Design 16.07.1999, 17:22 Uhr

Heizende Skulpturen

„Wärme in Form“.

Der Heizkörper in Räumen von Wohn- und Zweckbauten ist heute nicht mehr nur Wärmequelle sondern auch Einrichtungsgegenstand,“ so das Credo eines badischen Unternehmens, das unlängst zum Thema „Wärme in Form“ einen Wettbewerb ausgeschrieben hatte. Die Ergebnisse wurden jetzt in Stuttgart vorgestellt. Es gab drei Preise und mehrere Anerkennungen. Einige der Arbeiten: Heizkörper als Module, als Sitzgelegenheit und als eigenständiges Objekt.Resümee des Wettbewerbs: Das graue oder beige Blechpaket unter dem Fenster ist out.
Die Aufgabe des von dem Unternehmen Joco ausgeschriebenen Wettbewerbs lautete, den Heizkörper als einen Einrichtungsgegenstand zu gestalten, der die ästhetischen Ansprüche als Möbel, aber auch aktuelle Anforderungen in Größe, Form und Funktion berücksichtigt. „Wachsende Ansprüche an Wohnqualität und Ästhetik sowie veränderte Möglichkeiten moderner Technologie bedingen ein Überdenken bestehender Lösungen und der innovativen Weiterentwicklung im Heizkörperdesign“, begründete der Chef des Unternehmens, Dipl.-Ing. Franz John, in Stuttgart die Notwendigkeit des Wettbewerbs. Die Entwicklung der letzten Jahre habe durch den Einsatz von Niedertemperaturheizsystemen, die Nutzung von Passivenergie und Fremdwärme, sowie besserer Außenwanddämmung der Gebäude zu kleineren, oftmals flacheren und effizienteren Heizkörpern geführt. Dadurch entstünden Freiräume hinsichtlich seiner Gestaltung und zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten.
Welchen Stellenwert die Gestaltung von Gegenständen in der Wohnung auf die Psyche des Menschen einnimmt, konkretisierte Annette John bei der Preisverleihung: „Design erzählt von unserem Leben, von unseren Wünschen und von unseren Erinnerungen.“ Indes: Obwohl als erstes Möbel in einem neuen oder renovierten Gebäude installiert, werde die Gestaltung des Heizkörpers meist vernachlässigt und nur nach seiner Funktion beurteilt.
Den ersten Preis des Wettbewerbs gewannen Maike Verloh und Steeve Senescat, Studenten der Produktdesign-Lehranstalt Supérieure des Beaux Arts de Toulouse, mit einem Modulheizkörper. Der zweite Preis ging an Johannes Spielhagen, Student an der FH Hildesheim-Holzminden. Er hatte einen freistehenden Heizkörper für große Räume entworfen. Den dritten Preis gewannen die Designer Birgit und Dieter Düvelmeyer, Bad Oeynhausen, mit einem als Sitzbank zu nutzenden Heizkörper und Jörg Ibach, Gesamthochschule Wuppertal, mit einem in Kachel-Rasterformat gestalteten Heizelement.
Für die Begutachtung und Jurierung der Einsendungen hatten zur Verfügung gestanden: Klaus Lehmann, Professor für Produktdesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, Simone Raus, Geschäftsführerin des „Designstudio Raus+Weber“ in München, Dr.-Ing. Harald Bitter, Geschäftsführer des WSPLab-Prüfinstitut für Heizung, Lüftung, Klima in Stuttgart, Dr.-Ing. Dietmar Danner, Chefredakteur der Zeitschrift „AIT die Zeitschrift für Architektur Innenarchitektur und Technischen Ausbau“, Franz John,Chef der Firmen Joco – Wärme in Form und John-Technik in Metall, Achern.
Die Verleihung des 1. Preises (Modulheizkörper) begründet die Jury so: „Ein technisch durchdachtes Modulsystem, das sich durch ein großes Spektrum an Anordnungsmöglichkeiten auszeichnet und in die Tektonik der Umgebung einfügen läßt.“ Dieser Modulheizkörper biete dem Nutzer ein Maximum an Kombinationsmöglichkeiten über Anordnung und Anzahl der Elemente und die Gestaltung ihrer Oberflächen. Die beiden Basiselemente, ein gerades und ein Eckmodul, verfügen jeweils über äußere Abdeckungen, je ein doppeltes, diagonales Luftkammersystem und eine Hohlkammer, durch die das heiße Wasser geleitet wird. Die Vorder- und Rückseite der Module sind identisch, verdeckte Rippen zur Vergrößerung der Oberfläche sind diagonal im Winkel von 90 Grad zueinander angeordnet. Jedes Element verfügt über zwei Anschlüsse als Verbindungsstücke. Der Vorteil gegenüber verschweißten Verbindungen bestehe – so die Jury – in der Möglichkeit, auch nach der Erstinstallation des Heizkörpers Modifikationen vornehmen zu können. So könne die Anordnung geändert, einzelne Module umlackiert, oder weitere hinzumontiert werden. Die glatte Oberfläche vereinfache die Reinigung, es seien aber auch strukturierte Abdeckungen vorstellbar. Da alle Bestandteile aus Metall gefertigt werden, ist ein späteres Recycling problemlos möglich.
Zu dem 2. Preis (Objektheizkörper) erläutert die Jury: „Diese Elementarform einer Heizschlange behauptet sich in ihrer ungewöhnlichen Konfiguration als freistehendes, kraftvolles Objekt im Raum – eine minimalistische Lösung in ihrer technischen Übersetzung.“ Der freistehender Heizkörper für große Räume mit der Bezeichnung „Helix“ stehe auf skulpturale Weise für sich. In Verbindung mit gediegenen Messingarmaturen strahle er geradezu Solidität aus. Der Heizkörper ist selbsttragend. Das heißt, die Säule in der Mitte, die den Vorlauf enthält, übernimmt statische Aufgaben. Die Scheiben entlang der Spirale vergrößern die Oberfläche und dadurch die Wärmeleistung.
Unter dem archaischen Messingrad verbirgt sich ein modernes Ventil. Trotzdem werde es – so die Jury – keine Zahlenskala geben, da moderne Heizungen thermostatgesteuert seien und es somit genüge zu wissen, ob die Heizung auf oder zu sei. An oberster Stelle befindet sich ein Entlüftungsnippel. Der Vor- und Rücklauf sind im Boden integriert. So kann „Helix“ frei im Raum stehen. Auch wenn es normalerweise für die Wärmeabgabe günstiger ist, wenn ein Heizkörper unter dem Fenster steht, gebe es genügend Räume mit großflächigen Fensterfronten, die den Entwurf rechtfertigten, betont die Jury. Dort könnte der Heizkörper in einigem Abstand stehen.
Zu der Sitzbank als Heizkörper (3. Preis) bemerkt die Jury: „Eine solide Lösung, die die archetypische Form einer Bank aufnimmt.“ Ausgestattet mit einer Holzsitzfläche mit Aufforderungscharakter ließe sie sich besonders für Foyers und öffentliche Räume nutzen. Ob zu Hause oder in öffentlichen Gebäuden, die Bank als Heizkörper füge sich als Gebrauchsgegenstand ganz selbstverständlich ins Alltagsleben ein. Ein auflegbares Sitzholz sorge – aufgrund des Abstands zu den heizenden Teilen der Bank – bei Nutzung als Sitzplatz für angenehme Temperaturen. Ebenfalls mit dem 3. Preis ausgezeichnet wurde das in Kachel-Rasterformat entworfene Heizelement. Die Jury: „Ein Heizelement, das sich durch unterschiedlichste Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten für den Sanitärbereich auszeichnet.“
Anerkennung fand unter anderem die Idee eines Design-Studenten, ein abnehmbares Speicherelement in einen Heizkörper zu integrieren, um die Mobilität der Wärmeverteilung zu erhöhen. Eine Raumausstatterin kam auf die Idee, Heizkörper mit einem Tuch zu verkleiden. Ebenfalls lobend erwähnt wurde der Entwurf einer Tür, die auch zu Heizzwecken genutzt werden kann.
PETER GÖHRINGER
Eine Broschüre über den Design-Wettbewerb und die prämierten Entwürfe ist erhältlich bei Joco – Wärme in Form, 77955 Achern.
Auszeichnung: Maike Verloh, Studentin der Supérieure des Beaux Arts, Toulouse (hier mit Franz John) errang mit Modulheizkörpern den 1. Preis.
Heizkörper als Einrichtungsgegenstand: Der Radiator muß den Raum nicht verschandeln. Bei Berücksichtigung ästhetischer Gesetzmäßigkeiten kann die Heizung wie ein Kunstobjekt die Wohnlandschaft bereichern.

