Beleuchtung 28.08.2009, 19:42 Uhr

Hoher Energieverbrauch treibt Lampenhersteller ins Ausland  

Ab September dürfen keine matten Glühlampen neu in den Handel kommen, auch klare 100-Watt-Lampen verschwinden aus den Geschäften. Der Grund: Sie verbrauchen zu viel Strom. Stattdessen sollen Energiesparlampen leuchten. In der sächsischen Bergbaustadt Brand-Erbisdorf stellt ein kleines Unternehmen Leuchtstoffröhren, die großen Brüder der Energiesparlampen, noch selbst her. VDI nachrichten, Brand-Erbisdorf, 28. 8. 08, swe

Im Schmelzofen wummert das Feuer. Die Hitze strahlt von den mächtigen Steinen ab. Drei Meter über dem Fußboden klafft ein Loch im Mauerwerk. Durch die Luke stürzen Rohstoffe in die Tiefe: Feldspat, Quarzsand, Altglas. Bei 1480 °C schmilzt das Gemenge zu flüssigem Glas.

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Der glühende Brei fließt am unteren Ofenende auf einen schrägen Zylinder. Da dieser innen hohl ist, sich dreht und Druckluft herauspresst, entsteht ein hohles Band aus Glas. Die Rollenbahn außerhalb des Ofens zieht das zähe Material vom Zylinder ab. Je schneller, desto dünner die Wandstärke der Glasröhre. Je stärker die Druckluft, desto größer ihr Durchmesser.

In Deutschland gibt es kaum mehr Fabriken, die Leuchtstofflampen selbst produzieren. Da der Energieverbrauch für die Glasherstellung extrem hoch ist, können deutsche Produktionsstätten auf dem Weltmarkt in der Regel nicht konkurrieren.

Neben Osram und Sylvania gehört Narva Lichtquellen in Brand-Erbisdorf, ein Mittelständler mit 30 Mio. € Jahresumsatz, zu den letzten Leuchtstofflampenwerken Deutschlands. Die Sachsen stellen sogar die Glasrohlinge für ihre Leuchtstofflampen noch selbst her. „Der Ofen muss Tag und Nacht laufen, sonst rentiert er sich nicht“, sagt Marketing-Leiter Christian Berndt.

Damit das Werk mit seinen 330 Mitarbeitern überhaupt bestehen kann, haben sich die Sachsen auf spezielle Gläser und Leuchtstoffe für Solarien, Aquarien oder Lampen für hohe Sehanforderungen spezialisiert. „Mit Leuchtstofflampen für das Allgemeingeschäft können wir allein nicht existieren, weil wir nicht auf Masse gehen können“, erklärt Entwicklungsingenieur Jürgen Meltke. „Nur die Sonderprodukte sichern unser Überleben.“ Außerdem kooperiert das mittelständische Unternehmen mit den Global Players. „Nicht überall, wo Osram oder Philips draufsteht, ist auch Osram oder Philips drin“, sagt der Diplom-Chemiker. „Es könnte auch Narva sein.“

Der Computer der Rollenbahn zeigt die Daten genau an. Durchmesser: 25 mm, Glasstärke: 0,726 mm. Weil das Umstellen der Anlage viel Aufwand bedeutet, produziert die Fabrik möglichst lange die gleiche Sorte Röhren. Heute ist es die Serie T8 mit 26 mm Außendurchmesser, die es in verschiedenen Längen gibt und die Büros, Fabriken, Schulen oder Kaufhäuser beleuchtet.

Die Glasröhre läuft 80 m über ein Netz von Rollen und Feuerstellen. So härtet das Material langsam aus, ohne zu brechen. Am Ende der Halle kürzt ein Diamantschneider die Röhren auf die gewünschte Länge. Bis zu 2 m können die Glaskolben werden. Heute kürzt die Maschine sie auf 1,20 m. Gegen Splitterung glättet eine Flamme die Kanten. Eine rotierende Metallscheibe rundet sie unter Feuer ab und drückt feine Rillen hinein, an denen die Elektronik befestigt werden kann. Sekündlich fällt ein fertiger Rohling klackernd auf das Förderband.

Leuchtstoffröhren sind Niederdruck-Quecksilberlampen mit einer fluoreszierenden Beschichtung aus Phosphoren. Entlädt sich der Quecksilberdampf, erzeugt er ultraviolette Strahlung, die die Elektronen in den Phosphoratomen sprungartig auf ein höheres Energieniveau bringen. Fällt dieses wieder ab, geben die Elektronen eine Strahlung innerhalb des sichtbaren Bereichs ab.

Im nächsten Produktionsschritt wandern die Rohlinge über ein Förderband zur Spritzanlage. Diese richtet sie auf und besprüht die Innenwände mit dem Leuchtstoff. Je nach Zusammensetzung erzeugt dieser später wärmeres, kälteres oder farbiges Licht und bestimmt die Lichtausbeute.

Nach der Trocknung sind die milchig weißen Kolben schnell bereit für den nächsten Schritt der Elektrodenfertigung. Eine Maschine steckt zwei Haltedrähte in einen winzigen Glaskörper. Zwischen die beiden Enden wird eine feine Glühwendel gespannt, die in Betrieb elektrisch geladene Teilchen durch den Kolben schickt. Die fertigen Gestelle werden schließlich per Hand auf jedes Röhrenende montiert. Flammen schmelzen es fest. Die Röhre ist dicht, bis auf ein winziges Loch.

Jetzt kommt das so unerlässliche wie umstrittene Quecksilber zum Einsatz. „Es gibt derzeit keine Alternative“, weiß Jürgen Meltke. Da der Stoff hochgiftig ist, dürfen laut Gesetz nur 3,5 mg bis 5 mg pro Leuchtstofflampe verwendet werden. „Prinzipiell geht die Entsorgung über Recyclinghöfe“, so Meltke. „Sollte eine Lampe herunterfallen und kaputtgehen, gilt: lüften, lüften, lüften. Es ist wenig Quecksilber da, also besteht keine Gesundheitsgefährdung.“

Nachdem das Quecksilber in der Röhre gelandet ist, wird das Loch verschmolzen. „Ab jetzt ist die Lampe funktionsfähig“, sagt Christian Berndt. „Hier wird sie sozusagen geboren.“ Jedes Ende bekommt noch einen Metallsockel, das Glas wird ein letztes Mal durch Flammen gehärtet. Bei der maschinellen Probezündung sortiert die Testanlage fehlerhafte Produkte automatisch aus. Die funktionstüchtigen Lampen rollen zur Packstation. Bei voller Auslastung kann die Fabrik bis zu 6000 Stück/h herstellen.

Hinzu kommen bei Narva Kompaktleuchtstofflampen, landläufig Energiesparlampen genannt. Diese sollen die Glühlampen ersetzen und besitzen daher die gleichen Standardsockel. Im Prinzip sind es Mini-Leuchtstoffröhren, die mehrfach gebogen sind. Die beiden Gestelle samt Elektroden liegen eng nebeneinander und münden im Sockel, in dem auch das Vorschaltgerät steckt.

Die gläsernen Rohlinge kommen bei Narva allerdings aus der Slowakei, da Brand-Erbisdorf keine Maschine besitzt, die die dünnen Glasrohre formen kann. „Zu teuer“, meint Marketingchef Berndt trocken. Ansonsten passiert genau das Gleiche wie bei den großen Röhren: erst der Leuchtstoff, dann die Gestelle, das Quecksilber, der Sockel und fertig ist die Lampe, die nur ein Fünftel so viel Strom verbraucht wie eine Glühlampe.

CONSTANZE BANDOWSKI

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