Erneuerbare Energien 24.04.2009, 19:40 Uhr

Großes Potenzial für Geothermie liegt im Export

Im Vorfeld der 5. Internationalen Geothermiekonferenz in Freiburg erläutert Horst Kreuter, Vorsitzender Sektion tiefe Geothermie bei der Geothermischen Vereinigung, im Interview die Lage und Zukunft der Branche. VDI nachrichten, Freiburg, 24. 4. 09, swe

CO2-Testanlage: Wird die Geothermie zugunsten der CO2-Speicherung zurückstecken?

CO2-Testanlage: Wird die Geothermie zugunsten der CO2-Speicherung zurückstecken?

Foto: EU-Kommission

Kreuter: Die Branche durchlebt im Moment eine Phase der Dynamik, die durch die Novellierung des EEG und die Maßnahmen des Marktanreizprogrammes Erneuerbare Energien (MAP) ausgelöst ist. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ermöglicht wirtschaftliche Projekte an vielen Standorten in der Molasse und im Oberrheingraben. Darüber hinaus stimuliert es auch die Wärmenutzung und die Weiterentwicklung der petrothermalen Geothermie. Das MAP fördert tiefengeothermische Wärmeprojekte und bietet eine Absicherung für Bohr- und Fündigkeitsrisiken.

Gegen diese Dynamik wirkt im Moment die Finanzkrise, die die Finanzierung von Projekten und die Durchleitung der Kredite aus dem MAP behindert. Die Banken sehen sich nicht in der Lage anspruchsvolle Projekte zu finanzieren, solange ihnen nicht alle Risiken vom Projektentwickler abgenommen werden. Dies können im Moment nur große Unternehmen leisten.

Welche Folgen hätte ein CCS-Gesetz – das Carbon Capture Storage, die unterirdische CO2-Einlagerung, regelt – würde es in der jetzigen Entwurfsform umgesetzt?

Welche Regionen in Deutschland und Europa wie stark von den CCS-Aktivitäten betroffen sind, ist noch nicht abzusehen. Die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit von CCS muss sich noch erweisen. Die Einlagerungsgebiete von CO2 mögen am Ende auf nur wenige Gebiete begrenzt sein, jedoch bietet das Gesetz die Möglichkeit, zeitlich fast unbegrenzt große Gebiete für andere Nutzungen zu blockieren. Hier ist eine ungerechtfertigte pauschale Bevorzugung von CCS gegenüber der Geothermie und anderen Nutzungen zu erkennen.

Noch ist vieles bei CCS unklar, auch ob eine Kombination mit der Geothermie möglich oder technisch sinnvoll ist. Solange dies alles derart unsicher ist, sollten die CCS-Aktivitäten auf die Versuchsstandorte begrenzt sein. Eine großflächige Blockierung der direkten CO2-Vermeidung durch den Einsatz der Geothermie darf nicht das Ergebnis des Gesetzes sein.

Welche Strategien zur Risikominimierung von Geothermieprojekten bieten sich dem Anwender?

Das Fündigkeitsrisiko – Temperatur und Fördermenge des Thermalwassers – und das technische Bohrrisiko sind die größten Hemmnisse der Entwicklung von Tiefengeothermieprojekten. Finanzierende Banken wollen diese Risiken nicht übernehmen, sondern wollen, dass sie zu 100 % vom Anwender abgesichert werden. Eine Versicherung dieser Risiken kommt nur dem Risikokapital des Anwenders zugute.

Abgesichert werden im Moment nur hydrothermale Projekte mit hoher, zum Beispiel über 80 %iger Erfolgswahrscheinlichkeit. Petrothermale Projekte und solche in Gebieten ohne Referenzbohrungen sind im Moment nicht versicherbar.

Dennoch ist diese Versicherungsmöglichkeit eine positive Besonderheit in Deutschland. Private Absicherungen von Fündigkeitsrisiken sind außerhalb Deutschlands noch unbekannt. Gespannt erwartet wird die Umsetzung der vor kurzem eingeführten Möglichkeit der Risikoabsicherung im Rahmen des MAP-Programms des Bundesumweltministeriums.

Wie sehen Sie die Zukunftschancen der Geothermie in Deutschland?

Das Potenzial ist groß. Ob es erschlossen werden kann, hängt von den Erfahrungen und Lerneffekten aus den zukünftig umgesetzten Projekten ab. Diese müssen technisch erfolgreich und zu weiter sinkenden Kosten umgesetzt werden. Die noch vorhandenen technischen Fragen werden von den Firmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen mit dem Sachverstand der Ingenieure und Geologen gelöst werden. Dazu muss die erfolgreiche Forschungs- und Entwicklungsförderung des Bundesumweltministeriums ausgebaut und verstetigt werden.

Die drängenden Fragen der Energieversorgung und des Klimaschutzes machen die Nutzung unserer geothermischen Ressourcen in Deutschland zu einer unabdingbaren Notwendigkeit.

Welche Rolle spielt der Export für die deutsche Geothermiebranche?

Im Moment ist die deutsche Geothermiebranche noch hauptsächlich mit der Umsetzung deutscher Projekte beschäftigt. Alle Akteure sehen aber auch das große Potential des Exports der hier gewonnenen Erfahrungen und der von deutschen Ingenieuren entwickelten Technologien in der Niedrig-Temperatur-Geothermie.

Für einige der großen Firmen, die nun auch in Deutschland aktiv werden, ist gerade dieses Exportpotenzial der Anlass für ihr Engagement. Einige Firmen der Geothermiebranche engagieren sich bereits in Ländern wie Indonesien und der Türkei. Staatliche Entwicklungshilfeprogramme sind bereits seit vielen Jahren in Afrika und Chile aktiv. In der Umsetzung der dort vorbereiteten Projekte können auch deutsche Firmen eine Rolle spielen.

Wie steht es um den beruflichen Nachwuchs in der Geothermiebranche?

Eine Ausbildung zum „Geothermie-Ingenieur“ gab es in der Vergangenheit noch nicht. An vielen Universitäten wird Geothermie jedoch ein Schwerpunkt, so dass in einigen Jahren ein spezifisch ausgebildeter Nachwuchs zur Verfügung steht. Beispiele sind Bochum, Karlsruhe, Aachen, Darmstadt und München. Die Nachfrage nach diesen jungen Ingenieuren wird groß sein. Im Moment bildet jedes Unternehmen seine Spezialisten für die Geothermie aus Geologen, Geophysikern, Maschinenbauern oder Verfahrenstechnikern selbst aus.

STEPHAN W. EDER

Von Stephan W. Eder
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