Windkraft 16.11.2001, 17:31 Uhr

Hamburger Energiebündel

Fritz Vahrenholt wird in seiner norddeutschen Wahlheimat dem Ruf westfälischer Dickköpfigkeit gerecht. Zielstrebig verfolgt der ehemalige Umweltsenator nun den Aufbau des Hamburger Windenergieanlagen-Herstellers Repower Systems.

Wem „Bild“-Redakteure in aller Herrgottsfrühe die Mülltonne durchwühlen, der ist nicht nur für einen elitären Kreis, sondern auch für die breite Öffentlichkeit von großem Interesse. Fritz Vahrenholt zählt zu diesen Auserwählten – wenn auch wider Willen, denn ein Medienstar will der Professor nicht sein.

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Anlass zur Diskussion gab der gebürtige Westfale, der im Ruhrpott aufwuchs und Ende der 60er Jahre in Münster Chemie studierte, häufiger. So 1997, nach der Wahl in Hamburg. Die große Koalition, die sich Umweltsenator Vahrenholt nach sechseinhalb Jahren Amtszeit gewünscht hatte, kam nicht zustande. Und Rot-Grün war für ihn seit 1984 kein Thema mehr. Damals kam der endgültige Bruch zwischen dem Sozialdemokraten und den politischen Aufsteigern. Als Staatsrat der Hamburger Umweltbehörde hatte Vahrenholt nach einem Arsen-Skandal die von den Grünen geforderte Schließung einer Kupferhütte mit ihren 3000 Arbeitsplätzen verhindert. Sein Rezept: Senat und Unternehmen an einen Tisch holen und ein Sanierungsprogramm aufstellen, das innerhalb von fünf Jahren den Arsenausstoß halbieren sollte. „Und dann haben wir gemerkt, dass wir noch mehr erreichen konnten“, erzählt der 52-Jährige im Rückblick. 17 Jahre später steht in Hamburg eine der wettbewerbsfähigsten und umweltfreundlichsten Kupferhütten der Welt. Im Aufsichtsrat sitzt heute der ehemalige Staatsrat und spätere Umweltsenator höchstselbst.

Nach seinem Rücktritt aus der Politik lockte 1998 der Wechsel in die Industrie. Shell machte das Image eines „Umweltsünders“ zu schaffen, das dem Unternehmen die Brent-Spar-Affäre eingebracht hatte. Der Transformationsprozess war schon im Gang, als Vahrenholt als Vorstand für Chemie, regenerative Energien und Umweltschutz bei der Shell AG antrat, um das Ansehen aufzupolieren. Schon im Juni 1998, nach nur vier Monaten bei dem Konzern, legte Vahrenholt in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen den Grundstein für eine der größten und modernsten Solarzellenfabriken Europas.

Die Trennung kam zwei Jahre später, als die Zentrale des Unternehmens in Den Haag/London die Deutsche Shell AG in eine GmbH umwandeln wollte. Mit der geänderten Rechtsform wäre der ehemalige Vorstand als ein an Weisungen gebundener Geschäftsführer der Zentrale verantwortlich gewesen. Bis dahin war Vahrenholt als Vorstand einer AG nicht nur den Shareholdern, sondern auch den Interessen des Unternehmens und der Arbeitnehmer verpflichtet. Auf seinen Wunsch erfolgte die Trennung.

Im Frühjahr 2001 steht Vahrenholt, dessen Karriere im Umweltbundesamt in Berlin begann und der 1981 ins hessische Umweltministerium wechselte, um dort die Abteilung Umweltpolitik zu leiten, wieder vor einer weit reichende Entscheidung. Die Gründer eines Senkrechtstarters in der Windkraft-Branche wollen den erfahrenen Manager als Vorstandsvorsitzenden. Sie lassen nicht locker. Der Sprung scheint ihm fast zu gewaltig: Vom Vorstand der Deutschen Shell AG zur Repower Systems AG, einer bis dahin kaum bekannten Gesellschaft von einem global agierenden Giganten zu einem Newcomer, der sich bis dahin fast nur in Schleswig-Holstein engagiert hatte. Von einem Konzern, der den größten Teil seines Umsatzes mit fossilen Brennstoffen erwirtschaftet, zu einem 200-Mann-Unternehmen, das sich ausschließlich den erneuerbaren Energien verschrieben hat.

Nachdem der Wahl-Hamburger die Aufgaben bei Repower Systems gründlich geprüft hatte, übernahm der Wissenschaftler, Ex-Politiker und Top-Manager im April dieses Jahres den Vorstandsvorsitz im Hamburger Unternehmen, dem Vahrenholt eine Rolle im Konzert weltweiter Branchenführer zutraut. Schon in der Vergangenheit hätten deutsche Ingenieure in der Energietechnik sehr viel geleistet: in der Kernenergie, der Hochtemperaturphysik oder der Kraftwerkstechnik. Warum jetzt nicht auch bei regenerativen Energien?

Voraussetzung zu diesem Kraftakt sei jedoch der Ausbau der Windkraftenergie zu einer Großtechnologie. „Die Politik hat einen gesellschaftlichen Konsens über den Ausstieg aus der Kernenergie herbeigeführt, den sie jetzt ganz entschieden mit der Forcierung der Windkraftenergie flankieren sollte“, fordert Vahrenholt. „Sie muss einen politisch verbindlichen Rahmen schaffen für 10 000 bis 15 000 MW-Offshore-Anlagen in der Nord- und Ostsee.“

Seine Worte dürften den Weg zu Kanzler Schröders Ohren leicht finden. Denn, seit der Rat für Nachhaltige Entwicklung beim Bundeskanzler im April 2001 seine Arbeit aufgenommen hat, berät Vahrenholt zusammen mit 13 anderen Stellvertretern gesellschaftlicher Gruppen den Kanzler und seine Regierung in Sachen nachhaltiger Energie und Umweltschutz, Mobilität sowie Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit.

Die nötige Energie, um die Doppelbelastung zu bewältigen, holt sich Vahrenholt am Wochenende im Kreise seiner Familie. Nur wenn die Spieler des Hamburger SV auf Punktejagd gehen, müssen auch seine Frau und die beiden Söhne auf den Aufsichtsratsvorsitzenden des Hamburger Traditionklubs verzichten. WERNER BRUCKNER

 

Repower Systems

Im Aufwind

Repower Systems ist ein bundesweit führender Anbieter bei der Entwicklung, Konstruktion, Projektierung sowie beim Bau von Windenergieanlagen. Das Unternehmen baut Anlagen in der Größenklasse 750 kW und 1,5 MW. Es arbeitet an der 3 MW- bis 5 MW-Klasse. Über 230 Mitarbeiter sollen in diesem Jahr rund 300 Mio. DM Umsatz erwirtschaften. Repower Systems hält Beteiligungen in Frankreich, Spanien und Griechenland. M.B.

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