsprofil hätte für eine eigene Wärmepumpe gesprochen: 23 000 m² Nutzfläche, u. a. über 3500 m² Fußbodenheizung, Wärmebedarf für Brauchwasser, für das Schwimmbad und den gesamten Wellnessbereich sowie für die Beheizung des gesamten Gebäudekomplexes und schließlich Kühlbedarf für die Klimatisierung.
Die Wärmepumpe ist nur Teil eines Energiesparkonzepts. Dank wärmedämmender Materialien wie Porenbetonbausteine oder Isolierglasfenster sowie Gebäudeleittechnik werden nach Betreiberangaben die Grenzwerte der Energieeinsparverordnung deutlich unterschritten. Beispielsweise wird die aus den Großküchen entweichende Abwärme zurückgewonnen und zur Erwärmung des Brauchwassers genutzt.
Die Nutzung des Grundwassers habe sich zudem angeboten, da es bereits in nur 2,5 m Tiefe anstand, so der Bereichsleiter Bau und Planung. Letztendlich hätten aber die Investitionskosten den Ausschlag gegeben.
Herzstück der Energieversorgung ist eine Wärmepumpe. Sie nutzt in 12 m Tiefe gespeicherte Erdwärme zum Heizen und Kühlen des Hotelkomplexes.
Der für die Anlage gebohrte Tiefbrunnen liefert pro Sekunde 25 l Wasser mit einer Temperatur von rund 10 °C. Das Wasser dient im Winter als Wärmequelle, im Sommer zur Wärmeabführung.
Die von Combitherm, Fellbach, errichtete Wärmepumpenanlage gewinnt aus dem 10 °C warmen Wasser mit zwei elektromotorisch angetriebenen Schraubenverdichtern 428 kW Heiz- bzw. 327 kW Kühlleistung. Anschließend wird das Brunnenwasser wieder dem Grundwasser zugeführt, womit sich der Kreislauf schließt.
Planung und Konzeption wurden zusammen mit dem Ingenieurbüro Bühler, Bahlingen, und dem Energieversorger EnBW, Karlsruhe, durchgeführt. Im Sommer wird laut Jörg Lin das Hotel ausschließlich mit der Wärmepumpenanlage klimatisiert. Zur Deckung von Wärmebedarfsspitzen kommen zwei Gasheizkessel zum Einsatz, ein Brennwert- und ein Niedertemperaturkessel.
Übers Jahr gesehen soll die Wärmepumpe etwa 40 % der Wärmeversorgung und 80 % der Kälteversorgung übernehmen.
Derzeit gehe man von einer jährlichen Energieeinsparung in Höhe von 1800 MWh, umgerechnet 45 000 €, aus.
Die Investitionskosten für die Kesselanlage, den Tiefbrunnen sowie die Brunnenwasserversorgung und -entsorgung beliefen sich laut Jörg Lin auf rund 450 000 €. Sie lägen damit etwa 170 000 € über den Kosten einer konventionellen Anlagentechnik mit Öl- oder Gasbefeuerung. Die Anlage amortisiere sich aber nach vier Jahren. Bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt: Wird die Anlage über Kredite finanziert, verteuert der Zins-Mehraufwand die Kreditkosten, die Amortisationszeit verlängert sich abhängig von der Zinshöhe.
Die Hersteller von Wärmepumpen erleben derzeit eine Renaissance. Deutschlandweit sind etwa 75 000 solcher Anlagen installiert, so das NRW-Energieministerium. Davon seien die meisten Wärmepumpen für den reinen Heizbetrieb konzipiert.
In Deutschland stieg der Verkauf von Wärmepumpen in den 90er Jahren von zunächst rund 500 auf cirka 5000 Stück jährlich. Jetzt bewegt sich der Absatz allmählich auf die 10 000-Marke zu. Diese wurde im vergangenen Jahr nach Einschätzung von Stiebel-Eltron, Holzminden, nur knapp verfehlt.
Mehr als neun von zehn Wärmepumpen kommen laut Stiebel-Eltron im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser zum Einsatz (unter 20 kW).
Doch auch im größeren Leistungsbereich gebe es verstärktes Interesse, so Steffen Klein, Geschäftsführer von Combitherm in Fellbach, einem Unternehmen, das sich auf Leistungen über 50 kW spezialisiert hat. Für den Betrieb einer Wärmepumpe sei eine stabile Wärmequelle respektive Wärmesenke wichtig. Neben Brunnenwasser könnten dies auch Flusswasser, bei Industriebetrieben auch Kühlturmwasser oder Erdsonden sein.
R. DONNERBAUER

Ein Beitrag von:

  • Robert Donnerbauer

    Freier Journalist und Fotograf. Themengebiete: Energie (Gebäude, Industrie, Verkehr), Heiztechnik, Brennstoffzellen, Kraft-Wärme-Kopplung,  Verkehr (alternative Antriebe, Nutzfahrzeuge).

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