Photovoltaik 10.02.2006, 18:42 Uhr

Hallendächer fangen Kraft der Sonne ein

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 2. 06, mg – Beispiele zeigen, dass sich für Solarkraftwerke besonders ungenutzte Flächen, etwa auf den Dächern von Produktionsbetrieben, eignen. Energie aus der Sonne zu gewinnen ist dort nicht nur umweltfreundlich, sondern kann für die Industrie aufgrund der Einspeisevergütung auch lukrativ sein.

Was liegt in Zeiten knapper und teurer Energie näher, als die unerschöpfliche Kraft der Sonne anzuzapfen. Eine solche Sonnentankstelle ist kürzlich mit 3,5 MW Spitzenleistung auf dem Dach des Michelin-Reifenwerks Deutschland im saarländischen Homburg in Betrieb gegangen. Gleich an vier Standorten will das Unternehmen Solarkraftwerke deutschlandweit auf seinen Werkshallen-Dächern realisieren. Insgesamt mit einer Spitzenleistung von rund 10 MW ist es das größte Auf-Dach-Solarstrom-Projekt der Welt.

Insgesamt kommen 60 000 Solarmodule an den vier Michelin-Standorten auf über 200 000 m2 Dachfläche – das entspricht der Fläche von rund 40 Fußballfeldern – zum Einsatz. In Bad Homburg entstand mit 10 ha Dachfläche und rund 20 000 Solarmodulen die größte und leistungsstärkste dieser vier Anlagen. „Solardachanlagen lohnen sich: ökologisch und finanziell“, erinnert Saar-Umweltminister Stefan Mörsdorf. Alleine im Saarland gibt es etwa 180 Gebäude, deren Dachfläche jeweils mehr als 10 000 m2 groß ist. Für das Solarprojekt investiert der Reifenhersteller insgesamt 50 Mio. €, 16 Mio. € kostete allein das Sonnenkraftwerk in Homburg.

Die größte Solar-Dachanlage Bayerns ging kürzlich in Kronwieden bei Dingolfing in Betrieb. Auf circa 82 000 m2 Fläche, so groß wie 16 Fußballfelder, hat BP Solar als Generalunternehmer auf den vier Lagerhallendächern des Privatunternehmers Franz Fischer eine schlüsselfertige Solaranlage errichtet. Sie soll jährlich etwa 3,6 Mio. kWh Strom aus der Kraft der Sonne gewinnen – was dem Bedarf von circa 1000 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Gleichzeitig werden der Umwelt jedes Jahr rund 2500 t Kohlendioxid-Emissionen erspart.

„Wir wünschen Ihnen für die Anlage viele Sonnenstunden“, sagte Uwe Franke, Vorstandsvorsitzender der Deutschen BP, zur Einweihung. Und dies könnte wahr werden. Denn nicht umsonst sind Standorte im Freistaat wegen der vielen Sonnenstunden – etwa 1700 im Jahr – besonders beliebt.

Bei der Vielfalt der damit verbundenen Arbeiten in Kronwieden kein leichtes Unterfangen: Die Module mussten montiert und elektrisch angeschlossen werden, die Wechselrichter waren schalttechnisch anzubinden und schließlich musste eine weite Distanz im Gelände bis zum nächsten Mittelspannungsanbindungspunkt des regionalen Netzbetreibers E.on Netz überwunden werden. Wegen der technischen Herausforderungen setzte Fischer von vornherein auf eine schlüsselfertige Lösung mit starken Partnern, bei der Europas größtes Solarunternehmen BP Solar als Generalunternehmer fungierte und die SAG Netz- und Energietechnik als Turn-Key-Anbieter für die Elektrotechnik.

„Allein 60 km Gleichstromkabel waren über den Dächern von Dingolfing zu verlegen“, schildert Armin Beierle, Projektleiter der SAG NE, eine der Hauptaufgaben. Besonders aufwändig waren Kabeltrassierung sowie die Tiefbauarbeiten durch die niederbayerischen Isar-Auen mit den vielen Bahn- und Straßenquerungen: Schwierige 3,5 km Distanz waren in diesem Gelände bis zum nächsten Netz-Einspeisepunkt zu überwinden. Dennoch konnte die 3,7-MW-Anlage in nur 16 Wochen Bauzeit fertig gestellt werden.

Gleich einen „Sonnenfleck“ nannte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer bei der Einweihung die derzeit weltgrößte Einzel-Photovoltaikanlage auf dem Dach des Speditionsunternehmens Teege, Tietje und Sohn (tts) im südhessischen Bürstadt. Und auch beim Solaranlagenhersteller Conergy glaubt man, dass sich „der Trend bei der Planung solarer Großanlagen zunehmend auf Dächer verlagert“. Immerhin liegt die gesetzliche Einspeisevergütung für Auf-Dach-Anlagen mit rund 54 Cent pro kWh deutlich über der für Freiflächen.

EDGAR LANGE

Michelin baut Dachanlagen an vier Standorten

Ein Beitrag von:

  • Edgar Lange

    Freier Fachjournalist in Düsseldorf. Schreibt vor allem über IT-Themen.

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