Wasserkraft 27.07.2001, 17:30 Uhr

Gelobt und gescholten

Wasserkraft ist die wichtigste erneuerbare Energiequelle, doch eine noch stärkere Nutzung stößt auf erhebliche Widerstände. Naturschützer wollen keine weiteren Eingriffe in Landschaften hinnehmen. Gleichwohl treibt der Energiebedarf der Entwicklungsländer weltweit den Ausbau der Wasserkraft voran.

Für Hans Haas, Geschäftsführer der E.on Wasserkraft GmbH, besteht kein Zweifel: Wasserkraft ist die erneuerbare Energiequelle par excellence. „Sie ermöglicht nicht nur eine schadstofffreie Stromerzeugung, sondern sie steht auch Tag und Nacht als gesicherte Leistung zur Verfügung“, hebt er hervor.

Deshalb hat Haas kein Verständnis für die Diskriminierung der Wasserkraft im Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dort gilt für Kleinanlagen bis 500 kW eine Einspeisevergütung von 15 Pf./kWh, bis 5 MW sind es noch 13,5 Pf./kWh, für größere Anlagen entfällt aber jegliche Förderung. Dahinter steckt die Vorstellung, kleine Wasserkraftwerke seien naturverträglich, große dagegen zerstörten die Umwelt.

„Small is beautiful“ führt in diesem Fall jedoch in die Irre. Will man eine große Anlage gleichwertig durch kleinere ersetzen, sind die Auswirkungen in der Summe stärker. Es werden mehr Flussabschnitte zerstückelt und mehr Land überflutet. Das haben Untersuchungen der International Hydropower Association (IHA), London, ergeben.

Beim Europäischen Parlament ist diese Botschaft angekommen. Im Gesetzgebungsverfahren für die Richtlinie zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist die anfangs vorgesehene Obergrenze von 10 MW für Wasserkraftanlagen weggefallen. Das ist auch notwendig, soll das ehrgeizige Ziel erreicht werden, den Anteil von erneuerbaren Energien am EU-Gesamtverbrauch von derzeit 6 % bis 2010 auf 12 % zu verdoppeln.

Die wahre Bedeutung der Wasserkraft erschließt sich aber erst in einer globalen Perspektive. Nach den letzten verfügbaren Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) betrug 1997 die installierte Leistung aller Anlagen insgesamt 700 GW. Mit einer Jahreserzeugung von 2600 TWh deckten sie knapp 20 % des weltweiten Stromverbrauchs von 14 000 TWh. Im Vergleich zur Erzeugung auf fossiler Basis wurde damit ebenso viel Kohlendioxid vermieden, wie die Automobilflotte der Welt ausstößt.

Damit sind die Möglichkeiten der Wasserkraft aber keineswegs ausgereizt. Das technische Potential wird auf 14 000 TWh Jahreserzeugung geschätzt, davon gelten 8000 TWh als wirtschaftlich erschließbar. Weltweit sind gegenwärtig Anlagen mit einer Gesamtleistung von 108 GW im Bau. Für die Wasserkraft spricht nicht nur das übergeordnete Ziel des Klimaschutzes, sondern vor allem das Interesse der Entwicklungsländer selbst. Ein Paradebeispiel ist Nepal. „Ein gut überlegter Ausbau der Wasserkraft könnte die soziale und ökonomische Entwicklung des Landes voranbringen“, betont der Energieplaner Shaligram Pokharel. Aus dem riesigen Potential von 83 000 MW werden bisher aber lediglich 0,3 % genutzt. Andererseits sind Dieselstationen mit insgesamt 50 MW in Betrieb, deren Treibstoff Nepal importieren muss.

Neben der Deckung des Eigenbedarfs sollte nach Pokharels Ansicht Nepal auch Stromexporte nach Indien und Bangladesh anstreben, um Deviseneinnahmen zu erzielen. Eine Koalition von Nicht-Regierungs-Organisationen aus Nepal und dem Westen hat aber schon den ersten Anlauf in diese Richtung torpediert. Sie opponierte wegen der Eingriffe in eine weitgehend unberührte Naturlandschaft so heftig gegen ein 200-MW-Kraftwerk am Arun in Osten Nepals, dass sich die Weltbank und auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aus dem Projekt zurückzogen.

Um die Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern von Staudämmen zu entschärfen, wurde auf Anregung der Weltbank 1998 eine World Commission on Dams (WCD) ins Leben gerufen, die im letzten Herbst einen Bericht mit 26 Leitlinien zur sozial- und umweltverträglichen Gestaltung von Staudammprojekten vorgelegt hat.(www.dams.org). Für die IHA ist der WCD-Bericht zu stark aus Sicht der Staudammgegner geprägt. Minderheiten werde praktisch ein Vetorecht eingeräumt, auch die Umweltstandards seien teils überzogen. In einem Brief an Weltbankpräsident James Wolfensohn hat deshalb die Organisation vor einer Übernahme der WCD-Vorschläge gewarnt: „Damit könnte auch jedes noch so vernünftige Projekt blockiert werden.“ HANS DIETER SAUER

Wird fortgesetzt

Wasserkraft in Deutschland

Insgesamt betreiben die deutschen Energieversorger 660 Wasserkraftwerke mit insgesamt 4050 MW installierter Leistung. Dazu kommen 100 Industrieanlagen mit 225 MW sowie 9 Kraftwerke der Bahn mit 190 MW. Des weiteren gibt es 4000 private Kleinanlagen mit insgesamt 440 MW. Im (regenreichen) Jahr 1999 hatte die Wasserkraft mit 23,5 TWh einen Anteil von 4,3 % an der deutschen Stromerzeugung. Die größte Kapazität besitzt Bayern an den aus den Alpen kommenden Nebenflüssen der Donau. Größter Betreiber ist die aus der Bayernwerk Wasserkraft AG hervorgegangene E.on Wasserkraft GmbH. Ihre 120 Anlagen von insgesamt 2760 MW erzeugen etwa 10 TWh pro Jahr. hds

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