Ein Beitrag von:

  • Peter Göhringer

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Infraserv GmbH & Co. Höchst KG-Firmenlogo
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG Ingenieur / Betriebsassistent Fachrichtung Verfahrens-/Energie-/Umwelttechnik / Maschinenbau (m/w/d) Frankfurt am Main
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG-Firmenlogo
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG Sachverständiger*Sachverständige zur Qualifizierung leittechnischer Komponenten im Bereich Energieinfrastruktursysteme Hannover, Hamburg
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG-Firmenlogo
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG Sachverständiger*Sachverständige für Elektro- oder Leittechnik im Bereich Energieinfrastruktursysteme Hannover, Hamburg
ENERTRAG Aktiengesellschaft-Firmenlogo
ENERTRAG Aktiengesellschaft Landschaftsplaner* (Projektplaner*) für Umwelt- und Bauleitplanung (m/w/d) Dauerthal, Rostock
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Potsdam GmbH Projektleiter Quartierslösung (m/w/d) Potsdam
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Münchner Stadtentwässerung Umweltingenieur*in (w/m/d) München
WESSLING GmbH-Firmenlogo
WESSLING GmbH Abteilungsleiter (m/w/d) im Bereich Gebäudeschadstoffe und Rückbau Neuried
Sharp Electronics GmbH-Firmenlogo
Sharp Electronics GmbH Manager (m/w/d) Projektentwicklung Solar Hamburg
Hitzler Ingenieure-Firmenlogo
Hitzler Ingenieure (Junior) Ingenieur Projektsteuerung u. Projektmanagement Bau (m/w/d) Nürnberg
Enercon GmbH-Firmenlogo
Enercon GmbH Department Head (m/f/d) Configuration Management Aurich near Emden

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.