Energie 14.05.2004, 18:30 Uhr

Gleichstromtechnik verknüpft Insellösungen mit dem Energienetz

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 5. 04 – Die Übertragung großer Leistungen per Gleichstrom ist Hightech. Sie macht Netze zuverlässiger und kann Blackouts verhindern helfen. Besonders in China, aber auch weltweit setzen Energieversorger auf die vor 50 Jahren erstmals genutzte Technik.

Die verheerenden Stromausfälle des vergangenen Jahres in Nordamerika und Europa stecken den Energieversorgern und ihren Kunden immer noch in den Knochen. „Solche Blackouts wären mit HGÜ nicht passiert.“ Darin waren sich die Experten einig, die vorige Woche auf der schwedischen Insel Gotland an den Veranstaltungen zum 50-jährigen Jubiläum der Hochspannungs-Gleichstromübertragung, kurz HGÜ, teilnahmen. 1954 war dort die weltweit erste kommerzielle HGÜ-Leitung vom schwedischen Festland zu der Ostseeinsel in Betrieb genommen worden, konzipiert und aufgebaut von Asea, einem Vorgängerunternehmen des ABB-Konzerns.
Seither hat ABB die Hochspannungs-Gleichstromübertragung als Ergänzung oder Alternative zu den herkömmlichen Hochspannungs-Wechselstromleitungen weiterentwickelt und sieht sich vor Siemens und Areva als Marktführer bei dieser Technologie. „HGÜ ist Hightech. Unser technologisches Know-how und unser Pioniergeist haben uns zum Marktführer bei dieser Technologie gemacht“, sagte Peter Smits, Leiter der Division Energietechnik bei ABB. „Diese Technologie kommt auf allen Kontinenten zum Einsatz und ist nicht nur für die Industrie und Versorgungsunternehmen, sondern auch für die Verbraucher von hohem Nutzen.“
Die privaten und industriellen Stromkunden profitierten in erster Linie von höherer Zuverlässigkeit und Stabilität der Netze, erklärte Smits. Denn im Gegensatz zu den herkömmlichen Hochspannungs-Wechselstrom-Leitungen könnten HGÜ-Leitungen nicht überlastet werden. Mit dieser Technologie lasse sich auch der Stromfluss kontrollieren und das sorge für eine hohe Netzstabilität. Außerdem treten keine Spannungsschwankungen auf, wie es bei miteinander verbundenen Wechselstromsystemen der Fall ist. Schließlich sei die Gleichstrom-Technologie preiswerter als die mit Wechselstrom.
Ihre Stärken spielt die HGÜ-Technologie, bei der Wechsel- bzw- Drehstrom in Stromrichterstationen gleichgerichtet, als Gleichstrom per Kabel oder Freileitung übertragen und am Ende der Strecke wieder in Wechselstrom umgerichtet wird, naturgemäß bei der Kopplung von Wechselstromnetzen aus: So können beispielsweise ein Netz mit 50-Hz-Frequenz und eines mit 60-Hz gekoppelt werden. „Dabei entsteht dann ein Netzwerk, dem der Stromverbraucher nicht ansieht, dass es aus verschiedenen Teilen aufgebaut ist“, erklärt Gunnar Asplund, ABB-Manager für Forschung und Entwicklung der HGÜ.
„Typisch ist auch die Anbindung von Inseln an ein vorhandenes Stromnetz. Wo Wasser ist, empfiehlt sich die Verlegung von HGÜ-Kabeln“, erklärt Forscher Asplund. So sind zum Beispiel von Skandinavien aus in den letzten 50 Jahren fast ein Dutzend Leitungen unter der Ostsee hindurch verlegt worden. Hierzu zählen das 1994 in Betrieb genommene Baltic Kabel nach Deutschland, Kontek aus dem Jahr 1996 ebenfalls nach Deutschland und SwePol von 2000 nach Polen.
Hervorgegangen aus den ABB-Entwicklungsaktivitäten ist auch eine HVDC Light genannte Weiterentwicklung, die mit kompakteren Stromrichtern und dünneren Kabeln als die Vorgängerversionen auskommt. „Dafür sind schmalere Trassen als bei Wechselstrom nötig. Das erfordert auch weniger Eingriffe in die Natur, ist somit auch umweltfreundlich und es erleichtert die Genehmigungsverfahren“, erklärt Asplund. Eine solche Light-Verbindung besteht auch auf Gotland. Die 50-MW-Leitung transportiert Strom aus einem Windpark im Süden der Insel zu den Verbrauchsschwerpunkten nahe bei der Hauptstadt Visby.
Die Mitarbeiter von ABB zeigen sich sichtlich stolz auf das Erreichte. Sie errichteten die HGÜ-Anlage mit der höchsten Spannung der Welt, nämlich 600 kV für das Wasserkraftwerk Itaipu in Brasilien die längsten Leitungen und die höchste Übertragungsleistung (3000 MW) wurden in China beim Drei-Schluchten-Staudamm verwirklicht. Und das längste unterirdische Kabel der Welt, den 177 km langen Murraylink, verlegte das Unternehmen in Australien auf extrem schmaler Trasse.
ABB-Manager Smits rechnete vor, dass die Gesamtkapazität aller weltweit installierten HGÜ-Systeme 70 000 MW betrage und diese auf mehr als 90 Anlagen rund um den Globus verteilt sei. Davon habe sein Unternehmen eine Übertragungskapazität von 40 000 MW und mehr als die Hälfte aller Stromrichterstationen aufgebaut. Beim Neugeschäft liege der ABB-Anteil bei etwa 60 %. Nach China seien Europa und die USA die wichtigsten Märkte. An den Stromübertragungstechniken in China habe HGÜ einen Anteil von etwa 10 % bis 15 %, dafür wolle das Land etwa 12 Mrd. $ im Jahr investieren. In den USA und Europa hätten die Ausfälle des letzten Jahres zu einem höheren Sicherheitsbedürfnis geführt. In beiden Regionen würden jeweils etwa 2 Mrd. $ jährlich für HGÜ ausgegeben.mg

  • Manfred Grotelüschen

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