Energie 06.03.2009, 19:39 Uhr

Gruben- und Deponiegas liefern sauberen Strom  

Die Umwandlung von Deponie- und Grubengas in Energie kann mehrere Vorteile bringen. Die Anlagen beseitigen das klimaschädliche Treibhausgas Methan. Für den erzeugten und ins Netz eingespeisten Strom gibt es hierzulande eine gesetzlich festgelegte Vergütung. Deutsche Mittelständler machen mit den Energieanlagen und Dienstleistungen gute Geschäfte im Ausland. VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 3. 09, mg

Mit dem Stromeinspeisungsgesetz von 1991 und dem ersten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 wurden in Deutschland die Grundlagen geschaffen für die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas oder Kohle. Das deutsche EEG wurde mittlerweile von 47 Staaten übernommen.

Vor diesem Hintergrund haben sich mittelständische deutsche Unternehmen aus dem Bereich regenerativer Energie weltweit einen ausgezeichneten Ruf als Exporteur von Technologie, Know-how und Dienstleistungen erworben. Unternehmen wie die Pro2 Anlagentechnik GmbH aus Willich bei Düsseldorf exportieren Anlagen und Dienstleistungen zur Biogas-, Klärgas-, Grubengas- und Deponiegasnutzung in mittlerweile 20 Länder – Tendenz steigend. Speziell die Bereiche Grubengas und Deponiegas versprechen weltweit exzellente Chancen.

In Mülldeponien entstehen durch biochemische Prozesse im eingelagerten Abfall Tag für Tag große Mengen an Methan. Wenn diese in die Atmosphäre gelangen, hat dies fatale Folgen für das Klima. Methan ist ein viel stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Das Erwärmungspotenzial von 1 kg Methan ist 23-mal höher als das von 1 kg Kohlendioxid.

Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Methanpegel der Atmosphäre rund 2,5-mal so hoch ist wie noch vor der industriellen Revolution. Methan ist mittlerweile für rund ein Fünftel des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes verantwortlich. Weltweit werden schätzungsweise jährlich 500 Mio. t Methan emittiert, etwa 70 % davon sind auf den Menschen zurückzuführen. Deshalb ist die Umweltrelevanz von Deponiegas- und Grubengasanlagen zur Umwandlung der methanhaltigen, klimaschädlichen Gase in Energie unbestritten.

Obwohl noch mehr als 80 % des Stroms in Frankreich auf Basis der Kernenergie erzeugt werden, bekommen erneuerbare Energien aus wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Gründen auch in Frankreich zusehends größere Bedeutung. Bisher hat Pro2 in Frankreich 15 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 20 MW in den Bereichen Deponie-, Klär- und Biogas installiert. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird mit einer Verdoppelung gerechnet. Damit ist das Unternehmen in Frankreich einer der bekanntesten Akteure.

Große Marktpotenziale für Deponiegasanlagen bestehen vor allem in Ost- und Südosteuropa sowie rund um die Ballungszentren der Boomregionen Lateinamerikas und Asiens. Aber auch andere Länder setzen auf Klimaschutz. Für das Emirat Katar am Persischen Golf wird Pro2 unter anderem fünf Blockheizkraftwerke (BHKW) liefern, die auf der zentralen Müllentsorgungsanlage des Emirats methanhaltiges Biogas in umweltfreundlichen Strom umwandeln.

Da Deponiegasanlagen in sehr hohem Maße CO2-Emissionen einsparen, entstehen aufgrund unterschiedlicher Vergütungsmechanismen in den verschiedenen Ländern teilweise sehr hohe „Wirtschaftlichkeitshebel“, die zu einer guten Rentabilität der Anlagen auf Basis von Stromerlösen und dem Verkauf von CO2-Zertifikaten führen.

Alleinstellungsmerkmal von Pro2 ist die Entwicklung und Lieferung von Komplettpaketen zur Gasnutzung mit Verdichter und Trafostation sowie das Management des anspruchsvollen Abstimmprozesses inklusive Potenzialermittlung sowie Kommunikation mit Energieversorgern und Behörden. Dieses Know-how, auch komplexe Verfahren mit Gasaufbereitung und Support zu beherrschen, ist eine wesentliche Grundlage für den Unternehmenserfolg.

Bei der Umwandlung methanhaltiger Grubengase aus dem aktiven und stillgelegten Bergbau in Energie stellten in Deutschland in der Vergangenheit naturgemäß die Steinkohleregionen in Nordrhein-Westfalen und im Saarland Schwerpunkte dar. Die relevanten Technologien wurden überwiegend von Unternehmen in NRW entwickelt, wobei in Deutschland durch das EEG und weltweit durch das Kyoto-Protokoll ein enormer Schub zu verzeichnen war. Das Protokoll sieht eine Reduktion des jährlichen Treibhausgas-Ausstoßes der Industrieländer von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 % gegenüber 1990 vor. Mittlerweile werden in Deutschland Anlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von 180 MW betrieben.

Potenziale für Grubengasnutzungsanlagen bestehen vor allem in China, Russland und in Osteuropa. So konnte Pro2 zum Jahresende 2008 Grubengasanlagen in der Ukraine und in Kasachstan im Wert von über 10 Mio. € errichten sowie einen Auftrag in Polen platzieren. Als preiswertem Energieträger werden Grubengas weltweit sehr gute Chancen eingeräumt. Darüber hinaus geht es bei Grubengasanlagen auch um die Erhöhung der Sicherheit in den Bergwerken. Denn Methan ist leicht entzündlich und explosiv. Es führte zu vielen Bergwerksunglücken mit Todesopfern.

Der Exportschlager erneuerbare Energien zeigt sich auch äußerst robust gegenüber der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. Haupttreiber des Geschäfts von Pro 2 im Ausland sind der Deponiegas- und Grubengasbereich. 2008 war für das Unternehmen ein Rekordjahr und auch die Perspektiven für 2009 sind sehr gut. Klimaschutz, Ressourcenschonung und Energieeffizienz sind Topthemen weltweit. STEPHAN WAERDT

Der Autor ist Geschäftsführer der Pro2 Anlagentechnik in Willich.

Von Stephan Waerdt
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