Energie 21.04.2006, 19:21 Uhr

Große Biogasanlagen spielen ihre Trümpfe aus  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 4. 06, mg – Der Trend im Biogasbereich geht zu größeren Anlagen. Dies machen auch die Aussteller im Sektor „Energy“ auf der Hannover Messe deutlich, wo sie ihre Konzepte und Komponenten den Besuchern präsentieren. Großanlagen sind wirtschaftlich und vielseitig nutzbar. Immer wichtiger wird die effiziente Nutzung der bei der Stromerzeugung anfallenden Abwärme.

Von 400 MW auf 650 MW stieg im vergangenen Jahr die elektrische Leistung der in Deutschland installierten Biogasanlagen, deren Zahl kletterte auf rund 2700. Ein großer Teil der über 700 neu installierten Anlagen sind nach Angaben des Fachverbands Biogas in der Klasse um 500 kW entstanden. „Auch die Vergrößerung bestehender Anlagen, das Repowering, spielt eine zunehmend wichtige Rolle“, so Geschäftsführer Claudius da Costa Gomez.

„Der Trend geht eindeutig zu 500 kW und mehr“, berichtet auch Dr. Gerd Reinhold von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft über eine aktuell durchgeführte Erhebung. Kostenvorteile wie höhere Wirkungsgrade und geringere Stückkosten sprechen für die größeren Anlagen.

„Je größer die Anlage ist, umso mehr ist jedoch Know-how und eine vernünftige Kalkulation gefragt“, betont Thomas Turk von der Ingenieurgemeinschaft Witzenhausen. Entscheidend sei eine sinnvolle Nahwärme- nutzung im kommunalen Umfeld. Bei kleineren landwirtschaftlichen Anlagen würden oft nur 10 % bis 20 % der bei der Stromerzeugung entstehenden Wärme genutzt. „Sobald so eine Anlage mal unerwartet ausfällt, ist trotz des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die Wirtschaftlichkeit gefährdet“, so Turk. „Biogasanlagen leben derzeit hauptsächlich von der Wärmeabnahme.“ Ideal sei die Einbindung von Anlagen in kommunale Planungen und die Wärme- nutzung in angrenzenden Schulen, Hallenbädern oder Gewerbegebieten.

Erleichtert wird die Errichtung größerer Biogasanlagen im siedlungsnahen Bereich durch den Trend zum Einsatz nachwachsender Rohstoffe (Nawaros). Anlagen, die ausschließlich mit Biomasse aus nachwachsenden Rohstoffen oder Gülle betrieben werden, erhalten hierfür seit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im August 2004 neben einer festen Vergütung einen Zuschlag von 4 Cent bis 6 Cent je kWh. So kommen in Thüringen mittlerweile schon in 45 % der Biogasanlagen Energiepflanzen wie Mais, Gras oder Getreide zum Einsatz. Entsprechend beschickte Anlagen sind meist emissionsärmer, als wenn Reststoffe wie Tierabfälle oder -fette mit verwertet werden. „Bei Nawaro-Anlagen mit einem bis zu 15 %igen Gülleanteil haben wir kaum große Geruchsprobleme“, erklärt Turk.

Auf eine enge kommunale Einbindung und Verbundlösungen setzen nun ländliche Regionen wie der Neckar-Odenwald-Kreis. Dort wird derzeit an der Realisierung eines Biogasparks mit mehreren Standorten und einem Investitionsvolumen von 14 Mio. € gearbeitet. Errichtet werden sollen sieben Biogasanlagen mit jeweils 500 kW, die mit Energiepflanzen und Gülle Strom und Wärme erzeugen. Betreiber ist die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises, Partner sind landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaften.

„Kosteneinspareffekte für die Kommunen ergeben sich vor allem durch die Wärmebereitstellung mit stabilen Preisen“, betont Geschäftsführer Thomas Brückner. „Wir legen deshalb von Anfang an Wert auf die Anbindung unserer Anlagen in Nahwärmenetze.“ In der Gemeinde Buchen ist im Mai Baubeginn für einen der sieben Standorte des Biogasparks. Wärme wird von einem nahe gelegenen Krankenhaus abgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Solar- und Wasserstoffforschung (ZSW) Stuttgart soll auch ein Saisonwärmespeicher realisiert werden, der im Sommer überschüssige Wärme bis in den Winter speichert. Erprobt werden soll zudem mit regionalen Versorgern die Vergütung von Spitzenstrom und die Gaseinspeisung ins Erdgasnetz. „Durch Projektierung, Bau und Betrieb mehrerer Anlagen im Verbund ergeben sich vielfältige Synergien“, erklärt Brückner. So könnten die jährlichen Wartungskosten pro Anlage von 50 000 € auf 20 000 € gesenkt werden. Einspareffekte ergäben sich beispielsweise auch durch die zentrale Steuerung. HANS-CHRISTOPH NEIDLEIN

Von Hans-Christoph Neidlein
Von Hans-Christoph Neidlein

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